Neue KI von Anthropic setzt Software-Aktien unter Druck

Mehrere Software-Aktien gerieten am Dienstag unter Druck, nachdem Anthropic die neueste Version seines KI-Modells Claude veröffentlicht hatte. Das von Google und Amazon unterstützte Start-up präsentierte damit bereits die zweite große Aktualisierung innerhalb weniger Wochen und schürte erneut Sorgen, dass KI-Technologie etablierte Geschäftsmodelle im Software-Sektor verändern könnte.

Die Aktie von Oracle verlor am Dienstagnachmittag 3,4 % auf rund 154 US-$. Auch andere Titel gaben nach: Thomson Reuters (–3 %), Salesforce (–2,7 %), Intuit (–5,2 %) und Adobe (–1,4 %). ServiceNow sank um 1,1 %, Atlassian um 3,1 %, Applovin um 2,5 %, während Palo Alto Networks und Autodesk jeweils mehr als 2 % verloren. Beide Titel liegen seit Jahresbeginn bereits deutlich im Minus.

Der iShares Expanded Tech-Software ETF, der unter anderem Microsoft, Oracle und Applovin hält, fiel um 2 % und notiert im Jahresvergleich mehr als 22 % tiefer. Auch Microsoft verlor am Dienstag über 1 %.

Anthropic stellte am Dienstag Claude Sonnet 4.6 sowohl kostenlosen als auch zahlenden Nutzern zur Verfügung und bezeichnete das Update als umfassende Weiterentwicklung in Bereichen wie Programmierung, Computernutzung, komplexe Analyse („Long-Context“-Reasoning), Agentenplanung, Wissensarbeit und Design. Das Unternehmen betonte, das Modell liege zwar weiterhin hinter den Fähigkeiten der besten menschlichen Experten zurück, die Fortschritte seien jedoch deutlich, insbesondere bei der Programmierung.

Bereits Anfang des Monats hatte Anthropic Erweiterungen für seinen KI-Agenten Claude Cowork vorgestellt. Laut Unternehmen kann dieser Aufgaben in Kundenservice, Produktmanagement, Marketing, Recht und Datenanalyse automatisieren. Das hatte weltweit Verkäufe bei Software-Aktien ausgelöst – auch bei großen indischen IT-Firmen und bei Nomura Research in Japan, deren Aktie auf ein 52-Wochen-Tief fiel.

Eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage der Bank of America unter Fondsmanagern zeigt: Rund 25 % sehen überbewertete KI-Aktien als zentrales Marktrisiko, 30 % warnen, dass steigende KI-Investitionen eine Kreditkrise auslösen könnten. Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft rechnen für 2026 mit Investitionen von rund 610 Mrd. US-$, um der steigenden Nachfrage nach KI-Anwendungen gerecht zu werden.

Gleichzeitig warnen Ökonomen vor Überreaktionen. Adam Turnquist, Chefstratege bei LPL Financial, erklärte, die Volatilität im Software- und KI-Sektor sei eher auf eine veränderte Marktstimmung zurückzuführen als auf eine Verschlechterung von Umsätzen oder Gewinnen. Die Märkte würden ein mögliches Negativszenario einpreisen, ohne die strukturelle Stärke der Branche ausreichend zu berücksichtigen.

Auch Dan Ives von Wedbush Securities bezeichnete den jüngsten Ausverkauf als „die am stärksten von der Realität entkoppelte Bewegung“, die er in seiner Karriere erlebt habe. Seiner Ansicht nach dürften viele der aktuell abgestraften Unternehmen langfristig von KI-Entwicklungen profitieren. JPMorgan hatte bereits zuvor die Annahme, KI werde das Softwaregeschäft grundsätzlich verdrängen, als „fehlerhafte Logik“ bezeichnet und die Sorgen als übertrieben eingeordnet.

Text: Ty Roush
Foto: BoliviaInteligente

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