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Der Boom rund um künstliche Intelligenz erreicht den Massenmarkt: Konsolen, Computer, Smartphones und VR-Headsets werden teurer, weil Speicherchips knapper und kostspieliger werden. Die Nachfrage kommt vor allem aus KI-Rechenzentren – und trifft nun Hersteller klassischer Konsumgeräte.
Nintendo ist das jüngste Beispiel. Der japanische Konzern erhöht den Preis der Switch 2 in den USA ab 1. September von 449,99 US-$ auf 499,99 US-$. Auch in Europa steigt der Preis: auf My Nintendo Store von 469,99 € auf 499,99 €. In Japan wird die rein japanischsprachige Version bereits ab 25. Mai teurer. Offiziell verweist Nintendo auf veränderte Marktbedingungen, die mittel- bis langfristig anhalten dürften.
In den Finanzunterlagen wird deutlicher, worum es geht: Nintendo rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit zusätzlichen Kosten von rund 100 Mrd. Yen durch höhere Komponentenpreise – insbesondere Speicher – sowie durch Zölle. Die Preisanpassungen sind bereits in der Prognose des Unternehmens eingerechnet. Für das Geschäftsjahr bis März 2027 erwartet Nintendo 16,5 Mio. verkaufte Switch-2-Konsolen, nach 19,86 Mio. Geräten im Vorjahr.
Der Preisdruck betrifft nicht nur Nintendo. Auch Sony hat die Preise für PlayStation-Modelle erhöht. Microsoft zog bei Surface-Geräten nach: Der 13-Zoll-Surface-Pro startet inzwischen bei 1.499 US-$, nachdem günstigere Konfigurationen gestrichen oder verteuert wurden. Ein Microsoft-Sprecher begründete die Anpassungen mit gestiegenen Speicher- und Komponentenkosten. Apple wiederum hat die günstigste Mac-Mini-Version mit 256 GB Speicher aus dem Sortiment genommen. Das Einstiegsmodell kostet damit nun 799 US-$ statt zuvor 599 US-$.
Auch im VR-Markt ist der Effekt sichtbar. Meta erhöhte im April die Preise für Quest 3 und Quest 3S. Das Unternehmen begründete den Schritt ausdrücklich mit deutlich gestiegenen Kosten für leistungsfähige VR-Hardware – vor allem Speicherchips. Die Quest 3S mit 128 GB kostet nun 349,99 US-$, die Version mit 256 GB 449,99 US-$, die Quest 3 mit 512 GB 599,99 US-$.
Hinter der Entwicklung steht ein struktureller Engpass. KI-Rechenzentren benötigen enorme Mengen an Speicherchips. Laut Reuters haben sich die Preise für Speicherchips im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal verdoppelt; im laufenden Quartal könnten sie weiter steigen. Die Nachfrage trifft auf begrenzte Produktionskapazitäten. Neue Fertigungslinien brauchen Zeit, während große Techkonzerne ihre KI-Infrastruktur weiter ausbauen.
Für Speicherhersteller ist das Geschäft mit KI-Kunden besonders attraktiv. Rechenzentren benötigen große Mengen hochwertiger Speicherchips, und die Zahlungsbereitschaft ist hoch. Dadurch geraten Konsumgeräte in eine neue Konkurrenz: Konsolen, Laptops, Smartphones und Headsets kämpfen plötzlich mit KI-Rechenzentren um dieselben Komponenten.
Eine schnelle Entspannung ist nicht absehbar. Samsung warnte zuletzt, dass die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage 2027 sogar größer werden könnte als 2026. SK Hynix erhält laut Reuters ungewöhnliche Angebote großer Techkonzerne, die sich Speicherchips sichern wollen – teils durch Investitionen in Produktionslinien oder Fertigungsequipment.
Damit wird der KI-Boom für Konsumenten spürbar. Was bisher vor allem als Investmentthema, Produktivitätstreiber und Infrastrukturwette diskutiert wurde, schlägt nun auf den Preis alltäglicher Technologie durch. KI macht Software mächtiger – aber Hardware teurer.
Text: Conor Murray
Foto: Luis Villasmil