Die reichsten Selfmade-Frauen der USA 2026

Ein Rekordjahr für die erfolgreichsten Unternehmerinnen der USA: Noch nie gab es so viele Selfmade-Milliardärinnen. Der KI-Boom ließ Vermögen wachsen und trieb das Gesamtvermögen der Liste auf einen neuen Höchststand.

„In gewisser Weise sehe ich mich selbst als Generalistin. Wenn man meinen Lebenslauf betrachtet, könnte man sich fragen: Was kann diese Frau eigentlich besonders gut? Sie hat weder einen Abschluss in Rechtswissenschaften noch ist sie Informatikerin“, sagte Daniela Amodei, Präsidentin und Mitgründerin des KI-Unternehmens Anthropic, im Mai in einem Interview mit der Stanford Graduate School of Business.

„Doch die Fähigkeit, neugierig zu sein, über verschiedene Disziplinen hinweg zu lernen und unabhängig vom jeweiligen Tätigkeitsbereich etwas bewirken zu wollen, ist meiner Meinung nach eine unterschätzte Qualität.“

Diese Haltung hat sich für Amodei ausgezahlt. Mit 38 Jahren zählt sie zu den einflussreichsten Frauen der KI-Branche und ist inzwischen die zweitreichste Selfmade-Frau der USA. Möglich wurde dieser Vermögenssprung durch die jüngste Mega-Finanzierungsrunde von Anthropic: Das Unternehmen sammelte 65 Mrd. US-$ bei einer Bewertung von 965 Mrd. US-$ ein. Damit wird das Vermögen der Literatur-Absolventin der University of California, Santa Cruz, auf geschätzte 15,5 Mrd. US-$ beziffert – fast das 13-Fache ihres Vermögens von 1,2 Mrd. US-$ im Vorjahr.

Auch die Unternehmenskultur des KI-Unternehmens geht auf diese Überzeugungen zurück. Amodei gründete Anthropic gemeinsam mit ihrem Bruder Dario und fünf weiteren ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern, die das Unternehmen im Dezember 2020 verlassen hatten. Als Anthropic noch mit 183 Mrd. US-$ bewertet wurde, kündigten die sieben Mitgründer an, langfristig 80 % ihres Vermögens spenden zu wollen.

„Wir werden ein kommerzielles Unternehmen sein. Wir glauben, dass künstliche Intelligenz enormen wirtschaftlichen Wert schaffen wird. Gleichzeitig ist es uns wichtig, diesen Weg verantwortungsvoll zu gestalten“, sagte Amodei im Interview mit Stanford. „Für diese Generation sollte die Vorstellung selbstverständlich sein, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftlicher Nutzen kein Widerspruch sein müssen.“

Viele andere Frauen auf der jährlichen Forbes-Liste der reichsten Selfmade-Frauen Amerikas dürften diese Haltung teilen. Von Oprah Winfrey bis Sara Blakely haben erfolgreiche Unternehmerinnen immer wieder betont, dass es ihnen nicht ausschließlich darum geht, Vermögen aufzubauen.

„Ich hatte nie das persönliche Bedürfnis, eine wohlhabende Milliardärin zu sein, die in Luxus lebt“, schrieb Judy Faulkner, Gründerin von Epic Systems und Nummer drei der Forbes-Liste 2026, 2015 in ihrem Giving-Pledge-Brief. „Mein Ziel ist es, 99 % meines Vermögens für philanthropische Zwecke einzusetzen und Menschen mit den grundlegenden Dingen des Lebens zu unterstützen: Nahrung, Wärme, Unterkunft, Gesundheitsversorgung und Bildung. Damit auch sie Flügel bekommen können.“

Die Vermögen dieser Unternehmerinnen sind in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Insgesamt umfasst die diesjährige Liste einen Rekord von 43 Selfmade-Milliardärinnen – nach 38 im Vorjahr. Das geschieht trotz des Todes zweier bedeutender Unternehmerinnen: Doris Fisher, Mitgründerin von Gap, starb im Mai 2026 im Alter von 94 Jahren. Alice Schwartz, Mitgründerin von Bio-Rad Laboratories, verstarb im September 2025 im Alter von 99 Jahren.

Zu den neuen Milliardärinnen zählt Beyoncé Knowles-Carter. Ihr Vermögen wuchs insbesondere durch ihre Cowboy Carter Tour 2025, die mit Ticketverkäufen und Merchandise mehr als 450 Mio. US-$ einspielte.

Ebenfalls neu auf der Liste ist Caryn Seidman-Becker, die das Identifikationstechnologie-Unternehmen Clear Secure führt. Die Technologie des Unternehmens wird unter anderem an Sicherheitskontrollen von Flughäfen eingesetzt und zunehmend auch in Stadien und Arztpraxen genutzt.

Auch Colette Kress, Finanzchefin des Chipherstellers Nvidia, steigt in den Kreis der Milliardärinnen auf. Ihr Vermögen profitierte vom KI-Boom. Die erfahrene Managerin war zuvor bei Cisco tätig und wechselte zu Nvidia, nachdem ihre beiden Söhne – begeisterte Videospieler und Kenner der Nvidia-Grafikchips – sie dazu ermutigt hatten.

Eine weitere Neueinsteigerin ist Luana Lopes Lara. Die in Brasilien geborene ehemalige Balletttänzerin gründete das schnell wachsende Prognosemarkt-Unternehmen Kalshi mit. Die MIT-Absolventin verbrachte ihre Sommer während des Studiums bei Bridgewater Associates von Ray Dalio und Citadel Securities von Ken Griffin.

Im Dezember wurde sie im Alter von 29 Jahren zur jüngsten Selfmade-Milliardärin der Welt. Damals hatte das in New York ansässige Unternehmen Kalshi eine Finanzierungsrunde über 1 Mrd. US-$ bei einer Bewertung von 11 Mrd. US-$ abgeschlossen. Heute, mit 30 Jahren, wird ihr Vermögen dank einer weiteren Finanzierungsrunde im Mai, bei der das Unternehmen mit 22 Mrd. US-$ bewertet wurde, auf 2,6 Mrd. US-$ geschätzt.

Vier Fünftel der Milliardärinnen auf der diesjährigen Liste sind heute reicher als vor einem Jahr. Fast die Hälfte stammt aus der Technologiebranche. Die reichste Selfmade-Frau der USA ist zum neunten Mal in Folge Diane Hendricks, Mitgründerin des Baustoffgroßhändlers ABC Supply. Sie gehört allerdings zu den lediglich fünf Frauen auf der Liste, deren Vermögen innerhalb der vergangenen zwölf Monate gesunken ist.

Trotzdem liegt Hendricks mit ihrem Vermögen noch immer 6,2 Mrd. US-$ vor der Zweitplatzierten Daniela Amodei. Amodei hat sich damit gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert: 2025 belegte sie noch Platz 28.

Das gemeinsame Vermögen der Unternehmerinnen, Managerinnen und prominenten Persönlichkeiten auf der Liste beläuft sich auf einen Rekordwert von 166,3 Mrd. US-$. Allein die zehn reichsten Frauen vereinen davon 96 Mrd. US-$ auf sich. Das ist mehr als dreimal so viel wie das Gesamtvermögen der Top Ten auf der ersten Forbes-Liste aus dem Jahr 2015. Die Entwicklung entspricht in etwa der Rendite des S&P 500, der im selben Zeitraum um 333 % zulegte.

Die Entwicklung ist bemerkenswert: Während auf der ersten Liste 2015 lediglich zwölf Selfmade-Milliardärinnen vertreten waren, sind es heute 43. Im Vergleich zu ihren männlichen Pendants bleiben die Zahlen jedoch gering. Allein in den USA gibt es 700 Selfmade-Milliardäre, deren gemeinsames Vermögen sich auf 6,7 Bio. US-$ beläuft. Die erfolgreichsten Selfmade-Frauen des Landes kommen damit lediglich auf 2,4 % des Gesamtvermögens der amerikanischen Selfmade-Milliardäre.

Dennoch gibt es Grund für Optimismus: Noch nie gab es in der Geschichte der USA so viele Frauen, die ihr Vermögen aus eigener Kraft aufgebaut haben und gleichzeitig über so viel Kapital, Einfluss und wirtschaftliche Möglichkeiten verfügen.


Methodik
Für die Berechnung der Vermögen bewertete Forbes unter anderem Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen auf Basis der Aktienkurse vom 1. Juni 2026. Private Unternehmen wurden gemeinsam mit externen Experten bewertet und konservativ mit vergleichbaren börsennotierten Unternehmen abgeglichen.

Forbes versuchte, die Vermögensangaben mit allen Frauen auf der Liste abzustimmen. Einige kooperierten, andere nicht.

Erstmals seit Einführung der Liste wurden ausschließlich Frauen mit einem Vermögen von mindestens 1 Mrd. US-$ berücksichtigt. Deshalb fehlen bekannte Namen wie Dolly Parton, Kylie Jenner und Selena Gomez.

Voraussetzung für die Aufnahme war außerdem, dass die Frauen ihr Vermögen überwiegend in den USA aufgebaut haben oder dort dauerhaft ansässig sind. Keine der gelisteten Frauen hat ihr Vermögen geerbt. Allerdings unterscheiden sich ihre Ausgangsbedingungen und die Hindernisse, die sie auf ihrem Weg überwinden mussten.

Um diese Unterschiede abzubilden, vergibt Forbes einen sogenannten Self-Made-Score zwischen 6 und 10. Die Skala reicht von der angestellten Mitarbeiterin bis zur Unternehmerin, die sich aus schwierigen Ausgangsbedingungen heraus ein Vermögen aufgebaut hat.

Die Altersangaben beziehen sich auf den 3. Juni 2026. Weitere Informationen zur Methodik und zu den Self-Made-Scores finden sich unter forbes.com/self-made-women.

Hinweis zur Veröffentlichung:

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 3. Juni 2026 auf Forbes.com unter dem Titel „Forbes’ Ranking Of America’s Richest Self-Made Women 2026“. Die deutsche Fassung basiert auf dem englischsprachigen Original von Grace Chung und Andrea Murphy.

Zum Originalartikel auf Forbes.com:

Forbes’ Ranking Of America’s Richest Self-Made Women 2026

Foto: Anthropic; Gabriela Hasbun für Forbes; Alexander Karnyukhin für Forbes

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