Hart am Wind

Marcus Giers war schon immer ein Selfmademan: Ohne Schulabschluss schaffte er es, einer der herausragendsten Speaker Deutschlands zu werden, heute ist er mit zahlreichen Hollywoodstars auf Du und Du.

Der Blick geht lässig aus dem Fenster und schweift über das helle Blau der Außenalster in Hamburg. Dort gleiten an diesem Vormittag erste kleine Segelboote über den künstlichen See in der Hansestadt. „Die sind nur wegen mir gekommen“, schmunzelt der ursprünglich aus der Ostseeküstenstadt Wismar kommende Marcus Giers – und setzt sich dann schwungvoll in einen Couchsessel. Giers fühlt sich sichtlich wohl in der luxuriösen Juniorsuite des Hotel Atlantic Kempinski; locker erzählt er dort über seine Karrierestationen, während er in die Kamera der Fotografin lächelt – stets darauf bedacht, den Menschen eine Show zu bieten. Das ist wenig verwunderlich, steht Giers doch seit fast zehn Jahren im Rampenlicht auf den Bühnen dieser Welt. 19 Länder bereiste der Speaker bereits, er spricht an durchschnittlich 200 Tagen im Jahr auf Veranstaltungen und bei Workshops. Somit erreichten Giers und seine Partner bisher bis zu 20.000 Zuhörer. Man merkt: Der Mann hat Erfahrung. Giers versteht es, seine Themen anzubringen, Wirkung zu entfalten, Menschen mitzureißen, sich auf Situationen einzustellen und dabei doch immer authentisch zu bleiben. Innerhalb nur weniger Jahre stieg er zu einem bekannten und herausragenden Redner in Deutschland auf. Seine Hauptthemen sind Positionierung sowie Storymarketing – und zwar von Einzelpersonen, Marken und Unternehmen. Zu seinen Kunden gehören DAX-Konzerne, Marktführer und Hidden Champions genauso wie Topmanager und Entscheidungsträger.

„Ich habe die Dinge auf der Bühne nie auswendig gelernt. Vielmehr macht einen guten Redner aus, dass er authentisch ist und spontan agieren kann. Ich erzähle bei meinen Vorträgen immer über Situationen, die ich selbst erlebt habe. Und ich nenne die Dinge beim Namen“, sagt Giers über seine Vorträge. Und tatsächlich kann er dabei auf einen großen Fundus zugreifen, denn erlebt hat Marcus Giers bereits so einiges. Seine Karriere folgt dem Motto „From Zero to Hero“: Nachdem seine Kindheit alles andere als reibungslos verlaufen war, absolvierte Giers ohne Schulabschluss 1990 eine Ausbildung zum Maler und Lackierer. Im Rahmen der Sanierung des Wismarer Rathauses sah der junge Giers tagaus, tagein elegante Manager in ihren Autos vorbeifahren – ein prägender Moment für ihn. „Ich habe mir damals geschworen: Ich werde irgendwann auch Mercedes fahren und einen Nadelstreifenanzug tragen.“ Ein Versprechen, das nicht nur zur eigenen Messlatte und zum ständigen inneren Antrieb avancierte, sondern das Giers auch innerhalb weniger Jahre erreichen und übertreffen sollte.

Einstieg in die Führungsetage
Giers kletterte die Karriereleiter mit großem Ehrgeiz nach oben. Als Erstes kam Giers mit einem Verantwortlichen des großen deutschen Finanzdienstleisters BHW in Kontakt. Sein Talent zum Verkaufen war offensichtlich, denn Giers schaffte es über mehrere Jahre hinweg durchwegs unter die drei erfolgreichsten Verkäufer von Finanzprodukten. Schluss­endlich stieg Giers bis zum Chef der unternehmenseigenen Immobilien­sparte in Berlin auf – mit gerade einmal Mitte 20. Nach Ende dieses Engagements packten den Norddeutschen aber wieder die Zukunftsängste. Denn einen Schulabschluss oder eine am Markt gefragte Ausbildung hatte Giers wie gesagt nicht. Dennoch fand er leichter als gedacht einen Job bei der privaten Bausparkasse Wüstenrot – nachdem ihn die Verantwortlichen selbst um einen Bewerbungs­termin gebeten hatten. Lächelnd erzählt er die Anekdote: „Ich saß in meinem Wohnzimmer und der Verantwortliche meinte: ,Wenn Sie bei uns anfangen, bekommen Sie die Summe X‘. Ich war sprachlos. Er interpretierte mein Schweigen aber so, dass mir dies zu wenig war. Also sagte er: ,Sie haben vollkommen recht – wir verdoppeln unser Angebot.‘“ Wie auch später war Giers hier zur rich­tigen Zeit am richtigen Ort.

Karriereleiter
Dennoch war ihm dies langfristig nicht genug: „Ich wollte wissen, wie gut ich als Verkäufer wirklich bin.“ Also wechselte Giers zur einer der größten Vermögensberatungsgesellschaften in Deutschland: „Dort habe ich Karriere­stufen genommen, die so schnell noch nie jemand geschafft hatte. Das Unternehmen musste extra Regularien außer Kraft setzen, damit sie mir diese Optionen ermöglichen konnten.“ In diese Zeit fallen auch seine ersten Vorträge bei Seminaren und Unternehmensevents. Doch die Zeit war damals noch nicht reif, um bereits als Speaker durchzustarten.

Bis dahin musste Giers nämlich noch einige Hürden nehmen. Nach seinen Verkaufstätigkeiten bewies er anschließend sein unternehmerisches Geschick mit der Gründung von Immobilienvertriebsgesellschaften. Doch 2010 folgte sowohl auf persönlicher wie beruflicher Ebene ein Absturz – sein Unternehmen meldete Insolvenz an. Giers musste seine ganze Kraft aufbringen, um wieder aufzustehen.

Beruflicher Neuanfang
„Für mich war das ein Moment der Unabhängigkeit. Denn obwohl ich bis dahin immer sehr erfolgreich war, konnte ich nun endlich machen, was ich immer machen wollte: Speaker werden.“ Giers’ neues Ziel war geboren – und er schob mächtig an, um es zu erreichen. 2011 gründete er das Unternehmen Mastercoach, wo er Experten und Coaches unter einem Dach vereinte. Rasch wurde das Modell zu einem Erfolg. In weiterer Folge absolvierte der Redner jede Menge internationale Traineraus- und Weiterbildungen – und tut dies bis heute: Er ist PQS®-Erfolgstrainer und absolvierte Trainerausbildungen für Leistungspsychologie, Verkaufspsychologie, Marketing und Positionierung sowie Zeitmanagement. Außerdem beschäftigte sich Giers intensiv mit den Dale Carnegie®-Trainingsprogrammen (bereits verstorbener US-amerikanischer Kommunikations- und Motivationstrainer, Anm.) sowie den Lehren der Leistungs- und Verkaufspsychologie nach Brian Tracy (US-amerikanischer Autor; schreibt insbesondere über Erfolg in der Wirtschaft, Anm.). „Ich habe außerdem eine große Bibliothek zu Hause und lese sehr viel. Ich brauche das einfach für mich. Der Speaker-Markt ist so unglaublich schnelllebig, also beschäftige ich mich auch viel mit wissenschaftlichen Gebieten wie Neuromarketing oder Neurokommunikation. Zudem gehe ich mit offenen Augen durch die Welt und komme viel herum“, so Giers. Diese Offenheit merkt man ihm während des Gesprächs deutlich an; Fragen hört er aufmerksam zu – und versucht quasi, den tieferen Sinn dahinter zu erfassen. Genauso führt er seine Antworten präzise aus und lässt überflüssige Antworten weg. Dabei kommt auch sein Humor niemals zu kurz, selbst inmitten des Fotoshootings findet er stets Zeit für ein Lachen oder eine kurze Anekdote.

Immerhin hat der Speaker jede Menge Erfahrungen in diesem Bereich und weiß, wie man mit Menschen umgeht. 2013 steckte er seine Zeit in die Schärfung seiner eigenen Marke „Marcus Giers – Speaker & Top Business Expert“. Von nun an konzentrierte er sich voll und ganz auf seine Vorträge und Mentorings für Trainer und Speaker. Seine Auszeichnungen sprechen für sich: Er war von 2013 bis 2015 im Deutschen Rednerlexion vertreten; im September 2014 bekam Giers von einer der größten und bekanntesten Redneragenturen Deutschlands, Speakers Excellence, das Angebot, in den begehrten Katalog der Top 100 Speaker für das Jahr 2015 aufgenommen zu werden. Zum Kreis der 100 besten Redner Deutschlands zu zählen, ist zwar eine Auszeichnung für sich, so Giers – dennoch lehnte er ab. Im Februar 2016 wurde Giers in den USA als erster europäischer Speaker und Storytelling-Experte vom World Film Institute mit dem „Certificate of Olympia Award“ ausgezeichnet. Diese Ehre der Auszeichnung durch das World Film Institute teilt er mit Hollywoodstars wie Ron Howard, Tom Hanks, Ben Stiller oder Sandra Bullock.

Giers hat es also geschafft – mit jeder Menge Durchsetzungsvermögen. Mittlerweile ist der Vielreisende in Deutschland, Mallorca und Los Angeles zu Hause. Über seine Erfolge spricht der Speaker ohne Umschweife – und findet dies obendrein immens wichtig. In seinem Kontext bedeutet dies: Stolpersteine erkennen, Barrieren überwinden, Netzwerke aufbauen, Ressourcen intelligent nutzen und kreative Geschäftsideen entwickeln. Giers’ Motto: „Was bringt es dir, wenn du gut bist, aber niemand weiß es?“

Durchbruch in den USA
Heute weiß von Giers’ Erfolg nicht nur die Branche in Deutschland, sondern auch jene in den USA. Denn Giers verstand es bereits früh, Kontakte zu Filmmusikkomponisten und Trailerproduzenten in den USA zu knüpfen – und obendrauf Verbindungen zu jeder Menge Oscarpreisträgern zu etablieren. „Ich war 2013 als Speaker viel unterwegs und habe gut verdient – zumindest für deutsche Verhältnisse. Aber im internationalen Vergleich war das nichts. Deshalb habe ich mir gesagt: Ich muss prominent werden.“ Und wieder führte ihn der Zufall – beziehungsweise sein gutes Gespür – zur richtigen Zeit an den richtigen Ort.

Eine Mitarbeiterin seines Unternehmens nahm Giers auf eine Veranstaltung in Mainz mit, wo renommierte und weltweit bekannte Filmmusikproduzenten anwesend waren. „Wir hatten gleich einen guten Draht zueinander. So habe ich dann auch viele andere bekannte Regisseure und Filmproduzenten in den USA kennengelernt. Nach und nach habe ich damit begonnen, mit Partnern in den USA Werbungen zu produzieren“, sagt Giers.

US Speaker Grand Slam Award
Doch da er ja eigentlich Redner ist, dachte sich der Mann nach einer Weile: Warum nicht auch etwas in den USA machen? Giers bewies wiederum seine Umsetzungsstärke, indem er 2016 den ersten US Speaker Grand Slam im angesagten Club 424 in Beverly Hills initiierte. Dieses Jahr fand der Grand Slam bereits zum zweiten Mal statt und zwar im Marilyn Monroe Theatre – also just auf jener Bühne, auf der bereits Filmstars wie Anthony Hopkins, Dustin Hoffman oder Robert De Niro gestanden sind. In der Jury saßen Hollywood-Schwergewichte wie David Strasberg vom Lee Strasberg Theatre and Film Institute, Filmschauspieler Werner Daehn (bekannt aus „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ mit Tom Cruise oder „Triple X“ mit Vin Diesel, Anm.) oder die einflussreiche Hollywoodmanagerin Ruth Bornhauser. Giers selbst saß ebenfalls in der Jury. „Wir hatten ein sehr großes Publikum und eine breite mediale Aufmerksamkeit.“ Eine große mediale Wirkung erzielt Giers ebenfalls als regelmäßiger Talkgast beim zweitgrößten Radiosender der USA, iHeartRadio – der Sender verzeichnet USA-weit bis zu 100 Millionen Hörer pro Tag.

Auf inhaltlicher Ebene gibt es für Giers einen zentralen Punkt, der sowohl Unternehmen als auch Redner nach vorne bringt: Storytelling. „Gute Geschichten wecken Emotionen bei den Menschen. Wenn man sie mit Fakten bestückt, regt dies zwar zum Nachdenken an, aber Emotionen motivieren zum Handeln“, so Giers. Als gutes Beispiel, auch bei seinen Vorträgen, dient etwa Red Bull mit seinem Werbespruch „Red Bull verleiht Flügel“. Giers: „Jeder Schritt dort ist immer eine Story.“ Im Großen und Ganzen liegen laut dem Speaker aber sowohl KMU als auch große Konzerne im DACH-Raum deutlich hinter ihren US-amerikanischen Pendants; diese seien zu sehr in ihren technischen Leistungsbeschreibungen verhaftet. Um für Kunden und neue Mitarbeiter attraktiv zu sein sowie mehr Umsatz zu machen, gelte es aber vielmehr, einige grundsätzliche Fragen zu verstehen: Was macht mich anders als andere? Was ist meine Story? Was braucht es dafür?

Das gelte genauso für Einzelpersonen: „Jedes Individuum hat eine spannende Geschichte zu erzählen. Es ist dabei vollkommen egal, ob jemand Rechts­anwalt oder Speaker ist oder Schokolade verkaufen will: Die Aufgabe besteht darin, ein Produkt – und auch ein Redner ist gewissermaßen ein Produkt – überzeugend auf den Markt zu bringen.“ In den Markt bringen will Giers seit einigen Monaten auch neue Speaker-Talente. Dabei handelt es sich um seinen Herzenswunsch; mehrere Male kommt er gegen Ende des Gesprächs auf diesen Plan zurück. Und es passt auch zu Giers’ Charakter, denn er ist weit mehr als ein Einzelkämpfer. 2015 baute er dieses neue Geschäftsfeld auf, in dessen Rahmen Redner zu internationalen Topmarken entwickelt werden. Gleichzeitig will er damit den (deutschen) Rednermarkt professionalisieren. „Viele Speaker sind vollkommen unbekannt, weil sie keinen Zugang zu Medien haben oder ihnen keine Bühne geboten wird“, so Giers.

Im Rahmen der Speaker Academy bekommen Redner somit nicht nur Know-how oder Coachings, sondern auch Zugang zu großen internationalen Medien und Bühnen. Insbesondere profitieren sie dabei von Giers’ breitem Netzwerk: „Die Speaker lernen nur von den Besten der Besten, um den internationalen Durchbruch zu schaffen. Bei unseren Experten handelt es sich um Oscarpreisträger oder Oscarnominierte in den Bereichen Drehbuch oder Regie“, so Giers. Denn gewissermaßen seien auch Speaker Schauspieler: „Sie erzählen auf der Bühne Geschichten. Viele Speaker haben vielleicht eine gute Story parat – für einen guten Auftritt braucht es aber eine Dramaturgie; zudem muss man wissen, wie man sich auf der Bühne bewegt, wie man spricht. Wenn man die Geschichte gut rüber bringt, wird man gebucht.“

Gewinnertyp
Wenn Marcus Giers über sein Leben erzählt, hat er Feuer in den Augen. Doch auch für die Zukunft hat er noch viel vor: „Es geht mir ums Gewinnen. Ich will mit der Speaker Academy den deutschen Rednermarkt revolutionieren. Er soll im deutschsprachigen Raum eine Branche werden, die internationalen Standards entspricht.“ Wer Giers kennt, weiß: Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

Marcus Giers
Seit fast zehn Jahren ist Marcus Giers als Speaker und Markenexperte auf Bühnen und in Vorstandsetagen rund um den Globus unterwegs. Seine Expertise: Positionierung, Markenbildung, Storytelling. Mit seiner neuen Speaker Academy will er nun den deutschsprachigen Markt revolutionieren.

Jedes Individuum hat eine spannende Geschichte zu erzählen, egal, ob jemand Rechtsanwalt oder Speaker ist oder Schokolade verkaufen will. Die Aufgabe besteht darin, ein Produkt – und auch ein Redner
ist gewissermaßen eines – erfolgreich auf den
Markt zu bringen.


Info:
Marcus Giers
info@marcus-giers.com
www.marcus-giers.com

Up to Date

Mit dem FORBES-NEWSLETTER bekommen sie regelmässig neue Updates rund um den Women's Summit direkt in Ihr E-mail-Postfach geliefert.