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SpaceX bereitet laut SEC-Unterlagen den Börsengang vor. Die Einreichung gibt seltene Einblicke in die Finanzen des Raumfahrtkonzerns – und zeigt, wie stark Elon Musks Mars-Vision und seine Kontrolle über das Unternehmen für Anleger zum Risiko werden könnten.
SpaceX hat bei der US-Börsenaufsicht SEC Unterlagen eingereicht, die auf Pläne für einen Börsengang hindeuten. Die Dokumente geben seltene Einblicke in die Finanzen des von Elon Musk kontrollierten Raumfahrtkonzerns. Zugleich machen sie deutlich, wie eng die Zukunft von SpaceX mit Musks Ziel verbunden ist, menschliches Leben multiplanetar zu machen.
Laut Einreichung sollen Musk knapp 1 Mrd. Class-B-Aktien zugesprochen werden, sobald SpaceX mehrere Bewertungsziele erreicht und eine „permanente menschliche Kolonie“ auf dem Mars mit mindestens 1 Mio. Bewohnern etabliert hat.
Musk kontrolliert demnach 85 % der Stimmrechte bei SpaceX. Er hält fast 850 Mio. Class-A-Aktien und 5,57 Mrd. Class-B-Aktien. Keine andere Person oder Institution kommt laut den Unterlagen auf mehr als 5 %.
Jay Ritter, Finanzprofessor an der University of Florida und Leiter des IPO-Forschungsprogramms IPO Initiative, sagte gegenüber Forbes, er sehe darin ein Risiko. SpaceX könnte Starlink-Gewinne nutzen, um Menschen zu „enormen Kosten“ auf den Mars zu bringen. Auch der dauerhafte Betrieb einer Mars-Kolonie würde aus seiner Sicht „enorme“ Subventionen erfordern.
Sollte Musk weiter stark auf die Besiedlung des Mars drängen, könnten Aktionäre dagegen wenig ausrichten, so Ritter. Grund dafür sei Musks Stimmrechtskontrolle – auch wenn Musk grundsätzlich verpflichtet sei, den Wert für Aktionäre zu maximieren.
Musk ist laut Forbes-Schätzung mit einem Vermögen von 807,7 Mrd. US-$ der reichste Mensch der Welt. Forbes schätzt seinen Anteil an SpaceX auf knapp 40 %. Ein Börsengang von SpaceX könnte Musk praktisch zur ersten Person mit einem Vermögen von 1 Bio. US-$ machen. Das Unternehmen dürfte laut Erwartungen mit 1,5 bis 2 Bio. US-$ bewertet werden – und damit den größten Börsengang der Geschichte hinlegen.
Bei einer Bewertung von 1,5 Bio. US-$ wäre Musks Anteil rund 600 Mrd. US-$ wert. Sein Vermögen würde dadurch auf etwas mehr als 1,4 Bio. US-$ steigen. Bei einer Bewertung von 2 Bio. US-$ läge der Wert seines SpaceX-Anteils bei rund 800 Mrd. US-$, womit sein Gesamtvermögen auf mehr als 1,6 Bio. US-$ klettern könnte.
Die Unterlagen zeigen zugleich, wie abhängig SpaceX inzwischen von Starlink ist. Das Unternehmen meldete bis zum jüngsten Quartal einen Nettoverlust von 4,28 Mrd. US-$, nachdem 2025 bereits ein Verlust von 4,94 Mrd. US-$ angefallen war. Starlink, das Satelliteninternetgeschäft von SpaceX, machte im ersten Quartal 69 % des Umsatzes aus – insgesamt 4,69 Mrd. US-$.
Der Bereich Connectivity, zu dem Starlink gehört, ist laut Einreichung der einzige profitable Teil des Unternehmens. Die Raumfahrtsparte verlor 619 Mio. US-$, die KI-Sparte 2,5 Mrd. US-$.
Hinzu kommt ein milliardenschwerer Deal mit Anthropic. Das KI-Unternehmen soll SpaceX bis Mai 2029 monatlich 1,25 Mrd. US-$ zahlen, um Rechenkapazitäten zu nutzen. Anthropic erhält Zugriff auf mehr als 300 Megawatt Rechenleistung und zeigte laut den Angaben Interesse daran, SpaceX beim Aufbau von mehreren Gigawatt Rechenkapazität im Weltraum zu unterstützen. SpaceX plant demnach, bereits ab 2028 Rechenzentren im All einzusetzen.
Auffällig ist auch die Kostenstruktur. SpaceX gab bis zum jüngsten Quartal 10,1 Mrd. US-$ aus – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Großteil davon entfiel mit 7,7 Mrd. US-$ auf KI. Für die Raumfahrtsparte lagen die Investitionsausgaben bei etwas mehr als 1 Mrd. US-$, für das Connectivity-Geschäft bei 1,3 Mrd. US-$. Im Jahr 2025 gab SpaceX 12,7 Mrd. US-$ für KI aus, verglichen mit 3,8 Mrd. US-$ für Raumfahrt.
SpaceX beziffert den adressierbaren Gesamtmarkt auf 28,5 Bio. US-$. Darin enthalten sind 870 Mrd. US-$ für das Breitbandgeschäft, 740 Mrd. US-$ für Starlinks Mobilfunksparte, 600 Mrd. US-$ für digitale Werbung bei X, 2,4 Bio. US-$ für KI-Infrastruktur und 22,7 Bio. US-$ für Unternehmensanwendungen.
Text: Ty Roush
Foto: Daniel Oberhaus