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Die Unternehmer Dan und Mel Marsden gründeten vor zehn Jahren die Unterwäschemarke Lounge in ihrem Wohnzimmer. Heute managen sie ein Multimillionen- Business mit besten Wachstumsaussichten.
Wer die Zentrale der Unterwäsche-Marke Lounge in Solihull nahe Birmingham besucht, kann in der Empfangshalle das wichtigste Produkt der Firma kaum übersehen: Das Originalmuster des Triangle-BH, das erste Design des Unternehmens, wurde zum Bestseller. Nun hängt das Stück im Foyer und erinnert an die Mission der Marke: Kleidungsstücke zu schaffen, die für ein ganz besonderes Tragegefühl sorgen, ohne dabei auf Komfort zu verzichten. Rund zehn Jahre nach der Firmengründung gilt dieses Motto weiter. Mitgründerin und Chief Brand Officer Melanie „Mel“ Marsden beschreibt ihr Erfolgsprinzip so: „Unsere Produkte sind bequem, sie fühlen sich durchdacht an und man fühlt sich richtig gut darin.“
Lounge ist heute eine der international gefragten Marken für Unterwäsche. Doch die Geschichte der Firma begann in Mel Marsdens Wohnzimmer, wo sie gemeinsam mit ihrem Co-Founder Dan Marsden die Marke entwickelte. Mel sagt über die Anfänge: „Wir wussten, dass wir etwas Besonderes aufbauen wollten, hatten am Anfang aber keine perfekt durchdachte Vision. Wir haben das Geschäft quasi rückwärts entwickelt – wir haben geschaut, wo wir eine Chance sehen, und den Rest dazugelernt.“
Die Gründer entdeckten in der Dessous-Branche eine Marktlücke: Etablierte Hersteller schienen Unterwäsche zu vernachlässigen, die sich bequem und durchdacht anfühlt und in der sich Frauen dennoch sexy und schön fühlen. Außerdem setzte Lounge als eines der ersten Unternehmen auf Influencer-Marketing. Erst verkauften sie ihre Mode über E-Bay, dann über einen Shopify-Store – und nutzten schließlich vor allem Instagram, um ihre Markenpräsenz auszubauen.
Mel Marsden sagt: „Wir haben die Social-Media-Welle genau zum richtigen Zeitpunkt erwischt.“ Das passende Timing war aber nur einer von mehreren Erfolgsfaktoren – noch wichtiger war der Aufbau einer Community. Insgesamt erreicht Lounge über Instagram, Tiktok und Facebook rund sechs Millionen Follower. Die Kanäle sollen sich wie ein riesiger Gruppenchat anfühlen. Marsden sagt, sie beantworte auch nach zehn Jahren immer noch Direktnachrichten selbst; mittlerweile allerdings mit etwas mehr Unterstützung aus dem Team. Social Media seien auch unverzichtbar für die Marktforschung: Die Kundinnen teilen fast alles, was man wissen müsse, meint Marsden – was sie lieben, was nicht; und was sie sich als Nächstes wünschen.
Wir haben die Social-Media-Welle genau zum richtigen Zeitpunkt erwischt.
Mel Marsden
Die vergangenen Jahre haben stetig wachsende Umsätze gebracht, kürzlich wurde der Meilenstein von 100 Millionen Pfund erreicht. „Wenn man klein ist, kann man sich unglaublich schnell bewegen, überall involviert sein und über Nacht die Richtung ändern. Je größer man wird, desto größer werden die Entscheidungen, desto höher der Einsatz – und plötzlich verlassen sich Hunderte von Menschen darauf, dass man die richtige Entscheidung trifft“, sagt Marsden.
Der ursprüngliche Slogan der Marke war „Comfort Made Sexy“. Dieser Gedanke ist weiterhin tief in Lounge verankert. „Für uns waren Komfort und sich sexy zu fühlen nie Gegensätze“, so die Unternehmerin. Ihre Produkte sollen Frauen und ihre weiblichen Formen feiern, Kundinnen sollen sich selbstbewusst und sexy fühlen. „Mal ist es ein tolles Spitzenset, mal der weichste BH, den man besitzt, ein perfekt sitzender Trainingsanzug – oder einfach etwas, in dem man sich richtig wohl im eigenen Körper fühlt“, sagt Marsden.
Welchen Rat hat Marsden für andere Unternehmerinnen und Unternehmer parat? Lange muss sie bei dieser Frage nicht überlegen: „Steht selbstbewusst zu dem, wer ihr seid, und vertraut eurer eigenen Stimme.“ Die stärksten Marken haben ein klares Selbstverständnis, weiß die Unternehmerin: „Je früher man versteht, was einen besonders macht, und je früher man den Mut aufbringt, dieses Einzigartige zu schützen, desto besser.“
Nun will Marsden das nächste Kapitel aufschlagen und die Marke Lounge weiter ausbauen. „Wir wollen erkunden, wie groß die Welt von Lounge, die man heute kennt, noch werden kann“, sagt die Britin. Dessous sollten das Herzstück bleiben, weil hier ein großer Teil der Expertise der Firma liegt. Marsden glaubt, dass es eine „riesige Chance“ gibt, andere Modebereiche zu erobern, etwa Ready-to-wear-Kleidung und Bademode. „Ich möchte, dass wir etwas wirklich Ikonisches aufbauen – eine Marke, die Frauen wählen, der sie vertrauen und die sie lieben, und die auch in weiteren zehn, zwanzig, dreißig Jahren noch da und relevant ist.“
Dank des unternehmerischen Erfolgs konnte Lounge auch über seine Produkte hinaus Positives bewirken: Seit 2019 ermutigt die Kampagne „Feel Your Breast“ jedes Jahr im Oktober Frauen dazu, ihre Brüste regelmäßig auf Symptome von Brustkrebs zu kontrollieren, und sammelt mit dem Verkauf ausgewählter Produkte Spenden. Die Lounge Foundation ermöglicht auch Projekte für Frauen und Kinder und unterstützt Krankenhäuser und Organisationen der Krebsfürsorge. Marsden sagt, die wohltätige Arbeit mache sie „unglaublich stolz“.
Lounge hat heute eine globale Reichweite. Doch rückblickend sagt Marsden: „Im Kern hat sich eigentlich nicht viel verändert: Frauen stehen nach wie vor im Mittelpunkt jeder Entscheidung, die wir treffen.“
Foto: Lounge