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Robert Giel ist CEO von Cardmarket, dem größten Marktplatz für Trading Card Games in Europa. Sammelkarten von Spielen wie „Magic: The Gathering“, „Pokémon“ oder „Yu-Gi-Oh!“ werden dort gehandelt. Sein Weg an die Spitze des Unternehmens ist ungewöhnlich und begann mit der Liebe zu einem Spiel. Ein Gespräch über einen Markt zwischen Leidenschaft, Spielfreude und Spekulation.
Im Büro von Cardmarket auf dem ehemaligen Areal einer Brauerei in Berlin-Pankow tummeln sich viele Mitarbeiter auf engem Raum. Auf einigen Schreibtischen stehen kleine Figuren von Comic- oder Videospielcharakteren; die Büroräumlichkeiten sind auf mehrere Gebäude verteilt. „Bald ziehen wir in unser neues Büro, dann haben alle gemeinsam Platz“, erzählt CEO Robert Giel. Die Expertenabteilung für die Spiele, die auf der Plattform gehandelt werden, erklärt dem Forbes-Team voller Begeisterung, worauf es bei seltenen Karten ankommt und welche Faktoren für Sammler und Spieler von Relevanz sind. Einige von ihnen haben sogar ihre private Kartensammlung dabei. Warum einer der Mitarbeiter unzählige Varianten des „blauäugigen Drachen“ aus „Yu-Gi-Oh!“ sammelt? „Angefangen hat es als Kind, weil ich den Drachen einfach cool fand“, erzählt er, während er vorsichtig durch seine Sammlung blättert.
Cardmarket hat im vergangenen Jahr Transaktionen mit einem Bruttowarenwert von 417 Mio. € abgewickelt. Damit ist es der größte Handelsplatz für Trading Card Games (TCG) in Europa. Auf der Plattform treffen laut Unternehmensangaben 735.000 aktive Käufer auf 210.000 aktive Verkäufer, im Vorjahr wurden 110 Millionen Karten gehandelt. Die Frage, auf die das Gespräch hinausläuft: Sind Trading Cards eine neue Assetklasse? „Der einzige Wert, den eine Trading Card hat, ist die zukünftige Nachfrage. Abgesehen davon hält man bloß ein Stück Karton in Händen – ein sehr gutes Stück Karton, mit einem großartigen Spiel dahinter, aber letztlich Karton“, so Giel.
Im Büro von Cardmarket auf dem ehemaligen Areal einer Brauerei in Berlin-Pankow tummeln sich viele Mitarbeiter auf engem Raum. Auf einigen Schreibtischen stehen kleine Figuren von Comic- oder Videospielcharakteren; die Büroräumlichkeiten sind auf mehrere Gebäude verteilt. „Bald ziehen wir in unser neues Büro, dann haben alle gemeinsam Platz“, erzählt CEO Robert Giel. Die Expertenabteilung für die Spiele, die auf der Plattform gehandelt werden, erklärt dem Forbes-Team voller Begeisterung, worauf es bei seltenen Karten ankommt und welche Faktoren für Sammler und Spieler von Relevanz sind. Einige von ihnen haben sogar ihre private Kartensammlung dabei. Warum einer der Mitarbeiter unzählige Varianten des „blauäugigen Drachen“ aus „Yu-Gi-Oh!“ sammelt? „Angefangen hat es als Kind, weil ich den Drachen einfach cool fand“, erzählt er, während er vorsichtig durch seine Sammlung blättert.
Cardmarket hat im vergangenen Jahr Transaktionen mit einem Bruttowarenwert von 417 Mio. € abgewickelt. Damit ist es der größte Handelsplatz für Trading Card Games (TCG) in Europa. Auf der Plattform treffen laut Unternehmensangaben 735.000 aktive Käufer auf 210.000 aktive Verkäufer, im Vorjahr wurden 110 Millionen Karten gehandelt. Die Frage, auf die das Gespräch hinausläuft: Sind Trading Cards eine neue Assetklasse? „Der einzige Wert, den eine Trading Card hat, ist die zukünftige Nachfrage. Abgesehen davon hält man bloß ein Stück Karton in Händen – ein sehr gutes Stück Karton, mit einem großartigen Spiel dahinter, aber letztlich Karton“, so Giel.
Wenn das Produkt so cool ist, müssen die Menschen dahinter auch cool sein.
Robert Giel
Cardmarket entstand 2007. Einer der Gründer, Luis Torres, bemerkte, dass Sammelkarten in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Preisen verkauft wurden – also startete er einen Marktplatz für TCG. Aus diesem Projekt wurde eine Plattform, die heute die Preisdaten für den europäischen Markt liefert. Wer wissen will, wie viel eine Karte gerade wert ist, schaut auf Cardmarket. Die Preisdaten stellt das Unternehmen kostenlos mittels einer technischen Schnittstelle (API) zur Verfügung. Damit wolle man sich als Preisautorität positionieren, ohne die Kontrolle über den Marktplatz selbst abzugeben. „Es macht keinen Sinn, dass diese Liquidität auf mehrere Plattformen verteilt ist“, sagt Giel. „Ein einzelner Marktplatz wäre das Beste für die Community.“
Cardmarket verdient einen Großteil des Umsatzes mit einem klassischen Marktplatz-Geschäftsmodell: Verkäufer zahlen eine Provision von 5 % auf jeden abgeschlossenen Verkauf. Es gibt keine Einstellgebühr, keine versteckten Kosten und keinen Algorithmus, der gegen Aufpreis für mehr Sichtbarkeit sorgt. „Das hat sich seit 2007 nicht verändert“, so Giel. Käufer zahlen grundsätzlich nichts – mit einer Ausnahme: Bei teureren Karten schaltet sich Cardmarket als Treuhänder ein. Das Geld bleibt dann hinterlegt, bis die Karte angekommen ist und der Käufer den Erhalt bestätigt. Für diesen Schutz fällt eine zusätzliche Gebühr von 0,5 bis 1 % des Kaufpreises an.
Kein externer Investor hat je in Cardmarket investiert. Das hat Folgen für die Unternehmenskultur, die Giel bewusst pflegt: Wachstum ist nicht der einzige Treiber. Als der US-Konkurrent TCG Player 2022 von E-Bay für 295 Mio. US-$ (252,2 Mio. €) übernommen wurde, hatte Cardmarket mehr aktive Nutzer. Ist Cardmarket also mindestens so viel wert? Die USA seien ein grundlegend anderer Markt, schränkt Giel ein – eine Sprache, ein Postsystem, ein Rechtsrahmen. Europa bedeute hingegen Dutzende Sprachen, unterschiedliche Regulierungen und separate Zustellnetze. Die größte Abteilung ist deshalb der Kundensupport – besonders viel Arbeit macht die Streitschlichtung zwischen Käufern und Verkäufern, etwa beim Verdacht auf gefälschte Karten. Damit hält Cardmarket das Vertrauen hoch, das sich die Plattform in knapp 20 Jahren in der Community erarbeitet hat. In den Büroräumlichkeiten unterhalten sich die Mitarbeiter in verschiedenen Sprachen. Das Team ist auch deshalb so international, weil einige Mitarbeiter extra nach Berlin gezogen sind, um für Cardmarket arbeiten zu können – aus Faszination an den Karten.
Obwohl Sammelkarten selbst bereits im späten 19. Jahrhundert erstmals an Popularität gewannen, gilt „Magic: The Gathering“ allgemein als das Spiel, das 1993 das Konzept der Sammelkarte erstmals mit Spielmechaniken verband. In dem Fantasy-Spiel mit einer ausgearbeiteten Erzählwelt stellen Spieler ein sogenanntes Deck zusammen – selbst gewählte Karten, deren Eigenschaften und Wechselwirkungen darüber entscheiden, ob man im Duell gegen den Gegner besteht. Dazu kamen Boosterpacks und Seltenheitsstufen, die Spielerlebnis und Sammlerinstinkt erstmals kombinierten. „Pokémon“ und „Yu-Gi-Oh!“ folgten als große Säulen des Markts. Lange war das Hobby nur Thema für eine gut organisierte und begeisterte Community; dann kam die Coronapandemie: Lockdowns und nostalgische Erwachsene, die Kartonboxen aus Kindheitstagen wieder öffneten, trieben das Interesse – und vor allem die Preise – in die Höhe. Seitdem wurde auf dem Markt für neue Spiele gesorgt: Disney brachte mit „Lorcana“ ein eigenes Kartenspiel heraus, die international erfolgreiche Manga-Serie „One Piece“ und das Videospiel „League of Legends“ folgten. „Magic“ kooperierte mit Franchises wie „Der Herr der Ringe“, „Final Fantasy“ und „Avatar: Der Herr der Elemente“, um neue Spielerschichten zu erschließen. 2025 setzte der Spielwarenkonzern Hasbro alleine mit „Magic“ 1,72 Mrd. US-$ um – das Wachstum zum Vorjahr betrug 59 %.
Giel war kein Gründer, sondern zunächst ein Nutzer von Cardmarket. Seit 2012 kaufte und verkaufte er Karten von „Magic: The Gathering“ auf der Plattform, aus reiner Spielerleidenschaft. 2017 sah er eine Stellenanzeige. „Wenn das Produkt so cool ist, müssen die Menschen dahinter auch cool sein“, dachte er sich. Er bewarb sich und zog von Amsterdam nach Berlin, um als Grafiker anzufangen. Die heutige Startseite von Cardmarket stammt noch aus seiner Designphase. Von dort bewegte er sich in eine Produktrolle; 2021 boten ihm die Gründer, die sich zurückziehen wollten, dann den CEO-Posten an. Damals arbeiteten 30 Menschen für Cardmarket – heute sind es 115.
Innerhalb der TCG-Community gibt es einen wachsenden Graben zwischen jenen, die mit den Karten spielen wollen, und jenen, die sie als Spekulationsobjekt behandeln. Während „Magic“ spielzentriert ist und Karten gekauft werden, um damit gegen andere Spieler anzutreten, geht es bei Pokémon häufiger um das Sammeln – Karten werden gekauft, um Alben zu füllen. Für beide Spiele werden dieselben Karten in einer Basis- und Sonderversionen produziert, die normalen Versionen haben denselben Spielwert, die Sonderversionen – goldene Rahmungen, alternative Artworks, Hologrammfolien – sind für Sammler (und Spekulanten) konzipiert. „Das macht TCGs interessant“, sagt Giel. „Du kannst dich ausdrücken, wenn du willst – aber es macht dich nicht besser im Spiel.“
Am 16. Februar 2026 endete bei Goldin eine Auktion, die Sammler und Finanzpresse gleichermaßen beschäftigte: Eine einzige Pokémon-Karte wechselte für 16,49 Mio. US-$ den Besitzer. Die sogenannte Pikachu Illustrator Card stammt aus einem japanischen Zeichenwettbewerb von 1998. Von den 41 bekannten Exemplaren gelten Medienberichten zufolge weniger als zehn als in sammelwürdigem Zustand. Der Verkäufer war Influencer Logan Paul, der das Stück 2021 für rund 5,3 Mio. US-$ erworben hatte. Der Käufer: AJ Scaramucci, Sohn eines New Yorker Financiers. Die Karte ist heute die teuerste jemals versteigerte Trading Card der Geschichte. Wie kommt es zu solchen Transaktionen? Giel beantwortet die Frage mit einer Gegenfrage: „Wie oft passiert das wirklich? Was ist das tatsächliche Volumen solcher Transaktionen?“ Solche Verkäufe machen laut Giel weniger als ein Prozent des tatsächlichen TCG-Markts aus, sorgen aber für Schlagzeilen. Cardmarket setzt nicht auf diese seltenen Auktionen: Lieber 1.000 Karten zu je einem Euro als eine Karte für 1.000 €, so Giel. Die teuerste jemals auf Cardmarket gehandelte Karte lag im sechsstelligen Bereich.
Als Giel darüber spricht, ob aus den Karten eine Assetklasse geworden sei, wirkt er nachdenklich. Trading Cards zeigten derzeit „Asset-ähnliches Verhalten“, drückt er es aus. Wer eine Karte kauft, könne das Hobby jederzeit wieder verlassen, ohne Geld zu verlieren; manchmal sogar mit Gewinn. Das mache es als Hobby interessant. Es gebe also Liquidität – nur eben keine verlässliche. „Es ist nicht unbedingt ein Investment-Asset für die breite Masse“, meint Giel. Es gebe Leute, die mit dem Trading von Spielkarten viel Geld verdienen – doch dafür benötigt es gutes Timing und ein tiefes Verständnis für die Spiele und die Marktmechanismen. Am Ende fehlt für eine Einstufung als traditionelles Asset aber ein intrinsischer Wert; laufende Erträge wie Zinsen oder Dividenden werfen die Karten ohnehin nicht ab.
Es ist nicht unbedingt ein Investment-Asset für die breite Masse.
Robert Giel
Während ein Risiko in der Nachfrage nach den Karten liegt, liegt ein anderes auch im Angebot: Die Produzenten können jederzeit mehr Karten herausbringen. Giel: „Der Hauptfokus der Spielehersteller ist es, versiegelte Produkte direkt an Geschäfte und Händler zu verkaufen, nicht aber, den Sekundärmarkt zu managen.“ Die bekannteste Schutzklausel bei „Magic“ heißt Reserved List und existiert seit 1996. Ältere Karten wurden zum Unmut der Sammler in neuen Editionen wieder aufgelegt. Wizards of the Coast, das Unternehmen hinter „Magic“, reagierte mit einer öffentlichen Selbstverpflichtung: eine Liste von Karten, die niemals wieder neu produziert werden. Die Black Lotus Alpha – eine der ikonischsten Karten der „Magic“-Geschichte, 1993 in einer kleinen Erstauflage erschienen – steht auf dieser Liste. Ein tadelloses Exemplar wechselte 2024 für 3 Mio. US-$ den Besitzer. An die Reserved List hält sich das Unternehmen, das 1999 von Hasbro übernommen wurde, bis heute – diese Karten haben somit einen gewissen Inflationsschutz.
Am Ende geht es vielen in der Community jedoch um die Karten und das Spielen selbst. Das könne auch kein Hype kaputtmachen, so Giel. Er besitzt eine Karte, für die er rund 2.000 € bezahlt hat: eine „Gaea’s Cradle (Judge Foil)“. Ihr Preis sei seitdem auf 5.000 bis 6.000 € geklettert. „Ich habe sie nicht mit dem Gedanken gekauft, in sie zu investieren. Ich wollte sie einfach wirklich haben – ich brauchte sie für ein Deck“, sagt er mit einem Grinsen …
Fotos: Franz Grünewald