KI-Optik treibt RoboTechnik nach Hongkong

RoboTechnik profitiert vom Boom rund um KI-Rechenzentren: Die Aktie des chinesischen Ausrüsters stieg binnen eines Jahres um 340 %, Gründer Dai Jun kommt laut Forbes-Schätzung auf ein Vermögen von 2,4 Mrd. US-$. Nun plant das Unternehmen ein Dual Listing in Hongkong.

Die steigende Nachfrage nach KI-Rechenzentren hat weltweit Anbieter von optischen Verbindungstechnologien beflügelt. Einer der Profiteure ist RoboTechnik Intelligent Technology, ein chinesischer Hersteller von Montage- und Testanlagen für optische Systeme. Zu den Kunden des Unternehmens zählen unter anderem der US-Halbleiterkonzern Broadcom, Cisco und Nvidia.

Die in Shenzhen gelistete Aktie von RoboTechnik legte im vergangenen Jahr um 340 % zu. Am Mittwoch reichte das Unternehmen Unterlagen für ein Dual Listing in Hongkong ein. Details zum geplanten Börsenschritt nannte RoboTechnik in der Einreichung nicht. Das Unternehmen reiht sich damit in eine wachsende Zahl chinesischer Festlandfirmen ein, die den Kapitalmarkt in Hongkong nutzen wollen – angezogen von höherer Liquidität, einer breiteren Investorenbasis und transparenteren Preisbildungsmechanismen.

Gegründet wurde RoboTechnik von Dai Jun, der heute Chairman und CEO des Unternehmens ist. Der 52-Jährige hält rund 17 % der Anteile. Auf Basis des Schlusskurses von 589,98 Yuan am Freitag schätzt Forbes sein Vermögen auf 2,4 Mrd. US-$.

Dai ist ausgebildeter Ingenieur und gründete RoboTechnik 2011 zunächst mit dem Ziel, Produktionsanlagen für Photovoltaikzellen zu entwickeln. Diese Zellen wandeln Sonnenlicht in Strom um und kommen in Solarmodulen zum Einsatz. 2019 brachte Dai das Unternehmen an die technologieorientierte ChiNext-Börse in Shenzhen. Der Börsengang brachte 431 Mio. Yuan ein, damals umgerechnet rund 63,6 Mio. US-$.

Der strategische Wandel begann 2020, als RoboTechnik während des 5G-Booms eine Minderheitsbeteiligung an der deutschen FiconTEC erwarb. Das Unternehmen stellt Anlagen her, mit denen optische Geräte montiert und getestet werden. Nach einer schrittweisen Aufstockung der Beteiligung übernahm RoboTechnik FiconTEC im Jahr 2025 für rund 1,9 Mrd. Yuan.

Diese frühe Wette auf optische Technologien zahlte sich im Zuge des KI-Booms aus. Weil die Datenübertragung über Kupferkabel an Grenzen stößt, setzen große Technologiekonzerne zunehmend auf lichtbasierte Übertragungssysteme. Diese gelten als schneller, verfügen über höhere Bandbreiten und bieten mehr Sicherheit. Für KI-Rechenzentren, in denen enorme Datenmengen zuverlässig und energieeffizient verarbeitet werden müssen, werden solche Technologien damit immer wichtiger.

RoboTechnik bezeichnet sich selbst unter Berufung auf China Insights Consultancy als weltweit größten Hersteller von Anlagen für Silicon Photonics. Der Marktanteil lag demnach 2024 bei 25,5 %. Silicon Photonics gilt als Schlüsseltechnologie für moderne Datenübertragung, weil dabei optische Komponenten auf Halbleiterbasis genutzt werden.

Im ersten Quartal 2026 steigerte RoboTechnik den Umsatz im Jahresvergleich um 69 % auf 163,7 Mio. Yuan. Das Unternehmen begründete den Anstieg mit einem „substanziellen Wachstum“ im Geschäft mit Montage- und Testanlagen für optische Systeme. Gleichzeitig weitete sich der Nettoverlust von 26,2 Mio. Yuan im Vorjahreszeitraum auf 38,8 Mio. Yuan aus. Grund dafür waren höhere Ausgaben, unter anderem für Marketing sowie Forschung und Entwicklung.

Für das Gesamtjahr 2025 lagen detailliertere Zahlen vor: 46 % des Umsatzes von 949 Mio. Yuan entfielen auf optische Test- und Montageanlagen. Der Umsatz in diesem Segment verneunfachte sich von 2024 auf 2025. Die Anlagen kommen unter anderem bei fortgeschrittenen Technologien wie Co-Packaged Optics (CPO) und Optical Circuit Switches (OCS) zum Einsatz. Beide sollen Daten schneller übertragen und gleichzeitig den Energieverbrauch senken.

Der Fokus auf optische Technologien half RoboTechnik auch, die Schwäche im chinesischen Solarsektor abzufedern. Die Branche kämpft mit Überkapazitäten und starkem Wettbewerb. Der Umsatz mit Anlagen zur Herstellung von Solarzellen hat sich in den zwölf Monaten bis Dezember 2025 mehr als halbiert. Der Anteil dieses Geschäfts am Gesamtumsatz sank von 92,5 % im Jahr 2024 auf rund 46 % im Jahr 2025.

Vor der Gründung von RoboTechnik war Dai Jun unter anderem General Manager beim chinesischen Elektronikkomponentenhersteller Yuanjiesheng. Zudem arbeitete er für den deutschen Chemiekonzern Henkel und den US-Hersteller von Halbleiterausrüstung Universal Instruments. Dai studierte Materialwissenschaft und Ingenieurwesen an der Harbin University of Science and Technology, absolvierte einen MBA an der Fudan University und promovierte in Business Administration an der City University of Hong Kong.

Dai Jun ist nicht der einzige chinesische Unternehmer, dessen Vermögen durch den Boom rund um KI-Optik stark gestiegen ist. Auch Li Xiaoming, der seine Landschaftsbaufirma Hui Lyu Ecological Technology Groups in einen Hersteller optischer Komponenten umbaute, sowie Zhang Xingang, Gründer des Photonikchip-Entwicklers Yuanjie Semiconductor Technology, profitierten von der steigenden Nachfrage nach optischer Infrastruktur für KI-Rechenzentren.

Text: Zinnia Lee
Foto: Taylor Vick

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