„Mehr Sisterhood“

Forbes Under 30-Listmakerin Ruby O. Fee bereitet aktuell ihre nächsten Karriereschritte vor. Die aus Film und Fern­sehen bekannte Schauspielerin gründete vor Kurzem ihre eigene Produktionsfirma und arbeitet an Drehbüchern und einigen Verticals, die 2026 aufschlagen werden.

Außergewöhnliche Lebenswege haben manchmal tatsächlich außergewöhnliche Anfänge – wie jener der Schauspielerin Ruby Moonstone Camilla Willow Fee, bekannt als Ruby O. Fee. Wobei das „O.“ ein gut gehütetes Geheimnis ist – manche Dinge gehören eben nur ihr, seien nicht für die Öffentlichkeit gedacht, sagte sie zuletzt in einem Interview mit der Zeitschrift Glamour, die sie im Rahmen des „Women of the Year 2025“-Awards als „Rising Actor“ kürte.

1996 wurde Ruby O. Fee im Dschungel von Costa Rica geboren. Ihre Mutter war „alleine und hatte nur die Unterstützung einer Freundin“, erzählt sie auf ungläubige Nachfrage. „Ich hätte mich das nicht getraut“, sagt sie. Das nächste Krankenhaus sei weit weg gewesen, so Fee weiter. Dort musste ihre Mutter sie hinfahren, als sie als Baby einmal schwerer erkrankt war. Ihre Familie sei „reisend“ und „hippiemäßig“ unterwegs gewesen: Bis sie etwa sechs Jahre alt war, sei sie mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater zwischen Indien und Bali hin- und hergezogen, die meiste Zeit in einem Wohnmobil, versucht Fee die einzelnen Stationen ihrer Kindheit nachzuzeichnen. Zwischendurch sei die Familie auch immer wieder in Afrika und in Europa ­gewesen.

Als sie sieben Jahre alt war, ging es nach Brasilien und später, als Zwölfjährige, nach Deutschland. „Meine Mutter hatte ihr eigenes Modelabel. Sie hat Klamotten in Bali und Indien produziert und auf Goa-Festivals verkauft“, so Fee. „Ich bin ein richtiges Festival-Kind“, lacht sie; allerdings eines, das zumindest drei Sprachen fließend spricht (Deutsch, Englisch und Portugiesisch); das bringt das Reisen mit sich.

Der große Umzug von Brasilien nach Berlin habe sie damals nicht beun­ruhigt, sagt die Schauspielerin – das Reisen sei längst zur Routine geworden und es habe sich angefühlt, als habe sie die Optionen in ihrem kleinen brasilianischen Dorf, wo die Familie wohnte, mit Ballett- und Capoeira-Schule sowie Gitarrenunterricht komplett ausgeschöpft. Es sei irgendwie Zeit für eine Weiterentwicklung gewesen, sagt Fee – da kam Berlin sehr gelegen; auch, weil sie ihrer Mutter schon längere Zeit vor diesem Umzug in den Ohren lag, unbedingt zum Film zu wollen, und ihr das Versprechen abrang, in Berlin entsprechende Schritte einzuleiten.

Während des Gesprächs wirkt die 29-Jährige reflektiert und phasenweise gleichzeitig schüchtern. Sie lässt allerdings keinen Zweifel an ihrer klaren Vorstellung dessen, was sie für sich als Privat- wie Geschäftsperson will – und was nicht. Das viele Reisen habe sie zu einer guten Beobachterin gemacht, sagt sie.

Um sie herum wuseln Manager, Stylist und Personal Assistant, helfen ihr beim Ankleiden und bei der Auswahl der Schmuckstücke des Nobeljuweliers Tiffany, für den die Schauspielerin Markenbotschafterin ist. Das geschäftige Treiben rund um Fee vermittelt eine Idee jener Businesses, in denen es ganz offensichtlich auch viel um Äußerliches geht. Als journalistische Erfahrung jedenfalls eine Abwechslung, gab es doch auch Interviews mit Under 30-Listmakern, die uns in Jogger und Adiletten Rede und Antwort standen.

Ich denke, man wird besonders als Frau schnell in eine Schublade gesteckt. Deshalb war es für mich wichtig, zu schauen, wo ich selbst Veränderung kreieren kann.

Ruby O. Fee

Ungewöhnlich ist auch der Ort des Interviews im ­Studio der Schauspielerin am Prenzlauer Berg in Berlin, wo sie früher gewohnt hat: Das Gespräch findet im „Kleiderschrank“ der Darstellerin statt, der um zwei Ecken bis unter die Decke geht und in dem sich wohl sortiert schickes Schuhwerk und glamouröse Glitzerteile aneinanderreihen. Hier wird auch die Youtube-Show „Femaliens“ aufgenommen – die Klebestreifen am Boden markieren den Standplatz der Kamera. Später wird die Schauspielerin noch in einen roten Python-Anzug von Sportmax wechseln, der die textile Dreifaltigkeit mit Leoparden-Couch und Flokati-Teppich vollendet. Alles ist fein orchestriert.

Für das Interview selbst schickt Ruby O. Fee aber alle Mitglieder ihres Teams raus – und erzählt offen von ihren Erfahrungen; auch den schlechten, um die man wohl nicht herumkomme, wenn man in der Öffentlichkeit stehe, meint sie. Seit einiger Zeit schon gehe sie regelmäßig zur Therapie, das helfe ihr beim Schauspielen und wappne sie vor zu persönlichen Übergriffen und vor allzu harscher Kritik. Sie empfinde das wie eine innere Reinigung: Auch einmal dorthin zu schauen, wo es auch mal unangenehm und nicht so schön ist, stärke sie, sagt die Schauspielerin selbstbewusst.

Im Filmbusiness ist sie laut eigenen Angaben bereits seit 18 Jahren – „einmal volljährig und schon länger als mein halbes Leben“, grinst sie. 2010 debütierte sie in ihrem ersten Kinofilm „Womb“ als kindliche Rebecca, die als erwachsene Frau vom Ex-Bond-Girl Eva Green gespielt wurde. Im selben Jahr drehte Fee auch die erste Staffel
der Fernsehserie „Allein gegen die Zeit“ (in der Hauptrolle der Sophie Kellermann) ab. Es folgten ab da mehrere Film- und Fernsehproduktionen im Jahr.

Wenn Ruby O. Fee diese Geschichte ihres beruflichen Einstiegs erzählt, dann wirkt das irgendwie mühelos: „Meine Agentin, die selbst in den USA ausgebildete Schauspielerin war, hat mich ins Business reingebracht, mich zu Castings mitgenommen; dort habe ich vorgesprochen, und dann habe ich die Rolle bekommen oder nicht.“ Mit ihrer Agentin habe sie auch die Rollen einstudiert, erzählt Fee. Dabei habe sie keine konventionelle Schauspielausbildung genossen, sondern sich alles mittels „Learning by Doing“ angeeignet, erzählt sie. Laut aktuellem Stand bei Wikipedia ist Ruby O. Fees Filmografie heute 40 Werke lang; aktuell läuft der Film „Das Leben der Wünsche“ in den Kinos.

Diese lange Liste an Filmen markiert allerdings den Beginn einer neuen Etappe in der Karriere der Schauspielerin. Die 29-Jährige ist nämlich drauf und dran, ihren Wirkungskreis zu erweitern. „Ich ordne meine Geschäfte im Moment neu, mein Unternehmen bekommt jetzt eine Struktur“, lacht sie. Sie müsse sich für das nun Kommende gut aufstellen; beginnend mit neuen Herausforderungen im Film. Ihre Passion sei dieser immer schon gewesen, sagt die Schauspielerin – sie liebe die Schauspielerei, der sie so vieles zu verdanken habe, die gesamtheitliche filmische Gestal­tung sei es aber, die es ihr von Beginn an angetan habe, von Maske, Kostüm über das Drehbuch bis hin zu Produktion, Schnitt und Regie. Sie sei an ­allen gestalterischen Elementen eines Films interessiert.

Über die Jahre ihrer Erfahrung als Darstellerin hinweg habe sie feststellen müssen, dass das, was sie im Drehbuch lese, und die fantastischen Bilderwelten, die in ihrem Kopf entstünden, sich nicht immer (oder auch nicht einmal ansatzweise) mit dem Endprodukt auf der Leinwand vergleichen ließen. „Und auch, wenn ich ein Stück, eine Rolle nach gemeinsamen Vorstellungen spiele, heißt das noch lange nicht, dass wichtige Teile nicht einfach rausgeschnitten und nicht oder anders als gedacht veröffentlicht werden“, so Fee. Darüber wünsche sie sich mehr Gestaltungsfreiraum und auch Kontrolle, sagt sie. Nicht zuletzt deshalb habe sie ihre eigene Produktions­firma Cheetah Chiquita gegründet, sagt sie.

Schon seit einiger Zeit arbeite sie darüber hinaus mit Autoren gemeinsam an verschiedenen Drehbüchern – mit starken Frauenrollen, sagt sie. „Ich denke, man wird – besonders als Frau – allzu schnell in eine Schublade gesteckt; und klar kann man versuchen, dagegen zu arbeiten. Wenn man aber die entsprechende Kontrolle nicht hat, dagegen anzugehen, wird es schwierig. Deshalb war es für mich wichtig, zu schauen, wo ich selbst Veränderung kreieren kann“, so Fee. Sie wolle für sich und andere Frauen einen Raum schaffen, in dem weibliche Perspektiven selbstverständlich sind, ebenso wie Geschlechterparität am Set; das sei im Moment auffallend nicht der Fall, sagt sie: „Ich wünsche mir mehr Sisterhood, mehr gegenseitige Unterstützung unter uns Frauen.“

Die Möglichkeit, mehr Schaffensfreiraum sowie ­künstlerische und kommerzielle Kontrolle über ihre Projekte zu haben, hat sich die Schauspielerin über ihre Content Creation erarbeitet, die sie seit ­mehreren Jahren für und mit Top-Marken – von Dyson bis Tiffany – betreibt. Als sie mit der Content Creation begonnen habe, erzählt Fee – damals noch ganz ohne kommerziellen Hintergrund –, wurde das in Filmkreisen scheel angeschaut. Doch langsam kamen immer mehr Unternehmen auf sie zu und fragten nach Kooperationen aller Art. „Wichtig war das auch zur Stärkung meiner eigenen Marke“, sagt die Schauspielerin, die selbst auf mehrfache Nachfrage nach dem jährlichen Umsatz aus der Content Creation keine Auskunft darüber gibt. „Diese Einnahmen wurden über die Jahre mehr und erlauben mir heute, eigene Projekte zu starten und auch am ­Laufen zu halten“, sagt Fee. „Ich muss deshalb auch keine Filmrollen mehr annehmen, die ich nicht an­nehmen will“, gibt sie sich bodenständig. Rechnungen, egal wie hoch, habe schließlich jeder zu bezahlen.

Generell, so sagt sie, sei im Filmbusiness so ­einiges in Bewegung. Durch Streamingplattformen wie ­Netflix oder Amazon Prime Video erreichen die dort ausgestrahlten Filme ein viel größeres Publikum als zur Zeit vor Streamingplattformen, und darüber hinaus auch weltweite Aufmerksamkeit. Filme wie der Action-­Thriller „Polar“ aus dem Jahr 2019 mit Mads Mikkelsen und Vanessa Hudgens in den Hauptrollen (Fee spielte die Rolle der Sindy) landeten unter den weltweiten Top Ten der meistgestreamten Filme. „Army of Thieves“ (2021), in dem sie mit ihrem Lebensgefährten, dem Schauspieler Matthias Schweighöfer, zu sehen war, erzielte laut eigenen Angaben rund 90 Millionen Views weltweit. Ebenso erfolgreich waren die Zahlen für den dysto­pischen Thriller „Brick“ (2025), für den Fee ebenfalls mit Schweighöfer vor der Kamera stand.

2026 sollen einige von Fees neuen Verticals sichtbar werden: Ganz nebenbei erzählt die Schauspielerin, dass sie und ihr Partner ein Haus erworben haben, das sie gemeinsam umgebaut und eingerichtet ­haben. „Dabei habe ich entdeckt, dass ich das sehr gerne mache und auch gut kann“, erzählt Fee. Hier sehe sie eine Möglich­keit, mehr aus einem Hobby zu machen, lacht sie, ebenso wie im Modebereich; da werde es im kommenden Jahr auch etwas Neues geben, hält sich die Schauspielerin dazu tendenziell noch bedeckt.

Und auch im Film möchte Fee sich weiterentwickeln und Neues ausprobieren: 2026 werde sie mit einer großen internationalen Produktionsfirma eines ihrer Drehbücher co-produzieren – und eventuell auch gleich Regie führen. Eine Premiere, sagt sie, auf die sie sich schon sehr freut.

Fotos: Charlotte de la Fuente

Heidi Aichinger,
Herausgeberin

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