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Jakob Gmoser ist Ausdauersportler und zugleich Co-Gründer von Aitark. Das KI-Start-up aus der Steiermark will Ordnung in die fragmentierte Landschaft des ESG-Datenreportings bringen.
Jakob Gmoser ist sich nicht ganz sicher, wie er es auf die U30-Liste geschafft hat – umso mehr freut er sich darüber. Die drei Gründer von Aitark – Jakob Gmoser, Simon Rauscher und Ludwig Thier – sind miteinander verwandt und fanden über ihren erweiterten Familienkreis zusammen. Die ursprüngliche Idee für eine eigene KI-Software kam nicht von Gmoser, sondern von seinen zwei Co-Foundern im Frühjahr 2024; Gmoser selbst kam im Sommer dazu. Das Team identifizierte, dass Nachhaltigkeitsdatenmanagement mit ineffizienten Workflows wie Excel-Dateien und unübersichtlichen E-Mail-Verläufen behaftet war – und entschied sich, seine eigene Plattform dazu zu bauen. Unter dem Motto „Making sustainability effortless“ bietet Aitark heute KI-unterstützte SaaS-Lösungen an, die ESG-Datenerhebung und -verarbeitung automatisieren.
Das Team, das kürzlich durch eine vierte Gründerin, Theresa Kühmeier, verstärkt wurde, betreut derzeit fünf Kunden – darunter die Standard Medien AG, Pro Pet Austria und den Innovations-Hub Next Incubator. Das Gründerteam favorisiert autonomes Wachstum und verzichtet vorerst auf externes Kapital. Gmoser: „Ich glaube, wir müssen uns erst noch finden – deshalb sehen wir aktuell auch keine Notwendigkeit, Kapital aufzunehmen.“ Umsatzzahlen seien schwer zu sagen; das Unternehmen ist noch in der frühen Phase.
Bevor sich Gmoser den Weg ins Unternehmertum bahnte, war er nach dem Studium an der Montanuniversität Leoben im Blockchain- und Kryptobereich tätig. Ausschlaggebend für seine heutige Tätigkeit war sein Wunsch, praxisnah Mehrwert zu schaffen: „Probleme von Menschen zu lösen ist ein instinktives Interesse in mir“, so Gmoser. Mit Aitark traf es sich gut: „Ich mache etwas Cooles und im besten Fall hinterlässt es den Planeten auch noch besser“, meint er.
Heute begeistert ihn vor allem der Ansatz, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden. Gmoser unterstreicht, dass effektives Nachhaltigkeitsmanagement zwingend ein fundiertes Datenmanagement voraussetzt. Viele Firmen würden den administrativen Aufwand des Reportings überschätzen und dadurch wertvolle Ressourcen binden. Seiner Ansicht nach steht das derzeitige ESG-Reporting auf einem instabilen Fundament: „Durch den plötzlichen Regulierungsdruck der EU hatten Unternehmen in der Branche kaum Zeit für eine organische Entwicklung.“ Das erschwerte wiederum die Schaffung einheitlicher Standards für die Datenerhebung und -verarbeitung maßgeblich. Aitark will diese Daten qualitativ auf das Niveau von Finanzdaten heben.
Probleme von Menschen zu lösen ist ein instinktives Interesse in mir.
Jakob Gmoser
Die KI-Architektur umfasst einen Agenten, der auf öffentlich zugänglichen Nachhaltigkeitsregulatorien basiert und zugleich als Wissensdatenbank dient. Im Gespräch erwähnt Gmoser das Omnibus-Paket: Diese EU-Verordnung zielt darauf ab, die Komplexität der Nachhaltigkeitsberichterstattung für KMU zu reduzieren.
Obwohl der nachlassende Regulierungsdruck für Aitark eine Herausforderung darstellt, blickt Gmoser optimistisch in die Zukunft. Er sieht im wachsenden Pragmatismus eine Chance für einen Mentalitätswandel: „Unternehmen müssen Nachhaltigkeit jetzt so gestalten, dass sie wirtschaftlichen Mehrwert schafft.“ Im Gegensatz dazu erweisen sich die EUDR (Entwaldungsverordnung) und der Digital Product Passport als Regulatoriken, die Aitark in die Karten spielen: Im Kern beider Vorgaben stehen Informationen zur Lieferkette, zu den genutzten Materialien sowie zur Herkunft der Rohstoffe – genau jene Anforderungen, die professionelle Dateninfrastruktur erfordern.
Neben seiner Rolle als Gründer ist Gmoser leidenschaftlicher Athlet. Bei Aitark verantwortet er die Bereiche Finanzen und Produktentwicklung – Ausgleich findet er beim Training für Ironman- und Triathlon-Wettbewerbe. Für ihn weisen der Ausdauersport und das Unternehmertum Parallelen auf. Seine Ausdauer stellte das Team bereits in der Gründungsphase unter Beweis: Nachdem die aws-Preseed-Förderung zweimal abgelehnt worden war, überarbeitete die Gruppe ihren Businessplan grundlegend und reichte ihn erneut ein – diesmal mit Erfolg: Unter dem Programm „Innovative Solutions“ erhielt Aitark eine Summe von 90.000 €.
Gmosers Vision für die Zukunft ist eng mit den Erfahrungen verknüpft, die er während des Aufbaus seines Unternehmens gesammelt hat: „Aitark soll organisch am Markt wachsen, sodass sich das Produkt richtig formt und wir als Gründer mit den Challenges, die wir gestellt bekommen, mitwachsen“, sagt er. Dabei legt er Wert auf ein bewusst klein gehaltenes Team, das derzeit aus insgesamt vier Personen besteht. Auf die Frage nach möglichen Gründen für das Scheitern von Aitark findet Gmoser nach kurzem Nachdenken, außer einer Teamkrise, keine konkrete Antwort. „Das sehe ich als positives Signal“, stellt er schmunzelnd fest. „Was auch immer auf uns zukommt: Wir werden eine Lösung finden!“
Foto: Radl