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Nesad Residovic ist das lebende Beispiel dafür, wie Talenteförderung funktionieren kann: Mit 36 Jahren ist er in die Direktion Wien-Niederösterreich-Burgenland der international tätigen BKS Bank aufgestiegen. Ohne das Talente-Entwicklungsprogramm des Finanzinstituts wäre er, wie er selbst sagt, nicht in dieser Position. Ein Gespräch über die Förderung motivierter Mitarbeiter, Residovics Arbeitsethos – und „Heavy Metal Banking“.
Das Gespräch in der Wiener Zentrale einer Großbank dauert nicht lange, und Nesad Residovic weiß: Hier möchte er nicht arbeiten. Er wäre einer von fünf Trainees, von denen am Ende des Traineeships einer einen langfristigen Vertrag unterschreiben darf. Es ist 2015 und Residovic steht kurz vor seinem Abschluss in Finanzwirtschaft und Rechnungswesen an der Wirtschaftsuniversität Wien. Das Einstiegsgehalt der Großbank, erinnert er sich, lag rund 10 % über dem, was sein heutiger Arbeitgeber, die BKS Bank, anbot. Residovic: „Wie viele Absolventen dachte ich zunächst, Großbanken bieten bessere Chancen. Aber es war so ein unpersönliches Gespräch – ich wollte mehr sein als eine Nummer.“
Die Entscheidung war daher eine einfache: Residovic entschied sich, das Angebot der BKS Bank anzunehmen. Heute, mehr als zehn Jahre später, ist er nach wie vor bei der Traditionsbank, die rund 1.150 Mitarbeiter und 63 Filialen zählt. Von Tag eins sei ihm dort eine Perspektive aufgezeigt worden, die die großen Konkurrenten nicht liefern könnten: „Herzlicher Empfang, Wertschätzung, Aufstiegschancen“, sagt er.
Nach seinem Einstieg bei der BKS Bank ging es schnell für Residovic. 2019, vier Jahre nachdem er in der Mattersburger Filiale eingestiegen war, übernahm er die Leitung der Firmenkundenfiliale Perchtoldsdorf, wo er das Kredit- und Veranlagungsvolumen innerhalb von drei Jahren vervielfachte; 2022 übernahm er die Filiale Mattersburg, die zweitgrößte Zweigstelle der BKS Bank. Seit Juli 2026 ist Residovic Mitglied der Direktionsleitung Wien-Niederösterreich-Burgenland – die zweithöchste Führungsebene nach dem Vorstand.
Dass Residovic schnell aufsteigen konnte, hat er neben seinem persönlichen Arbeitsethos auch dem Talente-Entwicklungsprogramm der BKS Bank zu verdanken, in das er kein Jahr nach seinem Einstieg aufgenommen wurde. Rund 15 Personen werden dafür ausgewählt, mindestens die Hälfte davon Frauen. Gesucht werden nicht nur künftige Führungskräfte, sondern auch Spezialisten, wie man sie etwa im Analyse-Bereich braucht.
Es bringt nichts, wenn junge Leute in der Luft hängen und niemand sich um sie kümmert. Wir wollen ihnen von Tag eins Struktur und Unterstützung geben.
Nesad Residovic
Die jungen Mitarbeiter können Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung besuchen, und ihnen wird ein Mentor zugeteilt, der sie begleitet. Am Ende des einjährigen Programms dürfen sie dem Vorstand ein Projekt vorstellen, das sie eigenständig und frei entwickeln. Residovics Gruppe arbeitete damals ein nachhaltiges Kontomodell aus. Aus dem Konzept wurde das Natur & Zukunftskonto der BKS Bank, das mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet wurde. „Das Talente-Entwicklungsprogramm bringt jungen Mitarbeitern vor allem Sichtbarkeit“, sagt Residovic. „Man wird gesehen, man wird anerkannt. Wann kommt man als junger Vertriebsmitarbeiter sonst dazu, sich beim Vorstand zu zeigen?“
Insbesondere ein Kollege hat Residovic nicht nur weitergeholfen, sondern auch den Führungsstil geprägt, den er heute an den Tag legt: Otto Ofenböck, erinnert sich Residovic, war zu Beginn sein Vorgesetzter – später war es umgekehrt. Trotzdem hat er Residovic immer unterstützt. „Der hat seine eigenen Dinge liegen gelassen, um meine mit mir gemeinsam zu machen“, sagt Residovic. „Er war wie ein zweiter Vater, nur eben in der Arbeit.“ Bald, sagt Residovic fast sentimental, gehe Ofenböck nun in Pension.
Die Unterstützung, die Ofenböck ihm gegeben hat, versucht Residovic heute weiterzugeben. Einen 30-jährigen Kollegen, der mehrere Alternativen am Markt gehabt hätte, betreue er mittlerweile intensiv: „Wir haben jeden Tag Kontakt, er holt sich laufend bei mir Feedback – genau wie ich es bei Otto gemacht habe.“
Generell investiert Residovic gerne Zeit in seine Mitarbeiter. Seine Tür ist immer offen für Kollegen; oft begleitet er sie bei Kundenterminen, um seine Erfahrung unmittelbar weitergeben zu können. „Es bringt nichts, wenn junge Leute in der Luft hängen und niemand sich um sie kümmert. Wir wollen ihnen von Tag eins Struktur und Unterstützung geben.“
Das heißt nicht, dass Residovic seine Angestellten verhätschelt. „Wenn ein Ziel mit 100 definiert ist, ist das für mich nicht das Maximum, sondern das Minimum“, sagt er über sich selbst. Das ist nicht auf jeden übertragbar, weiß er. Und die BKS Bank sieht sich – mit Homeoffice-Angebot und Gleitzeit – als flexibler Arbeitgeber. 2025 wurde die BKS Bank wiederholt von der Familie & Beruf Management GmbH als familienfreundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet. Gleichzeitig möchte Residovic jenen Mitarbeitern, die „auch 110, 120, 130 % geben wollen“, die Chance geben, das zu tun – und entsprechende Aussichten.
Dieses Führungsbild hat sich Residovic von Fußballtrainer Jürgen Klopp abgeschaut, der seit August die deutsche Nationalmannschaft trainiert: „Heavy Metal Banking“ nennt er es, in Anspielung auf Klopps „Heavy Metal Football“, der als besonders intensiv und leidenschaftlich gilt und von den Spielern sowohl unbedingten Teamgeist als auch selbstständiges Denken und Handeln verlangt. „Genau wie im Fußball ist es wichtig, dass mein Team für die Arbeit brennt“, so Residovic. „Meine Aufgabe ist es, dieses Feuer zu entfachen.“
Foto: Gianmaria Gava