GRÜNE KAPSEL-TRANSFORMATION

Nespresso hat sich als Lifestyle- und Premiummarke etabliert. Doch das Unternehmen möchte sich zunehmend auch mit nachhaltigem Wirtschaften einen Namen machen. Um das große Ziel, bis 2022 global CO2-neutral zu sein, zu erreichen, bedarf es jedoch kluger Ansätze – und die hat Marianne Neumüller-Klapper, seit Neuestem Verantwortliche für die Nachhaltigkeitsagenden bei Nespresso Österreich, die die grüne Transformation des Kaffeekapselherstellers maßgeblich vorantreibt.

Eine Tasse Kaffee wie vom Barista auf Knopfdruck selbst zubereiten zu können – nicht weniger ermöglicht Nespresso seinen Kunden. 1986 gegründet, hat das zum Nestlé-­Konzern gehörende Unternehmen mit George Clooney Kaffee zum Lifestyle- und Premiumprodukt erhoben – und die Kaffeezubereitung von Grund auf verändert.

Weil jedoch durch ­Nespressos System die Kapseln nach der Kaffeezubereitung übrig bleiben, entstand in den letzten Jahren Kritik am Premiumprodukt. „Wir haben den Kaffeemarkt revolutioniert – und zehn Jahre später revolutionierten wir das Recycling, bevor das Thema medial überhaupt präsent war“, stellt Marianne Neumüller-Klapper jedoch sofort klar, als wir sie zum Interview treffen. Sie ist seit sieben Jahren bei Nespresso Österreich tätig, seit mehr als einem Jahr als Customer Care & Service Director. Und erst kürzlich erweiterte sich ihr Tätigkeitsbereich: Seit Juli verantwortet Neumüller-Klapper offiziell die Nachhaltigkeitsagenden für Nespresso Österreich. Das Ziel, das sie sich dabei gesetzt hat, hat es in sich: Gemeinsam mit ihrem Team will sie bis 2022 global CO2-neutral wirtschaften. Doch wie will Neumüller-Klapper ihr ambitioniertes Vorhaben in die Tat umsetzen – und welche nachhaltigen Lösungsansätze gibt es überhaupt für die vielfach kritisierten Aluminiumkapseln?

Nach ihrer Matura startete Neumüller-Klapper ihre Karriere zunächst bei Codico, einem Distributor für elektronische Bauelemente. Da­raufhin wechselte sie als Head of Central Services zum Pharmariesen Roche und studierte währenddessen von 2001 bis 2005 Health Service Management an der Donau-Universität Krems. Dass sie noch einmal Studentin sein würde, hätte sie nicht gedacht – vielmehr wollte sie nach der Schule direkt ins Berufsleben starten: „Ich habe auch alles ausprobiert, sowohl Vertrieb und Verkauf als auch Logistik. Wie ein Betrieb und seine Infrastruktur funktionieren, habe ich dadurch schon sehr früh gelernt“, erzählt sie. Der Einsatz zahlte sich aus: Nachdem Neumüller-Klapper sich in den oben genannten Gebieten einen Namen gemacht hatte, unterbreitete ihr schließlich ein Headhunter ein Jobangebot für Nespresso. Sie nahm an und stieg direkt in der Führungsetage des Kaffeekapselherstellers ein.

Nespresso ist heute in 84 Ländern aktiv – bereits seit über 20 Jahren in Österreich – und beschäftigt weltweit 13.500 Mitarbeiter, in Österreich rund 430. Von „Vivalto Lungo“ über „Ispirazione Ristretto Italiano“ bis hin zu „Master Origin Indonesia“: Rund 35 verschiedene Kaffeevarietäten bietet das Unternehmen in seinem Sortiment an. Für das besondere Erlebnis gehen Nes­presso-Kunden zudem gerne in die firmeneigenen Boutiquen – die Distributionskanäle sind eine bewusste Entscheidung des Unternehmens: „Es gab nie die Diskussion, Nes­presso im Supermarkt zu verkaufen, sondern ausschließlich über die eigenen Kanäle. Somit können wir auf den Kunden und seine individuellen Wünsche eingehen und maß­geschneiderte Services anbieten“, so Neumüller-Klapper.

Die Konkurrenz ist im Laufe der Zeit stark angewachsen. Dazu gehören bekannte Namen wie Dallmayr, Lavazza und Jacobs – doch selbst Discounter sind mittlerweile in den Kaffeekapselmarkt eingestiegen und konnten ihren Marktanteil steigern. Laut Neumüller-Klapper hat Nespresso aber allen eine Sache voraus: „Uns unterscheidet vor allem die nachhaltige Qualität. Das beginnt beim Kaffeeanbau und geht bis zur fertigen Tasse Kaffee und dem dazugehörigen Recycling. Im Vergleich zu allen anderen Herstellern kennen wir die 110.000 Kaffeefarmer, von denen wir weltweit den Kaffee beziehen. Die anderen Hersteller kaufen Kaffee an der Börse ein und wissen nicht, wer der Produzent ist und unter welchen Bedingungen gefertigt wird.“

Uns unterscheidet vor allem die nachhaltige Qualität. Das beginnt beim Kaffeeanbau und geht bis zur ­fertigen Tasse Kaffee und
dem dazu­gehörigen Recycling.

Gemeinsam arbeitet Nespresso mit Kaffeebauern in Südamerika, ­Afrika und Asien, von denen das Unternehmen die Kaffeebohnen bezieht, daran, die Qualität zu erhöhen, mit den Geschmacksrichtungen zu variieren und den Kaffee nachhaltig anzubauen. Sogar aus dem Südsudan beziehe man mittlerweile Bohnen: „Wir haben es uns auch zur Aufgabe gemacht, Gebiete, die benachteiligt sind, wiederzubeleben und den dortigen Menschen zu helfen, auf ihren eigenen Beinen zu stehen“, so Neumüller-Klapper.

Um den CO2-Fußabdruck beim Anbau zu kompensieren, werden auf den Kaffeeplantagen zum Beispiel zusätzlich Avocadobäume angepflanzt, welche außerdem als eine weitere Einnahmequelle für die Farmer fungieren. Ein weiterer Vorteil: Der durch die Bäume gespendete Schatten für die Kaffeepflanzen erhöhe zugleich die Qualität der Bohnen, erzählt Neumüller-Klapper. Nach der Ernte werden die Bohnen dann nach Europa verschifft und in der Schweiz schließlich geröstet, gemahlen und in den bekannten Nespresso Aluminiumkapseln versiegelt. Weil auch hier auf den CO2-Fußabdruck geachtet wird, werden die Kapseln mit der Bahn nach Österreich gebracht, wo sie in Lkws – die bald durch Elektrotrucks ersetzt werden sollen – in die 16 Boutiquen geliefert werden. Doch warum verwendet man weiterhin Aluminiumkapseln, wenn überall sonst auf eine ausgeglichene Ökobilanz geachtet wird?

Zunächst einmal erfülle das Material einen qualitativen Aspekt, so Neumüller-Klapper: „Aluminium hilft uns, die Frische der Röstung und der Mahlung beizubehalten, bis der Kaffee in die Tasse fließt, indem es den Kaffee wie in einem Tresor luftdicht abschließt. Jedes andere Material ist luftdurchlässig und kommt damit nicht infrage.“

Und weil das Material wiederverwendbar ist, hat Nespresso Österreich bereits seit über zehn Jahren ein eigenes Recyclingsystem implementiert. Zur Aufklärung über die Aluminiumkapseln und ihre Verwertbarkeit sowie die Ökobilanz des Nespressosystems wurde 2017 zudem eine Studie in Auftrag gegeben.

Konkreter Gegenstand der Analyse war die Auswirkung einer Lungo-Tasse Kaffee, die mit dem Nespresso-Originalsystem in der Schweiz zubereitet wurde, im Vergleich zu drei anderen auf dem Schweizer Markt üblichen Kaffee­zubereitungssystemen. Das Ergebnis: Alle Zubereitungssysteme weisen einen ähnlichen CO2-Footprint auf – Nespresso schnitt sogar besser ab als ein vollautomatisches System. Die Studie wurde anschließend von drei unabhängigen Experten einem Peer-Review unterzogen.

Außerdem setzt Nespresso auf das Recycling der Kapseln – und das geht relativ einfach: 97 % der Nespresso-Kunden haben im Umkreis von fünf Kilometern eine Recyclingstelle, so Neumüller-Klapper. Dazu gehört die allseits bekannte blaue bzw. blau-gelbe Tonne in 16 ausgewählten Regionen österreichweit sowie die Abgabe im hauseigenen System in Nespresso-Boutiquen, beim Fachhandel oder in den Abfallsammelzentren. Die über das Nespresso-eigene System gesammelten Kapseln werden dann vom Recycling­unternehmen ARA zu Höpperger, einem regionalen Abfallverwerter in Tirol, transportiert, wo schließlich der Kaffeesud vom Aluminium getrennt wird. Aus der Bräue wird Biogas hergestellt, das in Elektrizität umgewandelt wird, und aus dem Aluminium werden im Sekundärkreislauf neue Produkte hergestellt, etwa Fensterrahmen.

Als Neumüller-Klapper 2013 zu Nespresso kam, machte sie es sich zur ersten Aufgabe, eine Lösung zu finden, womit die gebrauchten Kapseln gesammelt und zur Recyclingstelle gebracht werden können. Am Ende fand sie mit einem wasserdichten Papiersackerl das ideale Produkt. „Der hauseigene wasserdichte Recycle-Bag ist sozusagen eine österreichische Erfindung“, so Neumüller-Klapper. Die Idee kam sogar so gut an, dass andere Länder, in denen Nespresso vertreten ist, die österreichische Erfindung adaptiert haben.

Marianne Neumüller-Klapper
...absolvierte an der Donau-Universität Krems ihren MBA in Health Service Management. Nach Stationen als Head of Central Services und Senior Sales & Operations Manager bei F. Hoffmann-La Roche und Mondi fing sie schließlich 2013 im Bereich Supply Chain bei Nespresso an. Seit 2019 ist Neumüller-Klapper dort Customer Care & Service Director, seit 2020 verantwortet sie zudem die Nachhaltigkeitsagenden des Unternehmens.

Generell kommt Nespressos Recyclingangebot bei den Kunden an – doch das ist für die Chefin der Nachhaltigkeitsagenden noch nicht genug: „30 % unserer Kapseln kommen zurück. Wir wollen aber, dass das mehr wird.“ Dafür setzt das Unternehmen derzeit auf vermehrte Kommunikation. Zudem werden bis Ende des nächsten Jahres alle Nespressokapseln für den privaten Gebrauch mit 80% recyceltem Aluminium hergestellt werden. Bereits im „neuen Gewand“: die Kaffeesorte Master Origin Colombia, die mit ihrer neuen Kapselzusammensetzung österreichweit erhätlich ist. Bei der Herstellung von recyceltem Aluminium wird nur 5% der Energie gebraucht, die für die Gewinnung von neuem Aluminium erforderlich wäre, wodurch CO2-Emissionen vermieden werden können. Außerdem soll die geplante vollständige CO2-Neutralität durch Effizienzsteigerung in der eigenen betrieblichen Infrastruktur und durch „Insetting“ und „Offsetting” erreicht werden.

Das bedeutet, dass der Konzern den verursachten CO2-Ausstoß mit eigenen Klimaschutzprojekten innerhalb des Betriebs und seiner Lieferketten ausgleichen möchte. Dazu gehören die bereits genannten Initiativen wie das Pflanzen von Bäumen auf den Farmen, aber auch Dinge wie etwa eine stromsparende LED-Ausstattung in den Boutiquen. „In all unserem Tun agieren wir so nachhaltig wie möglich“, so Neumüller-Klapper. Und das muss das Unternehmen auch, um das Ziel, national wie international CO2-neu­tral zu wirtschaften und eine bestmögliche Kreislaufwirtschaft zu etablieren, zu erreichen.

Neben all den Nachhaltigkeitsbestrebungen bleibt am Schluss aber dennoch die Zeit, auf den Kaffee an sich einzugehen: „Ich mag die etwas kräftigeren Profile wie das von unserem Master Origin Indonesia – kurz, schwarz und intensiv muss er sein“, schmunzelt Neumüller-Klapper. „Im Homeoffice habe ich mir nun an meinem Schreibtisch eine Kaffeemaschine hingestellt, damit ich für einen Espresso nicht weit gehen muss.“

Text: Muamer Bećirović
Fotos: David Visnjic

Dieses Advertorial erschien in unserer September-Ausgabe 2020 „Women“.

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