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Informationen sind in vielen Organisationen über Systeme, Dokumente und Teams verstreut. Mit Genow entstand 2023 eine Plattform, die diese Fragmentierung adressiert: Das KI-Start-up entwickelte ein Tool für strukturiertes Management komplexer Datenbestände in Unternehmen. 2025 sicherte sich das Team damit 1,65 Mio. € Seed- Kapital und verfünffachte den Lizenzumsatz.
Hinter Genow steht Mitgründerin Sara Jourdan,
die zuvor im Bereich Explainable AI geforscht hatte. Für Jourdan war klar: Sie möchte sich auf KI-Systeme fokussieren, die nicht nur Ergebnisse liefern, sondern nachvollziehbar sein sollen. „Wir wollen volle Transparenz geben, wo die KI welche Informationen hergezogen hat und warum welche Interpretation angefallen ist“, sagt Jourdan.
Jourdan studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Darmstadt und stieg bereits über Werkstudententätigkeiten in die Softwareentwicklung ein. Sie promovierte gemeinsam mit Timo Koppe und Adrian Glauben; in Kooperation mit Peter Buxmann vom Lehrstuhl Software & AI Business entstand daraus 2023 ein Spin-off, ihr heutiges Unternehmen Genow. Glauben forschte früh im Bereich großer Sprachmodelle. Gemeinsam beschäftigten sie sich mit der Frage, wie sich die Fähigkeiten solcher Modelle mit unternehmensinternen Daten kombinieren lassen, um präzise, kontextbezogene Ergebnisse zu liefern.
Als Chat GPT Ende 2022 veröffentlicht wurde, stieg das Interesse an generativer KI in Unternehmen sprunghaft an. Großkonzerne wandten sich direkt an den Lehrstuhl in Darmstadt, weil sie ähnliche Systeme mit ihren eigenen internen Daten einsetzen wollten. „Plötzlich haben es alle Einzelpersonen genutzt, und auch Unternehmen haben sehr viel Aufmerksamkeit darauf gelegt“, sagt Jourdan. Für das Team um Jourdan bestätigte das den Forschungsfokus: Nicht die kreative Textgenerierung, sondern der strukturierte Zugriff auf internes Wissen sollte der Kern des Produkts werden. Von Anfang an positionierte sich Genow daher klar im B2B-Bereich und entwickelte die Plattform gezielt für den Einsatz in großen, datenfragmentierten Organisationen.
Kernprodukt ist eine KI-gestützte Knowledge-Operations-Plattform, die verteilte Unternehmensdaten semantisch versteht und kontextabhängige Antworten liefert – zugeschnitten auf Rolle, Abteilung und konkreten Anwendungsfall. Alle Lösungen sind DSGVO-konform, können als SaaS oder in der kundeneigenen Cloud betrieben werden und werden durch Implementierungs- und Trainingsservices ergänzt. „In großen Organisationen existieren umfassende Datenbanken, Sharepoint-Strukturen, Dateien et cetera – Mitarbeitende verbringen laut verschiedenen Studien bis zu 20 bis 30 % ihrer Arbeitszeit mit der Suche nach Informationen“, sagt Jourdan. „Das zeigt, welches wirtschaftliche Potenzial in effizientem Wissensmanagement steckt.“
Noch vor der offiziellen Gründung entstanden erste Projektpartnerschaften – unter anderem mit einem der weltweit größten Gabelstaplerhersteller und einer US-Investmentbank. Innerhalb weniger Monate gab es somit ein lizenzierbares Produkt – der Ausgangspunkt für die Plattform, die heute in großen Organisationen eingesetzt wird.
Wir wollen volle Transparenz geben, wo die KI welche Informationen hergezogen hat und warum welche Interpretation angefallen ist.
Sara Jourdan
„Wir haben uns in der Anfangsphase bereits über unsere ersten Kundenprojekte finanziert“, sagt Jourdan. Serviceleistungen, Pilotprojekte und erste Lizenzverträge ermöglichten es, das Team schrittweise aufzubauen. Vor Abschluss der ersten Finanzierungsrunde arbeiteten bereits 17 Personen für das Unternehmen, viele davon zunächst als Werkstudierende. Parallel erhielt Genow eine Innovationsförderung des Landes Hessen in Höhe von 160.000 €, die anteilig Personalkosten über einen Zeitraum von zwei Jahren bezuschusst. Auch hier galt: Ein Eigenanteil und bestehende Umsätze sind Voraussetzung.
Anfang 2025 entschied sich das Gründerteam für eine Seed-Finanzierungsrunde. Mit 1,65 Mio. € stiegen der High-Tech Gründerfonds als Lead-Investor, die BMH als Co-Investor sowie mehrere Business Angels ein. „Gerade für Marketing und Vertrieb und um erfahrene Kollegen ins Engineering zu holen, brauchten wir eine Finanzierungsrunde“, sagt Jourdan.
Heute beschäftigt Genow 22 Mitarbeitende. Der Großteil arbeitet im Engineering und entwickelt die Plattform weiter, integriert neue Datenquellen und optimiert die Architektur. Produktmanagement und Customer Success begleiten die Kunden bei der Implementierung, beim Rollout und bei Trainings. Marketing und Vertrieb werden schrittweise ausgebaut.
Das Geschäftsmodell basiert primär auf monatlichen Lizenzen und richtet sich besonders an regulierte Branchen sowie an Unternehmen mit komplexen technischen Produktinformationen. Das System muss mit historisch gewachsenen, oft unstrukturierten Datenbeständen umgehen können. „Damit so etwas skaliert, muss es mit dem Datenchaos klarkommen“, sagt Jourdan.
Text: Theresa Mader
Foto: Genow