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Viele Gäste des Interalpen-Hotel Tyrol kommen jedes Jahr wieder. Karl Brüggemann, seit 2012 General Manager des Fünf-Sterne-Superior-Hauses auf einem Plateau über dem Inntal, versteht darin genau das, was er mit dem Betrieb erreichen will: dass Gäste nicht in ein Hotel zurückkommen – sondern an einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen.
Durch den Wald schlängelt sich eine Straße auf ein Plateau über dem Inntal. Auf rund 1.300 Metern findet man inmitten eines imposanten Bergpanoramas das Interalpen-Hotel Tyrol. In der Tiefgarage angekommen wird das Gepäck abgenommen, noch bevor man die Rezeption erreicht, Stammgäste werden beim Namen begrüßt – Karl Brüggemann, seit 2012 General Manager des Hauses, nennt das „dezenten Luxus“. Dabei ist das Plateau weniger abgelegen, als die Höhenlage vermuten lässt: Der Flughafen Innsbruck liegt rund 30 Minuten entfernt, München gut 90 Minuten. „Wir sind flexibler zu erreichen, als viele denken“, sagt Brüggemann.
Tirol ist der touristische Hotspot Österreichs: 2025 wurden 50 Millionen Nächtigungen registriert, knapp ein Drittel aller Nächtigungen in Österreich. Doch das Streben nach mehr Hotelbetten, mehr Buchungen und mehr Sichtbarkeit findet an anderen Ecken des Bundeslands statt. Brüggemann will für sein Haus das Gegenteil: „Der Stresspegel in der Welt ist um vieles intensiver geworden als noch vor 20, 30 Jahren“ – in diesen unsteten Zeiten, sagt er, sei Qualität von Produkt und Service das Allerwichtigste, weil genau dort überall gespart werde. Über 80 Prozent der Gäste kommen jedes Jahr wieder – manche bis zu zehnmal. Für ihn sei das die größere Bestätigung als Auszeichnungen in Hotelguides.
Es geht darum, den richtigen Ort zu finden, um sich zu entspannen.
Karl Brüggemann
Das Interalpen ist keine Destination wie Kitzbühel oder St. Moritz, an die man reist, um gesehen zu werden. Insgesamt 268 Zimmer und Suiten gibt es, dazu kommt ein Spa-Bereich mit über 5.400 Quadratmetern. Die Lage – auf gut österreichisch „weitab vom Schuss“ – war aus Naturschutz- und Raumordnungsgründen jahrelang umstritten, bevor die Baugenehmigung in den frühen 1980er-Jahren kam. Heute ist die Abgeschiedenheit der Grund, warum im Sommer Gäste aus mehr als 30 Ländern anreisen. Luxus werde heute nicht mehr über goldene Wasserhähne, Kaviar und Glamour definiert, sagt Brüggemann; er werde darüber definiert, was man im Alltag zurücklässt: Konflikte, Lärm, schwere Entscheidungen. Brüggemann: „Wir sind nicht shiny – im ersten Moment.“
Das Haus eröffnete 1985 und ist seither im Familienbesitz der Liebherr-Gruppe, die sechs Hotels in Irland, Österreich und Deutschland betreibt. Gründer Hans Liebherr ließ das Hotel als dreizackigen Stern anlegen – jede Seite des Gebäudes blickt ins Alpenpanorama. Auf dem Gelände sind keine Autos sichtbar, so lautete eine behördliche Auflage damals. Also: Tiefgarage – dort, wo der Urlaub für die Gäste beginnt. Das Gepäck verschwindet. Man steht plötzlich einfach da, ohne Handlungsbedarf, ohne To-do-Liste. „Es ist, wie wenn sie nach Hause kommen“, sagt Brüggemann über das Gefühl, das er seinen Gästen vermitteln will. Liebherr legte von Anfang an großen Wert auf Raum – auf Größe und Freizügigkeit, wie Brüggemann es beschreibt. Deswegen sind die Zimmer so groß, mindestens 45 Quadratmeter. Um das Niveau halten zu können, schließt das Haus jedes Jahr für rund zwei Monate, in der Regel zwischen Mitte März und Mitte Mai. Renovierungen, Reparaturen, Investitionen – aktuell 60 Zimmer im dritten Stock – können so umgesetzt werden, ohne Gäste beim Frühstück mit dem Lärm eines Schlagbohrers stören zu müssen. „Der Eigentümer legt sehr großen Wert auf nachhaltige Qualität. Gäste, die auf diesem Niveau Urlaub machen, sehen den Unterschied sofort“, sagt Brüggemann. Instandhaltung und Qualität haben im Interalpen-Hotel Tyrol oberste Priorität.
Das Interalpen bietet seinen Gästen eine umfassende Auswahl an Spa- und Wellness-Treatments an, welche nachhaltig für das Wohlbefinden der Gäste sind. Diesem Wohlbefinden widmet man sich auch in der Küche, denn die Kulinarik und der Genuss stehen an oberster Stelle. Die Gäste schätzen die hohe Qualität und Auswahl – das gastronomische Konzept reicht von der Halbpension mit Sechs-Gänge-Menü über Tiroler Küche in der „Almhütte“ und Sterneküche mit dem Chef’s Table bis zum Pop-up-Restaurant in der „Hofburg“. Neben dem Fokus auf Regionalität und Qualität werde es immer wichtiger, dass das Küchenteam auf Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten reagieren könne, so Brüggemann – dies sei für immer mehr Gäste von großer Bedeutung.
Auch bei den angebotenen Aktivitäten gibt es so manchen Trend. Beim Waldbaden hat Brüggemann aber kurz innegehalten: „Früher nannte man das Waldspaziergang“, sagt er. „Heute hat man einen Guide, der die Bäume erklärt.“ E-Biken ist bei jüngeren Gästen populär, Wandern sowieso. Tennisplätze gibt es am Hotelgelände, ein Golfplatz ist nur wenige Minuten entfernt. Besonders beliebt sind die Alpakas – Führungen mit den Tieren gehören zu den meistgebuchten Aktivitäten des Hauses. Im Winter führt eine Langlauf-Loipe direkt am Hotel vorbei; dazu gibt es kleine Skigebiete. Bei Schneeschuhwanderungen und Schlittenfahrten kann man das Plateau erkunden.
Der typische Wochenendgast kommt am Donnerstag und fährt am Sonntag. Er sucht kein dicht getaktetes Programm. „Es geht darum, den richtigen Ort zu finden, um sich zu entspannen“, sagt Brüggemann. Die Großzügigkeit des Hauses ist der Kern dieses Angebots: Was anderswo als Suite gilt, ist hier ein Doppelzimmer. Das Interalpen ist auch kein ausgewiesenes Kinderhotel – „es sind aber oftmals die Kinder die Treiber, um wiederzukommen“, sagt Brüggemann.
Beim Umgang mit Gästen gilt für Brüggemann das Ritz-Carlton-Prinzip: Ladies and Gentlemen serving Ladies and Gentlemen. Die Partnerschaften mit Preferred Hotels & Resorts, Virtuoso und dem Forbes Travel Guide mit neuerlichem Vier-Sterne-Rating öffnen den Zugang zu internationalem Publikum.
Internationale Gäste aus Übersee schätzen die tirolerische Gastfreundschaft mitunter stärker als heimische Gäste: Sie kommen nach Europa mit einer Erwartung – und finden sie hier bestätigt, jedoch ohne globalen Hotelstandard darüber, den internationale Luxus-Hotelketten mit sich bringen. Authentizität sei das Wort, das alle verwenden, sagt Brüggemann – aber Authentizität sei eben etwas, das man entweder habe oder nicht habe. Sie müsse von Herzen kommen.
„Northern Dolomites“: Auf einer Landkarte sucht man diesen Begriff vergeblich – international erklärt Brüggemann die Lage des Hotels seit einer Weile damit; ein Begriff, den er selbst geprägt hat. Nach der Schweiz wollen Reisende aus Fernost in die Dolomiten. Dass das Interalpen gut drei Stunden von Cortina d’Ampezzo entfernt liegt, ist für jemanden aus Seoul kein Problem. Brüggemann: „Wenn ich das erkläre, sind die alle happy.“ Als Hotelier müsse man die Distanzen manchmal mit den Augen internationaler Reisender betrachten: Wer Tausende Kilometer reist, dem machen die letzten zweihundert auch nichts mehr aus.
Der Zuwachs an Nächtigungen in Tirol hilft natürlich auch dem Interalpen. Doch Brüggemann beobachtet gleichzeitig, was mit jenen Destinationen passiert, die zu stark auf Reichweite gesetzt haben: „Wenn du das mit Instagram übertreibst, kippt es sehr schnell.“ Das Plateau über Telfs ist noch kein touristischer Hotspot – Brüggemann weiß, dass sich das ändern kann. Sein Haus steuert bewusst gegen: Ganze Busse mit Reisegruppen sucht man hier vergeblich; bei Anfragen für große Feierlichkeiten, etwa sehr große Hochzeitsgesellschaften, brauche es viel Fingerspitzengefühl, damit die Balance nicht kippt. Zu viel von einer Sache verändere die Atmosphäre, und die bekomme man nicht zurück.
Am Ende des Gesprächs erzählt Brüggemann von den jüngsten Gästen, die nach einem Jahr wiederkommen – nicht wegen des Pools oder der Auszeichnungen. Sie fragen gezielt nach den Alpakas, sogar nach denselben Tieren wie beim letzten Mal. „Da muss ich dann immer schmunzeln“, sagt Brüggemann mit einem Lächeln …
Fotos: Interalpen-Hotel Tyrol