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Über Jahrzehnte gehörte Ronald Lauder zu den einflussreichsten politischen Geldgebern der USA. Mindestens 72,5 Mio. US-$ investierte der Milliardär in Wahlkämpfe und politische Organisationen. Nun scheint sich der langjährige republikanische Großspender aus der politischen Finanzierung zurückzuziehen.
Ronald Lauder (links im Bild) gehörte über Jahrzehnte zu den bedeutendsten politischen Geldgebern der USA. Nun scheint der 82-jährige Milliardär seine politische Finanzierung weitgehend einzustellen. Wie die „New York Times“ Anfang August berichtete, hatte Lauder 2026 bis dahin keine politischen Spenden geleistet und sein Team aus Beratern aufgelöst. Seine Vertreter äußerten sich gegenüber Forbes nicht dazu, ob der Rückzug dauerhaft ist.
Lauder ist der jüngste Sohn von Estée Lauder und seit 1994 Chairman von Clinique Laboratories. Zudem war er über Jahre Mitglied des Boards von Estée Lauder Companies, bevor er diese Funktion 2025 aufgab. Forbes bezifferte sein Vermögen Anfang August auf rund 4,9 Mrd. US-$; das Vermögen der gesamten Lauder-Familie lag bei etwa 21,5 Mrd. US-$.
Dieses Vermögen verschaffte Lauder erheblichen politischen Einfluss. Daten aus Wahlkampffinanzierungsregistern und öffentlich zugänglichen Berichten zufolge gab er mindestens 72,5 Mio. US-$ für politische Zwecke aus. Davon entfielen rund 21,8 Mio. US-$ auf Bundeswahlen und mehr als 48 Mio. US-$ auf politische Aktivitäten und Wahlkämpfe in New York. Die tatsächliche Summe dürfte höher liegen, da ältere Zahlungen teilweise nicht vollständig erfasst und nicht inflationsbereinigt sind.
Besonders eng war Lauders Verhältnis zur Republikanischen Partei. Auf Bundesebene weist die Federal Election Commission seit 1979 Spenden von insgesamt 21,75 Mio. US-$ aus. Nach dem Urteil des Supreme Court im Fall „Citizens United v. FEC“ im Jahr 2010, das den Weg für Super-PACs mit unbegrenzten Spendensummen ebnete, stiegen auch Lauders Beiträge deutlich. Empfänger waren vor allem republikanische Kandidaten und politische Organisationen.
Auch Donald Trump profitierte von Lauders Unterstützung. Laut „New York Times“ kennen sich die beiden seit ihrer Collegezeit. Für Trumps Wahlkämpfe 2016 und 2020 spendete Lauder insgesamt 100.000 US-$. 2022 erklärte er allerdings, Trumps dritte Präsidentschaftskandidatur nicht finanzieren zu wollen, nachdem dieser den Holocaustleugner Nick Fuentes in Mar-a-Lago empfangen hatte.
Nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus änderte Lauder seinen Kurs erneut. Im März 2025 überwies er 5 Mio. US-$ an den Super-PAC MAGA Inc. Laut den vorliegenden Wahlkampfdaten war es Lauders größte einzelne Spende auf Bundesebene. Insgesamt belief sich seine finanzielle Unterstützung für Trump-nahe Kampagnen und Organisationen auf rund 5,2 Mio. US-$.
Lauders Verbindung zu Trump ging über finanzielle Unterstützung hinaus. Während Trumps erster Amtszeit soll der Milliardär den Präsidenten auch in Israel-Fragen beraten haben. Zudem soll Lauder Trump erstmals auf die Idee gebracht haben, Grönland von Dänemark zu erwerben. Später investierte er selbst in Projekte in der Arktis und sprach sich öffentlich für Trumps Grönland-Pläne aus. Im Jänner 2026 berichtete die „New York Times“ zudem, Lauder gehöre zu einer Investorengruppe, die einen Rohstoffdeal in der Ukraine erhalten habe.
Seinen größten politischen Einfluss entfaltete Lauder allerdings in New York. Bereits 1989 finanzierte er seinen eigenen Antritt bei der republikanischen Vorwahl für das Bürgermeisteramt mit rund 13,6 Mio. US-$. Er unterlag Rudy Giuliani, blieb anschließend jedoch einer der bedeutendsten Geldgeber republikanischer Kandidaten im Bundesstaat.
2022 investierte Lauder rund 11 Mio. US-$ in die letztlich erfolglose Gouverneurskampagne von Lee Zeldin gegen Kathy Hochul. Später unterstützte er auch den früheren demokratischen Gouverneur Andrew Cuomo bei dessen Kandidatur für das Bürgermeisteramt von New York mit 1 Mio. US-$.
Warum Lauder seine politische Finanzierung nun offenbar zurückfährt, ist nicht geklärt. Laut „New York Times“ sollen seine Kinder ihn angesichts der finanziellen Entwicklung von Estée Lauder zu geringeren Ausgaben gedrängt haben. Die Aktie des Konzerns hatte innerhalb von fünf Jahren 73,5 % an Wert verloren. Andere Quellen widersprechen dieser Darstellung und führen den Rückzug vielmehr darauf zurück, dass Lauder sein Vermächtnis ordnen und sich stärker auf philanthropische Projekte konzentrieren wolle.
Der Schritt fügt sich in weitere Veränderungen ein. Neben seinem Ausscheiden aus dem Board von Estée Lauder kündigte Lauder auch an, sein Amt als Präsident des World Jewish Congress abzugeben. Im Mai wurde zudem bekannt, dass die von ihm gegründete Neue Galerie in New York, die sich auf österreichische und deutsche Kunst konzentriert, 2028 mit dem Metropolitan Museum of Art zusammengeführt werden soll.
Lauder ist auch eng mit Österreich verbunden. In den 1980er-Jahren war er unter Präsident Ronald Reagan US-Botschafter in Österreich und anschließend Deputy Assistant Secretary of Defense für europäische und NATO-Angelegenheiten. Sein möglicher Abschied als politischer Großspender könnte damit ein Kapitel beenden, in dem Vermögen und politischer Einfluss über Jahrzehnte eng miteinander verbunden waren.
Text: Alison Durkee
Foto: Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten