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Europas Kryptomarkt wird erwachsener. Seit Ende 2024 gilt in der EU ein einheitlicher Rahmen für Anbieter von Krypto-Dienstleistungen. Doch eine neue Studie der Frankfurt School of Finance & Management zeigt: Für Retail-Anleger bleibt nicht die Regulierung, sondern die reale Kostenstruktur der kritische Punkt. Wer sich von „Zero Fee“-Versprechen leiten lässt, kann beim Handel ein Vielfaches mehr bezahlen als gedacht.
Das neue EU-Regelwerk für Krypto-Assets und Krypto-Dienstleistungen soll Transparenz, Offenlegung, Zulassung und Aufsicht verbessern. ESMA beschreibt den Rahmen als einheitliche Marktregeln für Krypto-Assets mit Fokus auf Transparenz, Disclosure, Authorisation und Supervision. Damit wird der Markt formaler, institutioneller und für Anleger besser einordenbar als in der frühen Wachstumsphase der Branche.
Trotzdem bleibt eine zentrale Schwachstelle bestehen: die tatsächlichen Handelskosten. Genau hier setzt die aktuelle Untersuchung der Frankfurt School an. Analysiert wurden 432 standardisierte Roundtrips, also Kauf und unmittelbarer Verkauf desselben Assets, über neun Anbieter, sechs Kryptowerte, zwei Ordergrößen und vier Handelszeitpunkte. Das Ergebnis ist deutlich: Die durchschnittlichen Gesamtkosten lagen je nach Plattform zwischen 0,53 % und 6,45 %.
Damit rückt ein Begriff in den Mittelpunkt, der im Krypto-Marketing oft untergeht: Total Cost of Ownership. Für Anleger zählt nicht nur die sichtbar ausgewiesene Ordergebühr, sondern die gesamte ökonomische Belastung einer Transaktion. Dazu gehören auch implizite Kosten, insbesondere Spreads. Laut Studie werden Spreads häufig nicht separat ausgewiesen, obwohl sie einen wesentlichen Teil der tatsächlichen Belastung ausmachen können. Genau darin liegt das Transparenzproblem: Ein Angebot kann nach außen günstig wirken und in der Ausführung dennoch deutlich teurer sein.
Besonders aufschlussreich ist ein Beispiel aus der Untersuchung: Ein Ethereum-Roundtrip über rund 500 € verursachte im Schnitt Gesamtkosten von 2,60 € bei Bitvavo, 3,11 € bei justTRADE, 5,84 € bei flatex, 24,61 € bei Coinbase und 28,43 € bei Kraken. Für Privatanleger ist das kein Nebenaspekt. Wer mit kleineren Tickets investiert oder regelmäßig handelt, spürt solche Unterschiede direkt in der Nettorendite. Entscheidend ist damit nicht das beworbene Gebührenmodell, sondern die tatsächliche Gesamtkostenquote.
Auffällig ist auch, dass die Studie Bitpanda ausdrücklich zu den untersuchten Anbietern zählt. Im Durchschnitt lag die Plattform über alle betrachteten Kryptowerte bei rund 4,99 % Gesamtkosten je Roundtrip und damit klar über Bitvavo, justTRADE, flatex, Bison und Trade Republic, aber unter Kraken und Coinbase. Für einen österreichischen Marktführer mit starker Markenbekanntheit zeigt das vor allem eines: In einem reiferen europäischen Markt werden nicht nur Reichweite und Produktdesign relevant, sondern zunehmend auch die nachvollziehbare Kostenstruktur. Gerade beim Thema Bitcoin kaufen bei Bitpanda[Anzeige] dürfte für viele Retail-Anleger künftig nicht nur die Benutzeroberfläche entscheidend sein, sondern vor allem die Frage, wie transparent die tatsächlichen Gesamtkosten ausgewiesen werden.
Für Europas Krypto-Adoption ist das strategisch relevant. Der regulatorische Rahmen verbessert die Basis, garantiert aber nicht automatisch, dass Preisstrukturen für Endkunden im Alltag klar und vergleichbar werden. Je ähnlicher sich Plattformen bei Lizenzierung, Aufsicht und Marktauftritt werden, desto stärker rückt die Frage in den Vordergrund, wie verständlich, offen und überprüfbar sie ihre Kosten tatsächlich darstellen.
Das ist auch deshalb wichtig, weil ESMA die neuen Vorgaben ausdrücklich mit mehr Transparenz für Retail-Investoren verknüpft. Die Behörde verweist unter anderem auf Regeln für Trade Transparency, Orderbücher, Aufzeichnungspflichten und Vor- sowie Nachhandelstransparenz. Parallel hat ESMA Leitlinien zur Sachkunde von Mitarbeitenden bei Krypto-Dienstleistern veröffentlicht, um Anlegerschutz und Vertrauen weiter zu stärken. Der regulatorische Druck auf Anbieter wächst also nicht nur formal, sondern auch praktisch in Richtung Verständlichkeit und Verlässlichkeit.
Genau daraus könnte in den kommenden Jahren ein echter Wettbewerbsvorteil entstehen. In der ersten Krypto-Phase reichten Reichweite, einfache App-Interfaces und aggressive Preisversprechen oft aus, um Nutzer zu gewinnen. Im heutigen Markt dürfte das weniger genügen. Vertrauen wird zu einer härteren Währung. Plattformen, die ihre Gebührenlogik offen erklären, Spreads nachvollziehbar machen und Anlegern den tatsächlichen Preis einer Order transparent zeigen, könnten sich besser positionieren als Anbieter, die vor allem mit „Zero Commission“-Narrativen arbeiten. Das gilt auch für etablierte europäische Marken wie Bitpanda: Wer im regulierten Umfeld langfristig überzeugen will, muss nicht nur zugänglich, sondern auch nachvollziehbar bepreist sein.
Die nächste Frontier der europäischen Krypto-Adoption ist damit nicht nur Regulierung, sondern Gebührentransparenz. Die Grundlage für einen reiferen Markt ist gelegt. Ob daraus echter Massenmarkt entsteht, wird jedoch auch davon abhängen, ob Anleger klar erkennen können, was sie ein Trade tatsächlich kostet. Solange zwischen Werbebotschaft und realem Ausführungspreis eine erhebliche Lücke liegt, bleibt Potenzial liegen. Wer diese Lücke schließt, gewinnt nicht nur Kunden, sondern Glaubwürdigkeit.
Foto: Art Rachen
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