KOLLABORATIVE KAMPFANSAGE

Der Pharmakonzern Novartis nutzt KI, um Patienten schneller und gezielter zu behandeln. Tuba Albayrak, General Manager von Novartis Oncology in Österreich, fordert dafür eine Zusammenarbeit aller Stakeholder.

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Nach ein paar Minuten ist klar: Tuba Albayrak liebt ihren Job. Das ist gut so, denn als General Manager von Novartis Oncology in Österreich hilft sie dabei, dass Krebspatienten ihre Diagnose schneller erhalten. Das Ziel der Managerin: den Patienten eine möglichst individualisierte und erfolgversprechende Behandlung bieten zu können. „Bei Novartis kann ich meine Neugierde für Innovation und Wis­sen­schaft mit meiner Leidenschaft für Menschen verbinden“, sagt Albayrak. „Ich möchte etwas für die Gesellschaft bewirken.“

Dass sie mit Onkologie dabei an der richtigen Stelle wirkt, zeigt eine Statistik der Weltgesundheits­organisation (WHO): Allein in Europa werden 20 % aller Todesfälle durch Krebs verursacht. „Unser Ziel ist es, Krebs von einem Todesurteil zu einer chronischen Krankheit zu verändern und schließlich zu heilen. Seitdem es unser CML-Medikament (Mittel gegen chronische myeloische Leukämie, Anm.) auf das Cover des Time Magazine geschafft hat, hat sich die Fünf-Jahres-Überlebensrate für CML von 30 % auf 90 % verdreifacht“, sagt Albayrak.

Bei Novartis arbeiten derzeit mehr als 10.000 Mitarbeiter in mehr als 85 Ländern im Bereich der Onkologie, um Krebsmedikamente
zu entwickeln und zu vermarkten. Überhaupt beschäftigt sich der Pharmakonzern intensiv mit den Themen Forschung und Entwicklung: Allein bei Novartis in Österreich arbeiten 800 Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung (insgesamt: mehr als 5.000 Mitarbeiter). Die F&E-Ausgaben in Österreich beliefen sich jüngst auf 200 Millionen €, während die weltweiten F&E-Ausgaben 9,1 Milliarden US-$ betrugen. Vier Millionen € entfielen dabei auf österreichische Studienzentren, in welchen derzeit etwa 90 klinische (einschließlich onkologische) Studien mit rund 600 Patienten laufen. Damit ist Novartis der größte Initiator klinischer Studien innerhalb der Pharma­branche in Österreich. In der On­kologie forscht Novartis in den Bereichen Brustkrebs, Hautkrebs, Hämatologie, aber auch an inno­vativen Zell- und Gentherapien.

Tuba Albayrak
... absolvierte an der Boğaziçi Üniversitesi in Istanbul den Master in Sozialwissenschaften sowie einen Master in Business Administration (MBA). Seit 15 Jahren arbeitet sie bei Novartis im Bereich Onkologie. Zuerst in Istanbul tätig, übernahm sie dann mehrere Länder- und Regionalverantwortlichkeiten; zuletzt war sie Country President & Oncology General Manager in Prag, bevor sie 2018 General Manager Novartis Oncology Austria in Wien wurde.

Die Bemühungen tragen Früchte: Dank der hervorragenden Zusammenarbeit mit den medizinischen Partnern in Forschung und klinischer Praxis ist Österreich eines der führenden Länder bei der Entwicklung der CAR-T-Zelltherapie. Die CAR-T-Zelltherapie (Chimäre-Antigen-Rezeptor-T-Zellen) kombiniert die Eigenschaften der Immuntherapie, einer Behandlungsform, die die natürliche Abwehrkraft des Körpers gegen Krebs stärkt, mit jenen der Zell- und Gentherapie. Dabei werden dem Patienten zuerst T-Zellen (weiße Abwehrzellen) entnommen, diese anschließend im Labor genetisch umprogrammiert und die so entstandenen individuellen CAR-T-Zellen dem Patienten wieder verabreicht, um Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen.

„Das Besondere an der CAR-T-Zelltherapie ist, dass sie für jeden Patienten individuell hergestellt ist und eine vielversprechende Option in der Krebsbehandlung darstellt. Sie wurde erstmals 2012 bei einem Kind mit akuter lymphatischer Leukämie, bei dem die Standardtherapie­optionen bereits ausgeschöpft waren, angewandt. Dieses Kind ist heute, sieben Jahre später, immer noch krebsfrei.“

In Istanbul geboren, begann Albayrak sehr früh bei Novartis. Seit 2004 hat sie mehrere Länder- und Regionalverantwortlichkeiten innerhalb von Novartis Oncology über­nommen, zuletzt war sie Leiterin der Onkologie und Country President in der Tschechischen Republik gewesen. Seit Ende 2018 ist sie in Wien und leitet dort den Bereich der Onkologie für das Schweizer Pharmaunternehmen. Warum Albayrak gerade die Onkologie als ihr Spezialgebiet gewählt hat, liegt für sie auf der Hand: „In diesem Bereich sind die Auswirkungen unserer Arbeit fast täglich zu spüren. Wir verändern mit unserer Arbeit viele Leben, nicht nur die unserer Patienten, sondern auch ihrer Familien. Ich kann mir keinen bes­seren Zeitpunkt vorstellen, um in der Pharmaindustrie zu arbeiten, da wir jetzt erleben, wie Geschichte geschrieben wird.“

Um bestmögliche Ergebnisse für Patienten erzielen zu können, setzt Novartis nicht nur auf Forschung, sondern auch auf künstliche Intelligenz (KI) und Digitalisierung, um den Prozess der Entwicklung von Medi­kamenten zu beschleunigen und Patienten in der frühestmöglichen Phase ihrer Erkrankung eine Diagnose liefern zu können. „Im Moment haben wir nur für etwa 3 % der menschlichen Proteine zielgerichtete medikamen­töse Therapien – bei mehr als 1.200 wissen wir noch nicht, wie diese gezielt erfasst werden können. Mit KI können wir den Forschungsprozess beschleunigen und Wege finden, um Therapien gezielter und individueller zu gestalten“, sagt Albayrak.

Es geht nicht mehr nur um Innovation im Gesundheitssektor an sich. Wir müssen als Gesellschaft lernen, miteinander zu kollaborieren.

Laut der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) liegt das größte Potenzial in der Nutzung von KI neben der Automobilbranche besonders im Bereich Gesundheit. Im Artificial Intelligence Impact Index, den PwC zusammen mit dem Fraunhofer Institut entwickelte, schnitt die Gesundheitsbranche mit 3,7 von 5,0 möglichen Punkten am höchsten ab. Der Index gibt das Ausmaß an Auswirkungen von KI auf die Produkte und Dienstleistungen verschiedener Branchen an.

Um mit der Digitalisierung Schritt halten zu können, investiert Novartis stark in innovative Projekte: „Sind wir alle kompetent, wenn es
um Daten und Technologie geht? In einigen Bereichen mehr, in anderen weniger. Aber wir arbeiten daran, die Lernkurve für alle Mitarbeiter deutlich zu beschleunigen“, sagt Albayrak. So gründete Novartis beispielsweise das weltweite Global Digital Lab mit dem Ziel, die digitalen Fähigkeiten seiner Mitarbeiter zu erweitern. Erst im September dieses Jahres bot das Unternehmen mehrere Onlinekurse an. „Bei Novartis tun wir derzeit viel, um eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der wir neugierig, in­spiriert und gleichzeitig ‚unbossed‘ sein können. Unser Ansatz, unsere Mitarbeiter zu stärken, ist inspiriert durch das Buch ‚Unboss‘ von Lars Kolind. Wir wollen, dass jeder sein volles Potenzial entfalten kann, einen Zweck verfolgt und sich befähigt fühlt, Herausforderungen eigenständig anzugehen.“

Im Jahr 2018 gründete Novartis die globale Plattform Biome, auf der Start-ups interagieren und von der Novartis-Datenbank profitieren können, um Lösungen für verschiedene Gesundheitsprobleme zu finden. Eines dieser Start-ups ist das von der Stanford-Absolventin Michelle Longmire gegründete Unternehmen Medable, das mithilfe von Cloud- und mobilen Anwendungen Daten von Patienten für die klinische Forschung erfasst. Damit sollen die Patienten­besuche in Krankenhäusern reduziert und so in den Kliniken Kosten gespart werden. In Österreich wiederum arbeitet Novartis mit der Plattform Health Hub zusammen, um gemeinsam mit Start-ups Innovationen in der Behandlung von Krebs voranzutreiben.

Somit treibt Novartis nicht nur innovative Lösungen voran, sondern kann von den technologischen Entwicklungen auch unmittelbar pro­fitieren. Doch wenn es um Daten geht, stehen Pharmaunternehmen laut Albayrak vor einer Herausforderung: „Menschen geben ihre persönlichen Daten im Internet fast ohne Zögern her. Wenn es aber um den Bereich Gesundheit geht, schrecken wir zurück. Diese Daten können dazu beitragen, unsere individuellen Gesundheitsergebnisse zu verbessern, und sie unterstützen die Gesundheitssysteme dabei, intelligentere Entscheidungen zu treffen – natürlich unter der Voraussetzung, dass wir alle den Datenschutz respektieren.“

Um für Patienten einen noch größeren Mehrwert zu generieren, reichen Daten und innovative technische Entwicklungen alleine jedoch nicht aus, wie Albayrak betont. Denn die Innovationen stellen auch den Gesundheitssektor vor Heraus­forderungen. „Wenn wir eine ein­malige Behandlung anbieten, die das Potenzial hat, eine Krankheit zu heilen, wie berechnet sich dann deren Wert im Gegensatz zu einer lebenslangen Einnahme von Medikamenten, die monatlich abgerechnet wird? Wenn wir nicht auch bei den Bezahlungsmodellen innovativ denken und handeln, wird die Umsetzung neuer Ansätze schwierig.“

Trotz der bisherigen Erfolge sieht Albayrak noch Potenzial: „Es braucht Mut, um innovative Therapien herzustellen und auf den Markt zu bringen. Traditionelle Medikamente werden weiterhin große Vorteile bringen, aber neue Technologieplattformen wie CAR-T werden ein sehr traditionell aufgebautes Gesundheitssystem vor Herausforderungen stellen. Es geht nicht mehr nur um Innovationen bei Arzneimitteln, die Innovation sollte sich in den Gesundheits­systemen insgesamt widerspiegeln. Als Gesellschaft müssen wir lernen, zusammenzuarbeiten. Wir können die Dinge nicht so handhaben, wie wir es tun, wenn wir Veränderungen er­reichen wollen.“ Um dieses Ziel zu unterstützen, arbeitet Novartis bereits eng mit Patientenorganisationen, medizinischem Fachpersonal, Regierungsbehörden und Institutionen zusammen, um diese Herausforderungen anzugehen. Gesundheit und Wohlbefinden sind eine Investition und keine Kosten.

Der Wert der Medikamente sollte laut Novartis ihren Wert für Patienten, Gesundheitssysteme und Gesellschaften widerspiegeln. Die Preise basieren dabei auf dem klinischen Wert, also der Wirkung eines Medikaments, dem Wert für den Patienten – sprich: eine verbesserte Lebensqualität oder eine geringere Belastung – sowie dem Wert für das Gesundheitssystem. Novartis fordert aber auch, dass der gesamt­gesellschaftliche Wert berücksichtigt werden sollte, wie etwa die Rückkehr von Patienten und pflegenden Angehörigen an den Arbeitsplatz.

„Die ganze Debatte über die Preisgestaltung basiert auf den Kosten für Forschung und Entwicklung. Aber wir müssen den Patienten und die Gesellschaft an die erste Stelle setzen. Deshalb betonen wir immer wieder einen holistischen Ansatz, der alle Stakeholder im Gesundheitsbereich inkludiert. Wir müssen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass sich die Re­­volution in der Wissenschaft, im Daten- und Digitalbereich in der Evolution der Krebsbehandlung widerspiegelt“, so Albayrak.

Text: Andrea Gläsemann
Fotos: David Visjnic

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Leitende Redakteurin

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