Reden Sie, Herr Wenske

Der Speaker Bernd Wenske besticht insbesondere durch seine unkonventionelle Art und Themenvielfalt. Nach Erfolgen in Deutschland will er nun die USA als großes Sprungbrett nutzen.  

Selbstsicher betritt er die lang gezogene Bühne – und ist gleichzeitig auf eine gewisse Art und Weise zurückhaltend. Der Empfangsapplaus des Publikums zaubert ihm ein Lächeln aufs Gesicht, selbst die zwei Krücken können ihn nicht aus dem Konzept bringen. Überhaupt ist es die Schlichtheit seines Auftretens – Brille, weißes Hemd, legere braune Jacke –, die ihn auf Anhieb sympathisch wirken lässt. Eine Eigenschaft, die für Bernd Wenske aus Buchholz in der Nordheide, rund 40 Kilometer von Hamburg entfernt, den absoluten Triumph in der Welt der Speaker bedeuten sollte. In der Mitte der Bühne angekommen, stellt er sich erst einmal breitbeinig hin – und legt los: „Was haben Lady Diana, Princess of Wales, Angelina Jolie und Paul McCartney …“ – Wenske tippt auf seine Brust – „mit mir gemeinsam?“ Das sitzt. Das Publikum lehnt sich nach vorne, erwartet gespannt die Antwort, die Wenske natürlich selbst gleich nachliefert.

„Jedes Jahr am 4. April ist der International Mine Awareness Day. Das ist jener Tag, an dem weltweit an die vielen Minenopfer erinnert wird – und an die Gefahren, die von Landminen ausgehen.“ Genau wie die genannten Persönlichkeiten setzt sich der Speaker für humanitäre Zwecke ein – und will sie vor den Vorhang holen. Wenske spricht im weiteren Verlauf über seinen persönlichen Bezug zu diesem Thema, die Möglichkeiten, etwas dagegen zu unternehmen, unterlegt seine Aussagen mit Statistiken der Vereinten Nationen (UN) und enthüllt das Geheimnis seiner eingeschränkten Mobilität: Im Herbst 2017 hatte er sich eine Fraktur des linken Sprunggelenks zugezogen. Die Krücken hat der Speaker mittlerweile auf den Boden fallen lassen – ein bewusst gesetztes Zeichen von Vehemenz und Durchschlagskraft.

Nach fünf Minuten verlässt er die Bühne – eine Vielzahl der Zuschauer spendet Standing Ovations. Was bleibt, ist der Eindruck eines Menschen, der es versteht, seine persönlichen Anliegen mit Nachdruck zu artikulieren und seine Zuseher in den Bann zu ziehen. Ohne Drama oder unnötige Überspitzung – schlicht, direkt, empathisch.

Gesamtsieg
Mit ebendiesem Auftritt sicherte sich Wenske im Februar 2018 den Gesamtsieg beim „International Speaker Slam“ in München. Über 50 Redner ließ der Norddeutsche dabei hinter sich, allesamt angetreten, um die 200 Zuseher zu überzeugen. Die Teilnehmerzahl war ein Rekord für Wettbewerbe dieser Art. Nicht einmal bei den davor stattgefundenen Slams in Frankfurt, New York oder Wien hatten sich so viele Speaker zusammengefunden. Es zeigt sich: Das Speaker-­Business zieht an. Eine achtköpfige Jury, bestehend u. a. aus Jörg Rositzke (Chefredakteur „Hamburg 1“), Nicole Schlösser (Manager New Business der Lufthansa Group), Martina Kapral (Redneragentur Potential AG) oder Vivienne Dübbert (Keynote Speakerin und Mindset Expertin), ermittelte die Gewinner, die alle maximal fünf Minuten Zeit für ihre Reden hatten. Am Ende lächelte Wenske mit dem Gesamtsieg im Gepäck von der Bühne – der Startschuss von etwas Großem. Denn mittlerweile ist Wenske auch Bestsellerautor: Das E-Book „93 Ideen von Speakern, die dich und die Welt verändern“, das der Redner mitverfasste, erreichte bei Amazon die erste Stelle in seiner Kategorie.

„Der Preis beim International Speaker Slam hat mich sehr gefreut, aber jetzt geht es darum, weiterzuarbeiten.“ Denn Wenske will durchstarten. Waren es seit 2012 noch eher kleinere Vorträge und Einzelberatungen, auf die sich Wenske konzentrierte, sollen es jetzt die ­großen Bühnen sein, um mehr Menschen zu erreichen. Sprich: Die USA locken ihn. Denn seine Fachkompetenzen im wirtschaftlichen, sozialen und kommunikativen Bereich sind dort weitaus besser aufgehoben. „Das wird passieren. Das ist mein Weg“, bringt es Wenske auf den Punkt.

Bernd Wenske
Bernd Wenske ist erfolgreicher Speaker und Expert Hunter. Er konzentriert sich insbesondere auf sozioökonomische und kommunikative Aspekte. Im Februar 2018 sicherte er sich den Gesamtsieg beim „International Speaker Slam“ in München. Zudem
ist er Co-Autor eines Onlinebestsellers.

Expert Hunter
Er sitzt am Vasco-da-Gama-Platz in der Hafencity Hamburg – einem Platz, der zwischen der dichten Urbanität der Stadt und den Hafenbecken angesiedelt ist. Der Ort steht sinnbildlich für die Tätigkeit von Wenske, ist die Hafencity doch der Inbegriff von etwas Neuem; gleichzeitig liegt nur ein paar Häuserblocks weiter die Hamburger Speicherstadt, der größte historische Lagerhauskomplex der Welt. „Thematisch beschäftige ich mich mit der ­Integration von ausländischen Fachkräften am deutschen Arbeitsmarkt und positioniere mich als ‚Expert Hunter‘. Ich bewege mich an der Schnittstelle von gut ausgebildeten Fachkräften, die international vorhanden sind und gerne in Deutschland arbeiten würden, auf der einen und Unternehmen auf der anderen Seite. Ich zeige auf, welche Vorteile eine gemein­same Arbeit wechselseitig bringt.“

Hierfür bringt Wenske jede Menge Erfahrung mit. So arbeitete er etwa im Rahmen des „your way: Make it in Hamburg“-Projekts, das vom europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert wird. Das Projekt richtet sich an ausländische Arbeitnehmer, Absolventen von Hochschulen sowie Auszubildende, die in Hamburg leben und arbeiten möchten. Ebenso stehen Geflüchtete mit Berufsqualifizierung und guter Aussicht auf Bleiberecht im Fokus. Sie sollen an Unternehmen vermittelt werden, die gut ausgebildete Fachkräfte suchen. Denn an solchen, so Wenske, mangle es eindeutig in Deutschland. Er selbst vermittelte erfolgreich Arbeitssuchende an Unternehmen verschiedenster Branchen. Er erzählt etwa von einem Syrer, der ohne Deutschkenntnisse nach Deutschland geflohen sei, aufgrund seiner Ausbildung im Versicherungswesen aber letztendlich einen Job bei einem deutschen Rückversicherer bekommen habe. Generell sollten beide Seiten – Arbeitswillige sowie Unternehmen – einen Schritt aufeinander zugehen und sich in einen Kommunikationsprozess begeben, anstatt alte Muster beizubehalten. Dies funktioniere auch intern in Unternehmen, wie Wenske an einem Beispiel illustriert: „Der OTTO Versand hat intern eine Art offene Bühne geschaffen, wo jeder Mitarbeiter – von der Putzfrau bis zum CFO – seine Ideen vorstellen und einbringen kann. Alle Teams im Unternehmen sind dort vertreten. Das ist für mich Kommunikation.“

Wenskes Plattform, um seine wirtschaftlichen und sozioökonomischen Themen zu vermitteln, sind klar die Bühnen dieser Welt. Sie bieten Raum für Zuschauer unterschiedlichster Herkunft, beruflicher Ausbildung und Zielsetzung, etwas mitzunehmen. Die ­vermittelten Inhalte unterscheiden sich aber natur­gemäß je nach Kontinent. Die Integration ausländischer Fachkräfte in Deutschland spielt bei Vorträgen in den USA keine Rolle. In Asien oder Mittelamerika zum Beispiel, dort hat Wenske bereits erfolgreich Vorträge absolviert, spricht er insbesondere über eine vernünftige und hilfreiche Kommunikation zwischen Menschen sowie die Kunst, richtige Entscheidungen zu finden und diese dann umzusetzen. Doch was will Wenske generell als Speaker vermitteln? „Ich möchte mit motivierenden Reden Menschen erreichen. Ich möchte im beruflichen Kontext brennende Fragen ansprechen – denn für solche habe ich Lösungen parat. Ich kann dabei auf einen sehr großen Erfahrungsschatz in meinem Leben zurückgreifen und habe sehr viele Beispiele parat, die das gut illustrieren.“ Im gleichen Atemzug spricht Wenske im Gespräch oftmals darüber, dass es darum gehe, sich zu öffnen und alte Muster aufzulösen – sowohl für einzelne Menschen als auch für ganze Unternehmen. So hätten Unternehmen beispielsweise in der Personalpolitik bestimmte Voraussetzungen, würden aber gleichzeitig die Ausbildungslehrgänge im Ausland nicht kennen. „Das bedeutet, sie können gar nicht maßgenau die richtigen Menschen treffen, weil sie nicht wissen, wonach sie suchen sollen.“

Der Experte wählt generell einen anderen Zugang. Wenske ist kein Redner, der sich durch großes Sprücheklopfen oder lautes Gehabe profiliert. Vielmehr sind es die leisen und sanften Töne, die eine nachhaltige und beständige Wirkung erzielen. Das spiegelt auch das Feedback der Teilnehmer zu seinen Vorträgen und Seminaren wider: „Ich höre dabei oft die Schlagwörter: hoher Wiedererkennungswert, Wertschätzung, große Menschlichkeit, angenehme Stimme, Inspiration, Mut zur Entscheidung. Das entspringt einfach meiner Persön­lichkeit. In einem Seminar am Lee Strasberg Theatre and Film Institute in New York wurde mir das auch vermittelt: Sei einfach du selbst auf der Bühne.“

Ich sehe mich in Zukunft am internationalen Speaker-Markt als bekannte Person. 2019 sind mehrere Auftritte auf großen Bühnen in den USA geplant. Zudem werde ich dort mehrere Radioauftritte absolvieren, einer bei einem der größten Radiosender in Los Angeles ist bereits fixiert.

Grosse Auftritte in den US
Mittlerweile nützt Wenske seine Netzwerke, um mehr Breitenwirkung zu erzielen. So arbeitet er mit dem bekannten und mehrfach ausgezeichneten deutschen Speaker und Business-Experten Marcus Giers zusammen (er war unter anderem im Deutschen Rednerlexikon, der GSA sowie bei Brain Guide als Experte gelistet und wurde mit dem „Eden Achieve­ment Award 2017“ in Los Angeles ausgezeichnet, Anm.). Wenn es bei Unternehmen um Storymarketing, Marktführerschaft oder Neukundengewinnung geht, sind diese bei ihm an der richtigen Adresse – zahlreiche Großkonzerne und DAX-Unternehmen beriet Giers bereits. Wenske: „Ein großes Thema für mich ist, von Exzellenzen – also guten und professionellen Menschen – zu lernen. Marcus Giers und ich kommen sehr gut miteinander aus. Die Zusammenarbeit macht einen Riesenspaß, insbesondere die Arbeit in einem Team.“

US-Speaker Grand Slam
Und es könnte genau diese Zu­sammenarbeit sein, die für den Speaker in der kommenden Zeit zum Hebel wird. Denn Giers verfügt über ein breites Netzwerk in die USA und pflegt Kon­takte nach Hollywood, etwa zu Oscar-Preisträgern. So arbeitet Giers seit 2015 mit bekannten Filmmusikkomponisten sowie Filmtrailerproduzenten in Hollywood zusammen, um Produkte europäischer Unternehmen zu einer globalen Marke zu entwickeln. Wenske will dieses Sprungbrett nutzen. „Ich sehe mich in Zukunft auf dem internationalen ­Speaker-Markt als eine bekannte Person.“ Während er dies sagt, strahlt er eine tiefe Überzeugung aus. Nachsatz: „2019 sind große Auftritte in den USA geplant. Ich werde auch Radioshows absolvieren, bei einem großen Radiosender in Los Angeles ist bereits einer fixiert. Außerdem werde ich am US-Speaker Grand Slam teilnehmen (der zweite fand dieses Jahr in West Hollywood statt, organisiert wird er von Marcus Giers. In der Jury saßen etwa David Strasberg oder Filmschauspieler Werner Daehn, der in den Filmen ‚Walküre‘ oder ‚Triple X‘ mitspielte, Anm.).“

Vielfältige Karriere
Wenskes Karriereweg als Speaker war keineswegs programmiert. „Ich ­scheute nie davor zurück, auch in schwierigen Situationen Entscheidungen zu treffen.“ Den bereits zuvor angesprochenen reichen Erfahrungsschatz unterstreichen seine vielen beruflichen Tätigkeiten. So absolvierte Wenske 1980 ursprünglich das technische Studium Fahrzeugbau. „Dort lagen meine Interessen. Aber ich habe dann gemerkt, dass ich im End­effekt nicht meinem Qualitätsanspruch entspreche. Danach folgten diverse bunte berufliche Tätigkeiten.“

Auszug gefällig? Werbe- und Modefotograf, Medienkaufmann, Journalist, Mediengestalter, internationaler Bildjournalist. Er traf Menschen überall auf dem Globus, tauschte sich mit ihnen aus, lernte viel über Kommunikation und das Menschsein an sich. Auf einer Kambodscha-Reise 2016 kam er mit Landminen­opfern in Berührung, woher auch sein Einsatz in diesem Bereich kommt. Wenske ist Unterstützer der österreichischen Initiative „Gemeinsam gegen Landminen“, die sich zuletzt insbesondere für die Prothesenwerkstatt der Mae-Tao-­Klinik in der thailändischen Grenzstadt Mae Sot einsetzte. Aufgrund finanzieller Hilfe wurde die Schließung verhindert. Dieses Thema griff Wenske auch im Rahmen seines Vortrags beim „International Speaker Slam“ in München auf.

„Etwa im Jahr 2008 habe ich mit diesem Karrierepfad gebrochen.“ Eine schwierige Lebenssituation habe ihn dazu bewogen, so Wenske, sich die entscheidende Frage zu stellen: „Wozu bin ich hier?“ Und die Antwort fällt heute eindeutig aus: um Menschen etwas zu schenken, ihnen auch in schwierigen Situationen das notwendige Rüstzeug bereitzustellen, mit den Herausforderungen umgehen zu können. „Ich denke, dass es notwendig ist, auf dieser Welt eine Spur zu hinterlassen.“ Die Karriere als Trainer, Coach und Redner war somit geebnet.

In weiterer Folge ließ sich Wenske 2010 zum Trainer durch die IHK zertifizieren, absolvierte eine BusinessCoach-Ausbildung nach Richtlinien des Deutschen NLP Coaching Verbands und gründete überdies einen gemeinnützigen Verein zur Unterstützung krebskranker Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener. Diese Tätigkeiten rundeten jene als Moderator von beruflichen Prozessen am Arbeitsplatz ab. Kurzum: Wenske ist mehr als fit im Umgang mit Menschen.

Erfolgreiche Zukunft
2012 folgten dann die ersten Vorträge über die Arbeitsmarktsituation in Deutschland. Fanden diese zuerst im kleineren Rahmen statt, wurde die Zahl der Zuschauer stetig größer. Doch nun soll alles noch um einiges größer, breiter und internationaler werden – und Wenske will sich auf den Job als Redner konzentrieren. Die Ziele sind jedenfalls hochgesteckt: „Ich möchte, dass das, was ich anpacke, gut funktioniert. Es soll Hand und Fuß haben, damit ein Ergebnis herauskommt, mit dem ich gut leben kann.“ Die USA sollen Wenske die entsprechende Bühne bieten, seine Themen anzubringen. Und vom dortigen Erfolg werden ihn weder schwierige Entscheidungen noch Herausforderungen abhalten. Denn Wenske macht sowieso das, was er am besten kann: Er spricht nicht nur darüber, sondern setzt Dinge um.

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