Mit dem FORBES-NEWSLETTER bekommen Sie regelmässig die spannendsten Artikel sowie Eventankündigungen direkt in Ihr E-mail-Postfach geliefert.
IT-Jobbörse Deutschland
Andrzej Fink, Founder und CEO von JOBRIVER, über die Entstehung der spezialisierten IT-Jobbörse, warum klassische Recruiting-Plattformen für die Tech-Branche zu grob sind und welche Rolle KI-gestütztes Matching im Arbeitsmarkt der Zukunft spielt.
Mit mehr als 15.000 aktiven Stellenangeboten und über 20.000 registrierten IT-Fachkräften hat sich JOBRIVER in den vergangenen Jahren zu einer der größten spezialisierten IT-Jobbörsen in Deutschland entwickelt.
Die Plattform richtet sich gezielt an Entwickler sowie an Unternehmen, die diese Talente finden wollen. Gründer und CEO Andrzej Fink erklärt im Gespräch, warum eine Nischenplattform in einem scheinbar gesättigten Markt noch Platz hatte und wie sich JOBRIVER gegen die großen generischen Jobbörsen durchgesetzt hat.
Herr Fink, der deutsche Markt für Jobportale ist eigentlich voll. StepStone, Indeed, XING, LinkedIn. Warum brauchte es noch eine weitere Plattform?
Andrzej Fink: Weil keiner dieser Anbieter die IT-Branche wirklich versteht. Ich sage das als jemand, der seit über fünfzehn Jahren in der IT arbeitet, selbst Entwickler eingestellt hat und beide Seiten kennt. Wenn Sie auf einer generischen Jobbörse eine Stelle für einen Senior Backend Developer mit Kotlin und Kubernetes-Erfahrung schalten, verlieren Sie sofort. Die Plattform versteht den Tech-Stack nicht, filtert nicht sinnvoll und am Ende bekommen Sie Bewerbungen von Leuten, die bestenfalls grob passen. Für Unternehmen ist das frustrierend, für IT-Fachkräfte auch. Wir haben JOBRIVER gebaut, weil wir wussten, dass es einen anderen Weg braucht.
Was war der konkrete Auslöser?
Wir haben in unseren eigenen IT-Unternehmen jahrelang versucht, gute Entwickler über die großen Portale zu finden. Das hat nie richtig funktioniert. Wir haben zu viel Zeit mit unpassenden Bewerbern verloren und umgekehrt haben gute Kandidaten unsere Ausschreibungen gar nicht gefunden, weil sie in der Masse untergingen.
Irgendwann war klar: Wenn wir das selbst besser machen können als die großen Plattformen, sollten wir das tun. JOBRIVER wurde 2019 gegründet, aus Frust geboren, aus technischer Expertise gewachsen.
Sie führen JOBRIVER gemeinsam mit Ihrem Bruder Viktor Fink. Wie teilen Sie sich die Arbeit auf?
Viktor ist Co-CEO und verantwortet die Kommunikation nach außen. Ich kümmere mich um die technische Architektur, die Softwareentwicklung und das Matching-System. Das ist eine Aufteilung, die für uns seit Jahren gut funktioniert.
Wir haben unterschiedliche Stärken, aber eine gemeinsame Sicht darauf, was Technologie leisten kann. Einen besseren Partner könnte ich mir nicht wünschen.
Sie haben vorhin „Matching-System“ erwähnt. Was genau macht JOBRIVER anders als eine Keyword-Suche bei Indeed?
Der Unterschied liegt in der Tiefe der Daten. Wenn ein Bewerber bei uns ein Profil anlegt, erfasst er nicht nur Jobtitel und Skills als Schlagworte, sondern sein gesamtes technisches Ökosystem. Welche Programmiersprachen er aktiv nutzt, welche Frameworks, welche Cloud-Plattformen, welche Datenbanken, welche DevOps-Tools.
Das gleiche gilt für die Unternehmensseite: Wer eine Stelle ausschreibt, hinterlegt nicht nur „Backend Developer gesucht“, sondern den konkreten Tech-Stack, die Team-Größe, das Arbeitsmodell, den Senioritätslevel. Unser Algorithmus gleicht diese Dimensionen ab und liefert präzise Matches statt einer Flut irrelevanter Ergebnisse.
Wie viele Technologien deckt die Plattform aktuell ab?
Über 96 Technologien, die wir systematisch pflegen. Von klassischen Programmiersprachen wie Java, Python, TypeScript über Frameworks wie React, Angular, Spring Boot bis zu Cloud-Plattformen wie AWS, Azure, Google Cloud und DevOps-Tools wie Docker, Kubernetes, Terraform.
Die Liste wächst kontinuierlich. Wichtig ist dabei nicht nur die Anzahl, sondern die saubere Strukturierung. Eine Suche nach „React“ darf nicht plötzlich Kandidaten zeigen, die nur mal vor fünf Jahren damit gearbeitet haben. Wir unterscheiden Aktiv-Nutzung, Erfahrungsjahre, Seniorität.
Welche Rolle spielt KI in der aktuellen Entwicklung der Plattform?
Eine wachsende. Wir nutzen KI an mehreren Stellen, ohne sie zum Selbstzweck zu machen. Im Matching selbst, wo Algorithmen inzwischen deutlich feiner erkennen, welche Kandidaten zu welcher Stelle wirklich passen. In der Sprachverarbeitung, wenn Stellenbeschreibungen automatisch strukturiert und in Skills zerlegt werden.
Und in der Personalisierung der Job-Alerts, damit Bewerber nicht mit Masse, sondern mit Relevanz konfrontiert werden. Aber am Ende bleibt es ein Werkzeug. Der Mensch entscheidet, ob eine Stelle passt, nicht der Algorithmus.
Was unterscheidet das aus Arbeitgebersicht konkret?
Drei Dinge. Erstens die Zielgruppenqualität. Unsere Nutzerbasis sind fast ausschließlich Entwickler. Keine Streuverluste. Wer eine Stelle bei uns ausschreibt, erreicht genau die Menschen, die in Frage kommen. Zweitens die Geschwindigkeit. Eine Anzeige ist bei uns nach wenigen Minuten live, ohne Freigabeprozesse, ohne Wartezeiten. Drittens die Transparenz. Arbeitgeber sehen in Echtzeit, wie ihre Anzeige performt, wie viele Aufrufe sie hat, wie viele Bewerbungen eingehen, wo Optimierungsbedarf besteht. Das gibt es bei den großen Portalen so nicht.
Und aus Bewerbersicht?
Dort zählt vor allem die Qualität der Angebote. Ein guter Entwickler bekommt heute jede Woche Anfragen von Recruitern und Plattformen. Die meisten davon sind irrelevant. Wenn wir ihm dagegen drei Stellen in der Woche vorschlagen, die tatsächlich zu seinem Profil und seinen Wünschen passen, ist das ein massiver Unterschied.
Dazu kommen Features wie Gehaltstransparenz, Sprachfilter, Remote-Optionen, die für IT-Fachkräfte entscheidungsrelevant sind, aber auf klassischen Portalen oft fehlen oder schlecht gepflegt werden.
Gehaltstransparenz ist ein heißes Thema. Wie handhaben Sie das?
Wir ermutigen Arbeitgeber, Gehaltsrahmen zu veröffentlichen. Bei über 60 Prozent unserer Stellenanzeigen ist das inzwischen der Fall. In der IT ist der Markt so transparent geworden, dass es keinen Sinn mehr macht, sich dahinter zu verstecken.
Bewerber wissen ohnehin, was bestimmte Rollen zahlen. Unternehmen, die offen kommunizieren, bekommen bessere Bewerbungen, weil nur die Kandidaten reagieren, für die der Rahmen passt. Das spart beiden Seiten Zeit.
Woher nehmen Sie Ihre Reichweite bei IT-Fachkräften? Der Wettbewerb um diese Zielgruppe ist massiv.
Teilweise aus der klassischen SEO-Arbeit, die wir seit Jahren betreiben. Ein großer Teil kommt aber über unser eigenes Medienökosystem. Über den Content-Kanal SiliconStories erreichen wir im DACH-Raum über 3,5 Millionen technikaffine Menschen. Das ist eine Zielgruppe, die sich genau mit den Themen beschäftigt, die auch für IT-Karrieren relevant sind. KI, Softwareentwicklung, Cloud, neue Technologien.
Diese Reichweite spielt für JOBRIVER eine wichtige Rolle, weil wir darüber authentisch mit der Community in Kontakt stehen, nicht nur über Werbeanzeigen.
Wie sieht der deutsche IT-Arbeitsmarkt 2026 aus Ihrer Sicht aus?
Paradox. Auf der einen Seite ist die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften weiterhin hoch. Unternehmen haben Schwierigkeiten, Senior-Positionen zu besetzen, besonders in Bereichen wie Cybersecurity, Cloud-Architektur und KI-Engineering.
Auf der anderen Seite ist der Junior-Markt schwieriger geworden. Viele Bootcamp-Absolventen und Berufseinsteiger konkurrieren um eine kleinere Zahl an Einstiegsstellen. Der Markt polarisiert sich. Wer Senior ist und eine klare Spezialisierung hat, hat weiterhin starke Verhandlungsposition. Wer einsteigen will, muss sich heute deutlich mehr anstrengen als noch vor drei Jahren.
Was heißt das für Unternehmen?
Dass sie umdenken müssen. Viele deutsche Firmen suchen noch immer den klassischen Senior mit zehn Jahren Erfahrung im perfekten Tech-Stack. Diese Profile sind rar und teuer. Klüger ist, Juniors und Mid-Levels gezielt aufzubauen. Intern ausbilden, mentorieren, Karrierewege schaffen.
Wer das gut macht, hat in drei Jahren ein starkes Team, für das er keinen Recruiter mehr braucht. Wer weiterhin nur auf dem Senior-Markt sucht, zahlt jedes Jahr mehr für weniger Verfügbarkeit.
Remote Work ist seit Corona Standard in der IT. Sehen Sie das ähnlich oder kehrt die Präsenzpflicht zurück?
Remote bleibt. Die Zahlen sind eindeutig. Von unseren Stellenangeboten sind rund 40 Prozent vollständig remote, weitere 35 Prozent hybrid. Reine Vor-Ort-Stellen sind in der IT fast schon die Ausnahme. Unternehmen, die zurück ins Büro zwingen, verlieren im Wettbewerb um Talente.
Das sehen wir sehr deutlich in unseren Bewerbungsdaten. Ausschreibungen mit Remote-Option bekommen im Schnitt dreimal so viele qualifizierte Bewerbungen wie reine Präsenzstellen.
Welche Rolle spielt KI für die Zukunft der Software-Entwicklung selbst? Werden Entwickler überflüssig?
Nein, aber ihr Job verändert sich. KI-gestützte Tools wie Copilot, Cursor und die neuen Generationen von Coding-Agents automatisieren Routineaufgaben. Boilerplate-Code, einfache Tests, Dokumentation. Das übernimmt zunehmend die KI. Was bleibt, ist die Architekturarbeit, das Systemdesign, das Verständnis komplexer Anforderungen, die Qualitätssicherung.
Junior-Entwickler, die nur Syntax beherrschen, werden es schwerer haben. Entwickler, die konzeptionell denken und KI-Tools souverän einsetzen, werden deutlich produktiver als früher. Die Schere zwischen durchschnittlichen und sehr guten Entwicklern öffnet sich.
Was bedeutet das für eine Jobbörse wie JOBRIVER?
Dass wir unsere Filterung entsprechend weiterentwickeln müssen. Es reicht nicht mehr, nur Sprachen und Frameworks zu matchen. Wir arbeiten daran, auch Kompetenzen wie Systemdesign, Architektur-Erfahrung und KI-Tool-Nutzung als eigene Dimensionen zu erfassen.
Ein Entwickler, der produktiv mit GitHub Copilot und Cursor arbeitet, ist heute wertvoller als einer, der die gleiche Aufgabe ohne diese Tools macht. Das müssen auch Stellenausschreibungen abbilden.
Wie positionieren Sie sich gegenüber den großen internationalen Plattformen? LinkedIn ist der dominante Player.
Wir konkurrieren nicht über Breite, sondern über Tiefe. LinkedIn ist ein Netzwerk, keine spezialisierte Recruiting-Plattform. Viele Entwickler nutzen LinkedIn zur Profilpflege, aber sie bewerben sich nicht dort. Sie gehen zu spezialisierten Plattformen wie JOBRIVER, wenn sie konkret suchen.
Das ist der Unterschied zwischen passiver Sichtbarkeit und aktiver Jobsuche. Für Unternehmen heißt das: Wer Senior-Talente anspricht, muss beide Kanäle bespielen. LinkedIn für das Employer Branding und die Erstansprache, spezialisierte Plattformen für die konkrete Besetzung.
Was sind Ihre Pläne für die nächsten Jahre?
Wir investieren stark in KI-gestützte Features. Automatisches Skill-Extraction aus Lebensläufen, intelligente Match-Vorschläge, besseres Interview-Scheduling. Daneben bauen wir unser Angebot für größere Unternehmen aus. Volumenpakete, API-Integrationen in bestehende Applicant-Tracking-Systeme, Executive Search für schwer zu besetzende Führungspositionen.
Die kommenden Jahre werden spannend, weil der Arbeitsmarkt sich durch KI, Remote Work und demografischen Wandel gleichzeitig verändert. Unsere Aufgabe ist, dass JOBRIVER auf diesen Wandel schneller reagiert als die großen Generalisten.
Letzte Frage: Was würden Sie einem IT-Unternehmen raten, das aktuell Schwierigkeiten hat, Fachkräfte zu finden?
Drei Dinge. Erstens: Die Stellenbeschreibung ehrlich und konkret machen. Keine Buzzword-Wolken, sondern präzise, was gebraucht wird, mit Gehaltsrahmen. Zweitens: Schnell sein. Gute Kandidaten sind in wenigen Tagen weg. Wer vier Wochen für die erste Rückmeldung braucht, hat verloren. Drittens: Den eigenen Tech-Stack realistisch einschätzen. Nicht jede Firma ist Google. Ein solides deutsches Mittelstandsunternehmen mit guter Arbeitskultur ist für viele Entwickler attraktiver als ein hippes Startup mit Monopoly-Geld. Entscheidend ist, diese Qualitäten auch kommunizieren zu können. Dabei helfen wir.
Herr Fink, vielen Dank für das Gespräch.
Zur Person:
Andrzej Fink ist Founder und CEO von JOBRIVER. Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung in der IT- und Webentwicklung hat er sich auf die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle, Prozessautomation und KI-gestützte Systeme spezialisiert. Seine technische Expertise bildet das Fundament der JOBRIVER-Plattform, die seit 2019 am Markt ist.
JOBRIVER – Die Fakten:
Spezialisierte IT-Jobbörse für Entwickler im DACH-Raum, Betreiber: JOBRIVER by FINK GROUP LLC, USA. Aktive Stellenangebote: über 15.000, 20.000 registrierte IT-Fachkräfte.
Weitere Informationen: jobriver.de