KI als Co-Trainer

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 setzt die FIFA erstmals auf künstliche Intelligenz. Mit FIFA AI Pro erhalten alle 48 Nationalteams Zugriff auf ein KI-System, das Spielanalysen und taktische Empfehlungen liefert.

Wenn am 11. Juni Mexiko im Estadio Azteca gegen Südafrika das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 bestreitet, beginnt das bislang größte Turnier der Geschichte. Erstmals nehmen 48 Nationalteams teil, insgesamt werden 104 Spiele in drei Gastgeberländern ausgetragen. Gleichzeitig führt die FIFA eine weitere Neuerung ein: Jedes Team erhält Zugang zu FIFA AI Pro, einem KI-Assistenten für Spielanalysen.

Das gemeinsam von FIFA und dem Turnierpartner Lenovo entwickelte System wurde Anfang des Jahres auf der Technologiemesse CES vorgestellt. FIFA AI Pro greift auf die exklusiven Spieldaten der FIFA zu und analysiert Millionen von Datensätzen anhand von mehr als 2.000 Kennzahlen. Trainer und Analysten erhalten daraus taktische Auswertungen, Videoanalysen, animierte Spielszenen und 3D-Modelle der Spieler.

Über das System können Teams beispielsweise analysieren, welche Formation gegen den nächsten Gegner die größten Erfolgschancen bietet, welche Spieler bestimmte Gegenspieler in der Vergangenheit besonders effektiv verteidigt haben oder welche taktischen Anpassungen die Offensive verbessern könnten.

Nach Angaben von Lenovo basiert FIFA AI Pro nicht auf einem herkömmlichen Sprachmodell. Stattdessen verarbeitet das System die Tracking-Daten der FIFA, Bewegungsdaten der Spieler sowie historische Spiel- und Taktikanalysen. Nur die FIFA verfügt über diesen vollständigen Datensatz.

Während des Turniers lernt das System kontinuierlich weiter. Neue Spieldaten werden laut FIFA bereits zwei bis drei Stunden nach dem Schlusspfiff verarbeitet. Dadurch stehen den Nationalteams vor jeder weiteren Partie aktualisierte Analysen und Empfehlungen zur Verfügung.

Vor allem kleinere Fußballverbände könnten von der Technologie profitieren. Große Nationen beschäftigen bereits eigene Analysten, Datenexperten und Trainerteams. Für kleinere Verbände soll FIFA AI Pro den Zugang zu professionellen Spielanalysen erleichtern und den Unterschied bei der Datenauswertung verringern.

Die Verantwortung bleibt jedoch weiterhin beim Trainer. FIFA AI Pro liefert Empfehlungen für die Spielvorbereitung, trifft aber keine Entscheidungen während der Partie. Wie die Analysen interpretiert und umgesetzt werden, entscheidet weiterhin das Trainerteam.

Text: John Koetsier
Foto: Wikipedia

Up to Date

Mit dem FORBES-NEWSLETTER bekommen Sie regelmässig die spannendsten Artikel sowie Eventankündigungen direkt in Ihr E-mail-Postfach geliefert.