SpaceX vor Rekord-IPO

SpaceX könnte laut einem Bericht noch in dieser Woche neue Details zu seinem geplanten Börsengang veröffentlichen. Der IPO würde das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk wohl zum größten Börsendebüt der Geschichte machen – doch Analysten warnen vor hoher Volatilität und erheblichen Abwärtsrisiken.

SpaceX steht offenbar kurz vor einem der größten Börsengänge der Geschichte. Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk hatte im April vertraulich Unterlagen für einen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Laut einem Bericht des Wall Street Journal könnten diese Dokumente noch in dieser Woche öffentlich werden und erstmals detailliertere Einblicke in Geschäft, Finanzen und Strategie des Unternehmens geben. Der Börsenstart an der Nasdaq soll demnach für den 12. Juni geplant sein.

Der IPO könnte SpaceX mit rund 1,75 Bio. US-$ bewerten und etwa 75 Mrd. US-$ einbringen. Damit würde das Unternehmen den bisherigen Rekord-Börsengang von Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 deutlich übertreffen. Damals hatte der Ölkonzern rund 29 Mrd. US-$ eingesammelt.

Doch trotz der enormen Nachfrage warnen Experten vor Risiken. Franco Granda, Analyst bei PitchBook, schrieb bereits im März, SpaceX könne sich an der Börse wie Tesla „auf Steroiden“ verhalten – also mit besonders starken Kursschwankungen. Auch Jay Ritter, Finanzprofessor an der University of Florida und Leiter der IPO Initiative, sieht den sogenannten „Elon-Musk-Effekt“ als zweischneidiges Schwert: Musks Bekanntheit dürfte die Nachfrage nach SpaceX-Aktien erhöhen, gleichzeitig könnten mit seiner Person verbundene Aktien langfristig deutlich volatiler sein als der breite Markt.

Ritter verweist darauf, dass Tesla und SpaceX zwar beide stark mit Musk verbunden sind, aber sehr unterschiedliche Ausgangslagen haben. Tesla steht unter anderem durch chinesische Wettbewerber unter Druck. Bei SpaceX basiert der Optimismus vieler Investoren hingegen auf der Fähigkeit des Unternehmens, Satelliten und Fracht günstiger ins All zu bringen als Konkurrenten.

Trotzdem sieht Ritter bei einer Bewertung von 1,5 Bio. US-$ oder mehr „erhebliches Abwärtspotenzial“. Ein Grund: Musk soll Aktien erhalten, die ihm mehr Stimmrechte geben als anderen Aktionären. Zudem könnte die Kapitalverwendung für Investoren zur zentralen Frage werden. Selbst wenn Starlink jährlich Gewinne in zweistelliger Milliardenhöhe erwirtschafte, könnten diese Mittel laut Ritter eher in Musks Mars-Pläne fließen als an Aktionäre ausgeschüttet werden.

Historisch haben einige große Börsengänge nach ihrem Debüt stark zugelegt. Meta, damals noch Facebook, stieg nach dem IPO 2012 innerhalb von zwölf Monaten um 31%. Alibaba, das 2014 den bis dahin größten Börsengang der Geschichte hinlegte, gewann im ersten Jahr rund 30%. Uber legte nach seinem Börsendebüt 2019 um 21% zu. Tesla ging 2010 mit einer Bewertung von rund 1,7 Mrd. US-$ an die Börse, sprang am ersten Handelstag um 40% nach oben und ist seither um mehr als 32.000% gestiegen. Musks Autobauer zählt inzwischen zu den größten Unternehmen der Welt.

Der geplante SpaceX-Börsengang hätte auch strategische Bedeutung für Musks KI-Pläne. Laut dem Bericht würde der IPO Investoren ermöglichen, indirekt sowohl an SpaceX als auch an xAI beteiligt zu sein, nachdem SpaceX xAI im Februar übernommen haben soll. Der Zusammenschluss wurde demnach mit geschätzten 1,25 Bio. US-$ bewertet. Musk, der SpaceX lange nicht an die Börse bringen wollte, könnte mit dem IPO neues Kapital für den Ausbau von xAI und den Wettbewerb mit OpenAI und Anthropic gewinnen. Zudem plant er laut dem Wall Street Journal die Entwicklung erster Rechenzentren im All.

Für Musk selbst könnte der Börsengang historisch werden. Laut Forbes lag sein Vermögen am Montag bei geschätzten 802,9 Mrd. US-$. Er hält dem Bericht zufolge rund 43% an SpaceX. Bei einem Börsendebüt mit der erwarteten Bewertung könnte Musk als erster Mensch ein Vermögen von mehr als 1 Bio. US-$ erreichen. Auch sein Tesla-Vergütungspaket könnte langfristig einen ähnlichen Wert erreichen – allerdings nur, wenn der Konzern in den kommenden Jahren ambitionierte Aktienkurs- und Umsatzziele erfüllt.

Text: Ty Roush
Foto: Wikimedia Commons

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