Schlaf als Produktivitätshebel

Schlafmangel ist kein „Soft“-Thema, sondern äußert sich in Fehlern, Unfallrisiken und Produktivitätsverlusten. Modelle beziffern den Effekt in dreistelliger Milliardenhöhe – und machen klar, dass die Arbeitsorganisation ein zentraler Hebel ist.

Zu wenig Schlaf bleibt im Unternehmen oft unsichtbar, weil er sich nicht als einzelner Ausfall zeigt, sondern als „Presenteeism“: Mitarbeitende sind da, arbeiten aber unter ihrem kognitiven Leistungsniveau. RAND Europe schätzt die gesamtwirtschaftlichen Kosten für die USA auf bis zu 411 Mrd. US-$ pro Jahr (rund 2,28 % des BIP) und führt dies auf geringere Produktivität und erhöhte Risiken zurück. In der gleichen RAND-Arbeit wird für fünf OECD-Länder (USA, UK, Kanada, Deutschland, Japan) eine Größenordnung von bis zu 680 Mrd. US-$ pro Jahr genannt. Wichtig für die Einordnung: Das sind modellierte Schätzungen, keine „Ist“-Daten – als Größenordnung aber relevant, weil sie zeigen, wie teuer systematischer Schlafmangel werden kann.

Was „zu wenig“ bedeutet, ist in der Forschung relativ klar. Ein Konsensus-Statement der American Academy of Sleep Medicine und der Sleep Research Society empfiehlt Erwachsenen regelmäßig sieben oder mehr Stunden Schlaf pro Nacht; weniger als sieben Stunden werden unter anderem mit beeinträchtigter Performance, mehr Fehlern und höherem Unfallrisiko in Verbindung gebracht. Dass selbst „moderate“ Einschränkung kumuliert, zeigt Van Dongen et al.: Chronische Restriktion auf sechs Stunden oder weniger pro Nacht führte zu messbaren kognitiven Defiziten, die in der Studie als vergleichbar mit bis zu zwei Nächten ohne Schlaf beschrieben werden.

Der unternehmerische Schluss ist nicht „Schlafhygiene“, sondern Design: realistische Zeitvorgaben, planbare Arbeitszeiten, weniger dauerhaft extreme Tage, klare Erreichbarkeitslogik und – wo möglich – Pendelreduktion sind Produktivitäts- und Risikomanagement. Schlaf ist außerdem nicht nur jobgetrieben: In akuten Lebensphasen kann er zum Stabilitätsfaktor werden, etwa um psychisch gesund nach einer Trennung zu bleiben – was im Arbeitsalltag wiederum Leistungsfähigkeit und Fehlerrisiken positiv beeinflussen kann.

Foto: Niloofar Farkhojasteh

 

 

 

 

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