Micron knackt erstmals 1 Bio. US-$

Micron Technology ist nach einem Kurssprung von 18% erstmals über die Marke von 1 Bio. US-$ Börsenwert gestiegen. Der Auslöser: eine massive Kurszielanhebung der UBS – und die wachsende Bedeutung von Speicherchips im KI-Boom.

Der US-Chiphersteller Micron Technology hat am Dienstag erstmals einen Börsenwert von 1 Bio. US-$ erreicht. Die Aktie legte um 18% zu und stieg auf mehr als 890 US-$. Angetrieben wurde die Rally von einer Hochstufung durch Analysten der UBS, die Speicherchips als einen der zentralen Bausteine der KI-Infrastruktur sehen – neben den Prozessoren von Unternehmen wie Nvidia.

Die UBS erhöhte ihr Kursziel für Micron auf 1.625 US-$ und damit um mehr als das Dreifache. Das würde laut den Analysten innerhalb der kommenden zwölf Monate eine mögliche Bewertung von knapp 1,8 Bio. US-$ bedeuten. Es ist das höchste Kursziel unter den 46 Wall-Street-Häusern, die Micron beobachten, und liegt deutlich über dem Konsensziel von 684,32 US-$ laut FactSet-Daten.

Micron zählt damit zu den großen Gewinnern des KI-Booms an der Börse. Seit Jahresbeginn ist die Aktie um 177% gestiegen, in den vergangenen zwölf Monaten sogar um mehr als 800%. Damit gehört Micron in diesem Jahr zu den stärksten Titeln im S&P 500.

Das Unternehmen produziert Speicherchips – also jene Hardware, die Daten bereithält, auf die Maschinen zugreifen. Sie unterscheiden sich von Rechenchips wie Nvidia-GPUs, die die eigentliche Verarbeitung übernehmen. Lange galt Speicher als wenig glamouröser Teil der Halbleiterindustrie: ein zyklisches Geschäft, geprägt von Preisdruck, Lagerbeständen und schwankender Nachfrage.

Der KI-Boom hat diese Logik verändert. Moderne KI-Systeme benötigen enorme Datenmengen direkt neben den Prozessoren, die sie verarbeiten. Dadurch sind Speicherchips zu einem knappen und wertvollen Bestandteil von KI-Servern geworden. Micron gehört neben Samsung und SK Hynix zu den wenigen Unternehmen weltweit, die solche Chips in großem Maßstab herstellen können.

Im Unterschied zu US-Konkurrenten wie SanDisk, die sich stärker auf Flash-Speicher für langfristige Datenspeicherung konzentrieren, produziert Micron auch aktive Hochgeschwindigkeitsspeicher, die KI-Prozessoren in Echtzeit mit Daten versorgen. Genau dieser Teil des Marktes ist durch den KI-Boom besonders stark gewachsen. CEO Sanjay Mehrotra sagte Investoren bei der jüngsten Quartalskonferenz, dass Micron seine gesamte Produktion von High-Bandwidth-Memory-Chips für 2026 bereits verkauft habe.

Vergangene Woche kündigte Micron zudem eine Erweiterung seines Werks in Manassas im US-Bundesstaat Virginia um 2 Mrd. US-$ an. Die Investition ist Teil eines breiteren politischen und wirtschaftlichen Bestrebens, mehr Chipproduktion zurück in die USA zu holen.

Auch große Investoren haben Micron zuletzt stärker in den Fokus genommen. David Teppers Appaloosa Management erhöhte seine Position in Micron in diesem Jahr um 11%. Die Beteiligung wurde damit zur zweitgrößten Position des Fonds und hatte einen Wert von 562,5 Mio. US-$. Ray Dalios Bridgewater, der größte Hedgefonds der Welt, ging noch weiter: In der jüngsten Meldung Anfang des Monats gab Bridgewater an, seine Micron-Position um fast 66% erhöht und das Gewicht der Aktie im Portfolio mehr als verdoppelt zu haben. Gleichzeitig reduzierte der Fonds Engagements in Unternehmenssoftwarewerten wie Salesforce und ServiceNow und setzte stärker auf KI-Chipaktien wie Nvidia, Broadcom und Micron.

Im Juni legt Micron die nächsten Quartalszahlen vor. Anleger werden vor allem darauf achten, ob die Produktion der neuesten Chips planmäßig läuft, ob langfristige Kundenverträge Bestand haben und ob zusätzliche Kapazitäten von Samsung und SK Hynix die knappe Versorgung gefährden könnten, die Microns Kursrally bisher getragen hat.

Text: Alicia Park
Foto: Vishnu Mohanan

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