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Die Vienna AI Company bringt mit LISA AI künstliche Intelligenz in Autohäuser und Autowerkstätten. Das Wiener Start-up wächst rasant – und will die Kfz-Branche revolutionieren.
Die Automobilbranche ist konservativ: In manchen Autohäusern ist teils jahrzehntealte Software im Einsatz, Mitarbeiter jonglieren täglich zwischen fünf verschiedenen Programmen, und für einen einzigen Servicetermin müssen Fahrzeughistorie, Ersatzteilverfügbarkeit, Werkstattkapazität und Kundendaten manuell zusammengeführt werden. Genau hier setzt Vladislav Smolyanoy an: Der CEO und Mitgründer der Vienna AI Company hat mit LISA AI eine vertikale KI-Plattform entwickelt, die speziell für Autohäuser und Kfz-Werkstätten gebaut wurde. LISA steht für „Large-Language-Model-Powered, Interactive, Integrated, Sales, Support and Service Assistant“ – oder kurz: die digitale Allzweck-Assistentin, die seit ihrer Einführung im Sommer 2025 die Branche verändern will.
Roman Keglovits-Ackerer, Bundesinnungsmeister der Kfz-Branche, machte Smolyanoy auf die Realität vieler österreichischer Betriebe aufmerksam: überalterte Systeme, ineffiziente Prozesse, ein riesiger Verwaltungsaufwand – und dabei kaum gute KI-Lösungen. „In der Kfz-Branche hatten wir nichts“, schildert Smolyanoy das damalige Bild. Generische Tools wie Chat GPT oder einfache KI-Telefonassistenten könnten zwar E-Mails zusammenfassen oder Standardfragen beantworten, aber keine Servicehistorie abrufen, keine Ersatzteile vorbestellen und keinen Mechaniker-Slot reservieren; „sie kennen den Betrieb nicht“. Mit LISA AI soll sich das nun ändern: Wenn ein Kunde anruft, schaut das KI-Modell, noch bevor es abhebt, im CRM-System nach, welches Fahrzeug der Anrufer fährt, was beim letzten Termin gemacht wurde, und begrüßt ihn persönlich. LISA AI trägt Termine automatisch ein, prüft die Ersatzteilverfügbarkeit und informiert den Kunden, wenn während des Services zusätzliche Arbeiten anfallen. Für Techniker bereitet der Assistent alle relevanten Unterlagen automatisch vor, für Geschäftsführer liefert er Berichte und Auswertungen.
LISA AI ist so konzipiert, dass der Mensch die Kontrolle behält. Smolyanoy nennt es „Human in the Loop“: LISA AI führt keine kritischen Aktionen autonom durch – das sei auch für die Konformität zum immer mehr relevanten EU AI Act notwendig. Sie bereitet vor und macht Vorschläge, doch wenig passiert ohne die Freigabe des Mitarbeiters. „Wenn sie 700 Mal etwas richtig gemacht hat, kann sie den Mitarbeiter fragen: Soll ich das das nächste Mal ausführen, ohne nachzufragen?“, beschreibt Smolyanoy das schrittweise Lernen. Halluzinationen werden dadurch nicht ausgeschlossen, aber ihre Auswirkungen minimiert. Jede Information, die LISA AI liefert, sei quellengebunden – entweder aus dem eigenen System oder aus verifizierten externen Quellen, die direkt von Partnern kommen; etwa Importeuren, Herstellern und Lieferanten. Und: LISA AI wurde beigebracht, „Ich weiß das nicht“ zu sagen – eine überraschend wichtige Fähigkeit, die laut Smolyanoy viele KI-Systeme nicht haben. Gleichzeitig hat das Unternehmen einen proprietären „Sensitive Information Neutralization Layer“ entwickelt, der sensible persönliche Daten – etwa Gesundheitsinformationen, die ein Kunde beiläufig erwähnt – automatisch neutralisiert, bevor sie von der KI weiterverarbeitet werden.
Einzelne Grundfunktionen von LISA AI lassen sich, so der CEO, rein theoretisch nachbauen. Für Smolyanoy ist das jedoch nicht der entscheidende Punkt: „Die Technologie ist extrem wichtig, aber der eigentliche Mehrwert entsteht dort, wo sie tief in die Prozesse einer Branche integriert wird“, sagt er. Bei LISA AI gehe es daher um ein System, das mit Kfz-Betrieben, ihren Dealer-Management-Systemen (DMS) und Customer-Relations-Systemen (CRM), Serviceprozessen, Partnern und branchenspezifischem Wissen zusammenspielt. Genau dadurch werde eine Nachahmung deutlich schwieriger: Nicht die reine Existenz von KI-Funktionen sei der Vorsprung, sondern die Kombination aus technologischer Umsetzung, tiefer Systemintegration, gewachsenen Partnerschaften und spezifischem Domänenwissen aus der Kfz-Branche.
Die Technologie ist extrem wichtig, aber der eigentliche Mehrwert entsteht dort, wo sie tief in die Prozesse einer Branche integriert wird.
Vladislav Smolyanoy
Das Unternehmen, das im Juli 2025 offiziell gegründet wurde, hat Anfang 2026 bereits seine erste Pre-Seed-Runde mit einer Bewertung von 20 Mio. € durchgeführt und zählt über 70 aktive Kunden. Erreicht wurde dieses Wachstum hauptsächlich durch strategische Partnerschaften: Das Unternehmen arbeitet unter anderem mit den größten DMS-Anbietern und Importeuren zusammen.
Was Smolyanoy besonders betont: LISA AI soll keine Jobs vernichten. „Wir sagen niemals: ‚Nehmt LISA, damit ihr fünf Mitarbeiter sparen könnt!‘“, sagt er. Das Versprechen lautet anders: Mitarbeiter sollen mit derselben Kapazität 30 bis 40 % mehr leisten können. Der Verkäufer soll verkaufen, der Techniker soll schrauben; den administrativen Aufwand übernimmt der KI-Assistent. Die Vision ist klar: „LISA soll bis 2029 die Standardplattform für Kfz-Betriebe in Europa werden“, sagt der Mitgründer. Nach Österreich will das Unternehmen noch heuer nach Deutschland und danach nach Ost- und Westeuropa expandieren. In einer Branche, die auf veralteter Software fußt, kein unambitioniertes Ziel – aber der Motor läuft. •
Foto: Vienna AI Company