OpenAI unter Druck

Sam Altmans KI-Konzern gerät an mehreren Fronten unter Druck: Die Partnerschaft mit Apple wackelt, Elon Musks Klage könnte das Geschäftsmodell treffen – und ChatGPT steht in mehreren Verfahren im Fokus.

Bei OpenAI häufen sich die Probleme. Laut einem Bloomberg-Bericht vom 14. Mai ist die viel beachtete Partnerschaft mit Apple inzwischen angespannt. OpenAI prüft demnach mögliche rechtliche Schritte gegen Apple. Der Vorwurf: Apple habe ChatGPT nicht ausreichend in seine Software integriert, wie es die Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen vorgesehen haben soll.

Der Konflikt mit Apple ist nur ein Teil einer Reihe von Herausforderungen, mit denen OpenAI derzeit konfrontiert ist. Am 12. Mai sagte CEO Sam Altman im laufenden Verfahren von Elon Musk gegen OpenAI aus. Musks Anwalt stellte dabei wiederholt Altmans Glaubwürdigkeit infrage. Musk wirft Altman und weiteren OpenAI-Mitgründern vor, ihn ursprünglich zur Unterstützung eines Non-Profit-Projekts bewegt zu haben, bevor OpenAI später stärker in Richtung eines gewinnorientierten Modells umgebaut wurde.

Der Prozess könnte für OpenAI erhebliche Folgen haben. Die Jury-Beratungen sollen in der Woche nach dem Bloomberg-Bericht beginnen, die endgültige Entscheidung liegt jedoch beim Richter. Sollte Musk Erfolg haben, könnte OpenAI gezwungen werden, zu seiner früheren Struktur als Non-Profit-Organisation zurückzukehren. Auch Altman und OpenAI-Präsident Greg Brockman könnten in diesem Fall ihre Sitze im Board verlieren.

Parallel dazu wächst der juristische Druck rund um ChatGPT. Am 12. Mai wurde OpenAI vor einem US-Bundesgericht verklagt, nachdem ChatGPT einem Mann angeblich Ratschläge gegeben haben soll, die zu einer tödlichen Überdosis führten. Es ist eine von mehr als zwei Dutzend Klagen wegen Todesfällen, die in den vergangenen Monaten gegen OpenAI und Wettbewerber eingereicht wurden.

Nur einen Tag zuvor, am 11. Mai, wurde OpenAI auch im Zusammenhang mit einer Massenschießerei an der Florida State University verklagt. Die Witwe eines getöteten Mannes wirft dem Unternehmen vor, ChatGPT habe dem Täter Ratschläge gegeben. Der Chatbot hätte demnach bessere Schutzmechanismen haben müssen, um solche Schäden zu verhindern.

Auch politisch steht Altman stärker unter Beobachtung. Am 8. Mai schickte James Comer, Vorsitzender des House Oversight Committee und republikanischer Abgeordneter aus Kentucky, einen Brief an Altman. Darin stellte er Fragen zu dessen persönlichen Investments und dazu, wie OpenAI mögliche Interessenkonflikte verhindern will. Hintergrund sind Berichte, wonach Altman OpenAI dazu gedrängt haben soll, in Unternehmen zu investieren, an denen er selbst beteiligt ist.

Laut Wall Street Journal haben zudem Generalstaatsanwälte mehrerer US-Bundesstaaten den Vorsitzenden der US-Börsenaufsicht SEC, Paul Atkins, aufgefordert, Altmans persönliche Investments im Vorfeld eines möglichen OpenAI-Börsengangs zu prüfen. OpenAI soll Berichten zufolge frühestens im vierten Quartal 2026 an die Börse gehen wollen. Ob die SEC tatsächlich Ermittlungen einleitet, ist offen.

Auch wirtschaftlich gibt es Fragezeichen. Am 28. April berichtete das Wall Street Journal, OpenAI habe wichtige Umsatz- und Nutzerwachstumsziele verfehlt und verliere Marktanteile im KI-Sektor. Das werfe Fragen auf, ob das Unternehmen ohne deutlich stärkeres Umsatzwachstum genügend Rechenleistung finanzieren könne.

Am 26. April stellte OpenAI zudem seinen Videodienst Sora offiziell ein. Damit endete auch ein zuvor geschlossener Deal über 1 Mrd. US-$ mit Disney zur Nutzung von Figuren des Medienkonzerns auf der Plattform. OpenAI hatte Sora im September noch mit großem Aufwand vorgestellt. Laut Wall Street Journal verlagert das Unternehmen seine Strategie nun stärker auf das Kerngeschäft mit Coding- und Enterprise-Produkten – statt auf Nebenprojekte wie Sora.

OpenAI weist die Vorwürfe zurück. Im Verfahren mit Musk argumentiert das Unternehmen, Musk selbst habe früher ein gewinnorientiertes Modell unterstützt. OpenAI wirft dem Tesla-Chef vor, aus Frust zu handeln, weil das Unternehmen auch ohne ihn erfolgreich geworden sei.

Auch in den Klagen rund um Todesfälle bestreitet OpenAI eine Haftung. Sprecher Drew Pusateri erklärte zur Klage wegen der Überdosis, ChatGPT sei kein Ersatz für medizinische oder psychologische Betreuung. OpenAI habe weiter daran gearbeitet, die Reaktionen des Systems in sensiblen und akuten Situationen mithilfe von Experten für psychische Gesundheit zu verbessern.

Zur Klage rund um die Schießerei in Florida sagte Pusateri, ChatGPT habe sachliche Antworten auf Fragen mit Informationen gegeben, die breit im Internet verfügbar seien. Das System habe keine illegalen oder schädlichen Handlungen gefördert.

Altman verteidigt auch seine externen Investments. In seiner Aussage erklärte er, sich aus allen Angelegenheiten herauszuhalten, die einen Interessenkonflikt darstellen könnten. Auf Comers Fragen will er reagieren; die Frist läuft laut Quelle bis zum 22. Mai.

Gegen den Bericht des Wall Street Journal über verfehlte Ziele wehrten sich Altman und Finanzchefin Sarah Friar ebenfalls. Die Darstellung, OpenAI ziehe sich bei neuen Rechenressourcen zurück, sei „lächerlich“. OpenAI laufe „auf Hochtouren“, die Stimmung intern sei „unglaublich positiv“, erklärten die beiden laut dem Bericht.

Für Altman persönlich haben mögliche Umsatzschwankungen bei OpenAI keine direkten finanziellen Folgen: Der OpenAI-Chef besitzt keine direkten Unternehmensanteile. Sein Vermögen, das Forbes auf mehr als 3,5 Mrd. US-$ schätzt, basiert stattdessen vollständig auf externen Investments – genau jene Beteiligungen, die nun in Washington neue Fragen aufwerfen.

Text: Alison Durkee
Foto: World Economic Forum

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