Reiche Amerikaner kaufen sich einen Plan B

Immer mehr vermögende US-Amerikaner sichern sich zusätzliche Aufenthaltsrechte und Staatsbürgerschaften. Der Grund: In einer politisch und wirtschaftlich unsicheren Welt wird der zweite Pass zur Absicherung.

Für viele sehr vermögende Amerikaner ist ein zweiter Pass längst kein Statussymbol mehr, sondern Teil der Risikostrategie. Wie bei einem breit gestreuten Aktienportfolio wollen sie auch ihre persönliche Mobilität, ihre steuerlichen Optionen und ihren Zugang zu sicheren Standorten diversifizieren. Das sagen Experten für Investment Migration gegenüber Forbes.

Die USA haben China inzwischen als größten Markt für Kund:innen abgelöst, die eine zweite oder dritte Staatsbürgerschaft suchen. Das sagte Eric Major, CEO und Chairman der Beratungsfirma Latitude World, gegenüber Forbes. Auch Nuri Katz, Präsident von Apex Capital Partners, spricht von stark wachsendem Interesse aus den USA. In einer Studie seines Unternehmens, die im kommenden Monat veröffentlicht werden soll, gaben 61 % der Amerikaner mit einem Jahreseinkommen von mehr als 200.000 US-$ an, innerhalb der nächsten fünf Jahre einen Umzug ins Ausland in Betracht zu ziehen.

Laut Henley & Partners stiegen die Anfragen von US-Staatsbürger:innen nach alternativen Aufenthaltsrechten oder Staatsbürgerschaften im ersten Quartal 2025 um 183 % gegenüber dem Vorjahr – nach der Wiederwahl von Donald Trump. Auch Anträge auf Staatsbürgerschaft über Abstammung, etwa in Europa oder Kanada, nehmen deutlich zu.

„Amerikaner haben sich von 4 % auf 74 % meines Geschäfts entwickelt“, sagte Major gegenüber Forbes mit Blick auf die Entwicklung seit 2019. Die Motive reichen von politischer Unsicherheit über Sicherheitsfragen bis hin zu mehr Bewegungsfreiheit. In der Apex-Studie nannten Befragte vor allem die Lebenshaltungskosten (68 %) und das politische Klima (54 %) als Gründe, über einen Wegzug aus den USA nachzudenken.

Bei besonders vermögenden Kund:innen ist Neuseeland laut Major ein gefragtes Ziel. Das Land gilt als politisch stabil, englischsprachig und weit entfernt von möglichen geopolitischen Krisenzonen. Der Einstieg ist allerdings teuer: Für eine Aufenthaltsgenehmigung sind rund 5 Mio. neuseeländische Dollar nötig, umgerechnet etwa 3 Mio. US-$. Dabei handelt es sich um eine Investition, nicht um eine Spende. Im Global Residence Program Index von Henley & Partners liegt Neuseeland auf Platz acht und erhält hohe Werte bei Reputation und Lebensqualität.

Europa bleibt ebenfalls stark nachgefragt – allerdings zunehmend schwieriger zugänglich. Ultra-vermögende Amerikaner interessieren sich laut Major vor allem für Staatsbürgerschaften, nicht nur für Aufenthaltsrechte. Der Grund: Eine EU-Staatsbürgerschaft ermöglicht weitgehend reibungslose Mobilität innerhalb des Schengen-Raums. Gleichzeitig wurden mehrere Programme verschärft oder beendet. Griechenland erhöhte die Mindestinvestitionen für sein Golden-Visa-Programm in besonders gefragten Märkten von 250.000 € auf bis zu 800.000 €. Spanien beendete sein Golden-Visa-Programm im April 2025, nachdem der Zuzug wohlhabender Ausländer:innen für steigende Immobilienpreise mitverantwortlich gemacht wurde. Portugal verdoppelte zuletzt die Aufenthaltsdauer, die vor einem Antrag auf Staatsbürgerschaft nötig ist, von fünf auf zehn Jahre.

Auch Malta musste sein Modell anpassen. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs wurde das bisherige Citizenship-by-Investment-Programm abgebaut und durch ein engeres, stärker subjektives Modell ersetzt, das außergewöhnliche Beiträge statt direkter finanzieller Investitionen verlangt. Trotzdem bleibt Malta laut Major für viele Kund:innen attraktiv.

Schneller und günstiger ist der Weg in die Karibik. Laut Katz können Amerikaner dort Staatsbürgerschaften für rund 250.000 US-$ erwerben, häufig mit Bearbeitungszeiten von vier bis sechs Monaten. Besonders die Staaten der Organisation Ostkaribischer Staaten bieten Vorteile, weil Bürger:innen eines Mitgliedslandes in mehreren anderen Staaten leben und arbeiten können.

Der einfachste Weg bleibt jedoch oft die Abstammung. Wer familiäre Wurzeln in Europa oder Kanada hat, prüft laut Major zunehmend Optionen für eine Staatsbürgerschaft durch Herkunft. In Irland stieg die Zahl der Amerikaner:innen, die über irische Eltern oder Großeltern eine Staatsbürgerschaft beantragen, im vergangenen Jahr um 63 %. Auch Kanada verzeichnet nach der Abschaffung bestimmter Generationengrenzen bei der doppelten Staatsbürgerschaft deutlich mehr Interesse aus den USA.

Während Amerikaner zunehmend nach Auslandsoptionen suchen, läuft ein Gegenmodell der Trump-Regierung offenbar nur schleppend: die sogenannte Trump Gold Card. Das Programm sollte wohlhabenden Ausländer:innen einen schnelleren Weg zu einer US-Aufenthaltsgenehmigung ermöglichen. Ursprünglich war von 5 Mio. US-$ pro Visum die Rede. Später wurde der Preis um 80 % auf 1 Mio. US-$ gesenkt und eine geplante steuerliche Begünstigung gestrichen. Laut Forbes war bis zwei Monate nach einer entsprechenden Aussage des Weißen Hauses nur ein Gold-Card-Visum genehmigt worden.

Parallel dazu gibt es in den USA politischen Widerstand gegen doppelte Staatsbürgerschaften. Der republikanische Senator Bernie Moreno brachte im Dezember einen Gesetzesentwurf ein, der doppelte Staatsbürgerschaften abschaffen und Amerikaner:innen zu ausschließlicher Loyalität gegenüber den Vereinigten Staaten verpflichten würde. Für viele vermögende US-Bürger:innen dürfte genau diese Debatte ein weiterer Grund sein, ihren persönlichen Plan B möglichst früh abzusichern.

Text: Suzanne Rowan Kelleher
Foto: Global Residence Index

Up to Date

Mit dem FORBES-NEWSLETTER bekommen Sie regelmässig die spannendsten Artikel sowie Eventankündigungen direkt in Ihr E-mail-Postfach geliefert.