Next Leaders X BW-Bank: Die nächste Generation übernimmt den Lenker

Zwischen Retro-Fahrrädern, modernster Shimano-Technik und der Frage nach der technologischen Souveränität Deutschlands versammelten sich rund 80 Gäste bei Paul Lange & Co. in Stuttgart. Das Ziel der dritten „Next Leaders“-Veranstaltung der BW-Bank: Den Schulterschluss zwischen Tradition, Mittelstand und disruptiven Innovationen zu festigen.

Nach dem Erfolg im Porsche Brand Store Ende 2025 kehrte das Format BW-Bank X Next Leaders nun an einen Ort zurück, der wie kaum ein anderer für Beständigkeit und gleichzeitigen Wandel steht. Inmitten von Fahrradbindungen, Helmen und historischen Exponaten der Firma Paul Lange & Co. – seit 1949 eine feste Größe in der Branche und als Generalvertreter für Shimano bekannt – diskutierten Gründer und Nachfolger über die wirtschaftliche Zukunft des Standorts Deutschland.

Ein Ökosystem des Austauschs

Silke Siegel-Kirschenmann, Leiterin Wealth Management Stuttgart bei der BW-Bank, betonte in ihrer Begrüßung die Notwendigkeit solcher Plattformen. In einer Welt, die von KI-Entwicklungen und geopolitischen Spannungen geprägt ist, sei der Austausch zwischen Gleichgesinnten eine strategische Ressource. Matthias Zartmann, Bereichsleiter Unternehmenskunden der BW-Bank, unterstrich zudem die Bedeutung der engen Verzahnung von Privat- und Geschäftsvermögen, die besonders bei Generationswechseln im Mittelstand entscheidend ist.

Verantwortung in dritter Generation

Im Zentrum der Podiumsdiskussion standen Maximilian Behnke und Paul-César Lange (Chief Strategy Officer), die als Prokuristen und Vertreter der dritten Generation heute die Zukunft der Paul Lange Gruppe verantworten. Ihr Erbe ist bedeutend, doch ihr Ansatz ist zukunftsgewandt. Für sie ist Innovation kein Selbstzweck, sondern Teil der Unternehmens-DNA: „Fahrrad ist an sich nachhaltig. Aber wir fragen uns: Wie können wir uns trotzdem weiter verbessern?“, so Paul-César Lange.

Die beiden Nachfolger schilderten offen die Herausforderungen des rasanten Wachstums während der Pandemiejahre und die Notwendigkeit, traditionelle Werte wie Fleiß und Verbindlichkeit mit modernen Tools wie KI und integrierten ERP-Systemen zu verknüpfen. „Innovation findet im Kopf statt“, betonte Maximilian Behnke – Technologie sei dabei das Werkzeug, um die Menschlichkeit im Unternehmen zu bewahren.

Mut zum kontrollierten Risiko

Ergänzt wurde die Runde durch Adrian Thoma, Managing Director von NXTGN. Er brachte die Perspektive des Ökosystem-Gestalters ein und warnte vor der „Not-Invented-Here“-Syndrom im Mittelstand. Thoma warb leidenschaftlich für „Open Innovation“ und die Zusammenarbeit mit Start-ups, um technologische Hürden zu nehmen, die ein Unternehmen allein oft nicht bewältigen kann.

Sein Konzept des „Affordable Loss“ stieß auf großes Interesse: Mut zum Experimentieren sei essenziell, solange das Risiko den Fortbestand des Kernunternehmens nicht gefährdet. „Wir brauchen in Deutschland mehr Mut für die 80-Prozent-Lösung, um schneller am Markt zu lernen“, so Thoma.

Do Shit First

Den Abschluss und emotionalen Höhepunkt des Abends bot „Profi-Abenteurer“ Jonas Deichmann. Der Deutsche ist für seine extremen sportlichen Challenges bekannt und sprach im Vortrag über sein Unterfangen, die Welt in 120 Ironman-Distanzen zu umqueren.

Vom Winter in Sibirien über Quallenangriffe im Mittelmeer bis hin zu seiner Rolle als „mexikanischer Forrest Gump“ konnte Deichmann allerhand Anekdoten bieten. Sein Tipp an alle: Do Shit First. Als er in Russland unterwegs war, so Deichmann, stellte er sich den Wecker und zog sich, ohne zu überlegen, gleich morgens seine eingefroren Radschuhe an und fuhr los. „Wenn man solche Gewohnheiten lange genug wiederholt, werden sie Normalität. Das gilt für alle Bereiche des Lebens.“

Deichmann, der sein Geld auch als Buchautor sowie Speaker verdient, plant übrigens schon sein nächstes Abenteuer: Eine Umrundung Europas an den Außengrenzen mit dem Fahrrad.

Fazit: Tradition als Sprungbrett

Der Abend bei Paul Lange & Co. verdeutlichte einmal mehr: Unternehmensnachfolge ist im Jahr 2026 kein bloßes Verwalten von Werten mehr. Es ist ein aktiver, gestaltender Prozess, der Mut verlangt – Mut zur Transformation, zum Eingeständnis eigener technologischer Lücken und zum Vertrauen in externe Partnerschaften.

Zwischen den Retromodellen im Showroom wurde klar: Die „Next Leaders“ nutzen das Vermächtnis ihrer Vorfahren nicht als Ruhekissen, sondern als Startrampe für die nächste industrielle Evolution.

Klaus Fiala,
Chefredakteur

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