KÖNIG DER TARIFE

Bereits als Schüler startete Maximilian Schirmer ein Vergleichsportal für Handytarife. Zwölf Jahre später verkauft der „Under 30“-Listmaker tarife.at für fünf Millionen € an Geizhals – und das, obwohl (oder gerade weil) Schirmer das Unternehmen die längste
Zeit als One-Man-Show führte.

Maximilian Schirmer steckte noch mitten in der Schule, als ihm die Idee für tarife.at kam: Mit dem Portal wollte er alle Handytarife in Österreich vergleichbar machen. „Damals habe ich die Daten noch selbst gesammelt, da es noch nicht so viele Optionen gegeben hat wie heute“, erzählt Schirmer. Er programmierte das Portal in Eigen­regie und baute es über die folgenden Jahre quasi als One-Man-Show auf. Sein Eifer sollte sich auszahlen: Zwölf Jahre später ist tarife.at mit 350.000 Besuchen pro Monat das meistgenutzte Vergleichsportal Österreichs. Das blieb auch am Markt nicht unbemerkt – kürzlich verkündete Schirmer den Verkauf von tarife.at an den österreichischen Platzhirsch in Sachen Vergleichs­angebote, Geizhals. Der Kaufpreis? Laut Forbes-Schätzung lag dieser bei rund fünf Millionen €.

Für Schirmer bedeutet der Verkauf nicht nur einen erhöhten Kontostand. Zwölf Jahre lang baute er das Portal alleine auf, erst 2017 stellte er seine erste Mitarbeiterin ein. In gewisser Weise verabschiedete sich der Wiener damit auch vom oft einsamen Dasein als Unternehmer. Schirmer: „All die Jahre habe ich alle Entscheidungen alleine treffen müssen, hatte keinen Sparrings­partner. So blöd das jetzt auch klingen mag: Ich genieße es wirklich, mir endlich ein Okay holen zu können.“ Ein Abschied ist es jedenfalls nicht: Schirmer und sein Team bleiben an Bord, der Gründer selbst für fünf Jahre. Doch wie schaffte es der „Under 30“-List­maker von seinen bescheidenen Anfängen im Kinder­zimmer, ein ­millionenschweres Unternehmen aufzubauen – ganz ohne Hilfe?

Schon in jungen Jahren fand Schirmer Computer faszinierend. Er begann im Alter von zwölf Jahren, zu programmieren – auch, um sich sein eigenes Leben zu erleichtern. „Ich habe früh angefangen, Dinge zu automatisieren, ich wiederhole Arbeitsschritte einfach ungern. Um programmieren zu lernen, braucht man außerdem nicht viel – nur einen Computer“, sagt Schirmer heute. Er begann, Websites zu basteln, darunter auch eine Seite zur Übertragung von Videospielen. Was damals ein Nischenthema war, ist heute im Mainstream angekommen: Auf der äußerst beliebten Gamer-Plattform Twitch (eine Amazon-Tochter) wurden allein im Jahr 2020 18,6 Milliarden Stunden gestreamt. Doch Schirmer merkte bald, dass er mit seiner Leidenschaft auch viel Arbeit hatte: Das Projekt musste er nicht wegen fehlender Nachfrage aufgeben, sondern wegen der allzu hohen Anzahl an Nutzern. Denn darunter befanden sich auch Trolle – als 16-jähriger Schüler konnte er die auf der Website geposteten Inhalte einfach nicht mehr kontrollieren: „Ich hatte juristisch und wirtschaftlich letztendlich überhaupt keine Ahnung, denn mein Fokus lag auf der Schule“, erklärt Schirmer. Sein Faible für Websites war damit jedoch nicht vorbei – und schon bald hatte er die nächste Idee: eine Website, die die Handytarife in Österreich vergleicht.

Maximilian Schirmer
... studierte an der Technischen Universität Wien Wirtschaftsinformatik. Er ist Gründer und Geschäftsführer des größten Vergleichsportals für Handytarife in Österreich, tarife.at.

Die Seite ging einen Monat vor Schirmers Matura online. Er studierte anschließend Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität in Wien. Während seiner gesamten Studienzeit arbeitete Schirmer nebenbei an seinem Unternehmen. Dabei setzte er auf ­einen deutlichen Kontrast zur oft wachstumsaffinen Start-up-Szene: Statt Personal aufzubauen, war der Gründer fünf Jahre lang der einzige Mitarbeiter. Erst 2017 gründete er schließlich die hinter dem Portal stehende GmbH und stellte auch seine erste Mitarbeiterin an; im Jahr 2020 kam eine zweite dazu. Somit umfasste das Team auch zum Ver­kaufszeitpunkt nur drei Personen. Schirmers Vorliebe, Prozesse zu automatisieren, zeigte sich also auch in diesem Aspekt: „Den niedrigen Personalaufwand haben wir unseren Algorithmen zu verdanken: Mit ihrer Hilfe können wir die mehr als zehn Millionen Tarifkombinationen nach Sinn­haftigkeit filtern“, sagt Schirmer. Denn manche Zusatz­pakete ergeben nur in bestimmten Kombinationen mit Tarifen Sinn – der Algorithmus identifiziert diese Paare; alle an­deren bleiben unberücksichtigt. „Damit können wir mathematisch korrekte Ergebnisse liefern und zugleich unseren Rechenaufwand unter Kontrolle halten“, erklärt Schirmer.

Sein Geld verdient tarife.at durch Vermittlungsprovisionen und Werbung. Das sorgt laut Schirmer dafür, dass stets die besten Vor­schläge gebracht werden: „Wir bekommen nur dann Vermittlungsprovisionen, wenn der Kunde über die Website einen Vertrag abschließt. Daher ist es in unserem Interesse, insbesondere jene Tarife anzuzeigen, die für den Kunden wirklich passen“, erklärt Schirmer.

Der Verkauf bedeutet für Schirmer keinesfalls einen Abschied, eher ein neues Kapitel. In gewisser Weise geht die Geschichte jetzt erst richtig los – denn der Unternehmer fühlt sich in seinem Bereich äußerst wohl, an einen Wechsel denkt er überhaupt nicht. „Wir sind Telekomexperten, andere Branchen interessieren mich überhaupt nicht. Es ist unsere Aufgabe, in unserem Bereich den mit Abstand besten Job zu machen. Wenn wir das nicht schaffen, haben wir keine Existenzberechtigung“, sagt Schirmer. An seiner Entscheidung, zu verkaufen, zweifelt er übrigens nicht: „Bis jetzt war die Firma wirklich zu 100 % mit meiner Person verbunden. Die Entscheidung, zu verkaufen, war trotzdem nicht schwierig. Man kann nicht alles alleine machen. Wir sind ja schon Marktführer und konzen­trieren uns auf langfristiges Wachstum. Daher war nun der richtige Zeitpunkt, die Firma in größere Hände zu übergeben.“

Text: Sophie Spiegelberger
Fotos: Harald Lachner

Dieser Artikel erschien in unserer Ausgabe 4–21 zum Thema „Geld“.

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