Sparen statt abonnieren

Software-Abos haben sich in vielen Bereichen durchgesetzt. Doch mit wachsendem Kostendruck, SaaS-Wildwuchs und komplexeren Compliance-Fragen prüfen Unternehmen wieder genauer, wo unbefristete Lizenzen wirtschaftlich die bessere Wahl sein könnten. Von einer großen Rückkehr zum Kaufmodell kann zwar keine Rede sein – von einem Strategiewechsel in Teilbereichen aber sehr wohl.

Die Softwarebranche hat Unternehmen jahrelang an ein neues Normal gewöhnt: Statt Programme einmal zu kaufen, werden sie heute meist im Abo genutzt. Für Anbieter ist das attraktiv, weil wiederkehrende Umsätze planbarer sind. Für Kunden schien das Modell lange ebenfalls sinnvoll: niedrige Einstiegskosten, laufende Updates, flexible Skalierung.

Doch je stärker Unternehmen auf SaaS und Cloud-Subscriptions gesetzt haben, desto genauer schauen Finanz-, IT- und Einkaufsteams inzwischen auf die tatsächlichen Gesamtkosten. Die Frage lautet nicht mehr nur, welche Software die beste ist. Sondern auch, welches Lizenzmodell über mehrere Jahre die wirtschaftlich vernünftigere Entscheidung ist.

Wichtig ist die Einordnung: Ein breiter Rückzug aus dem Abo-Modell lässt sich aktuell nicht belegen. Im Gegenteil. Gerade in großen Standardkategorien bleibt Subscription der dominante Marktstandard. Adobe vertreibt Creative Cloud weiterhin als Abo, Autodesk positioniert AutoCAD ebenfalls klar als Subscription-Produkt. Wer daraus eine generelle Rückkehr zur klassischen Kauflizenz ableiten will, greift zu kurz.

Trotzdem sind unbefristete Lizenzen im Unternehmensmarkt nicht verschwunden. Microsoft hält in seinem Annual Report 2025 ausdrücklich fest, dass Kunden im Volumenlizenzgeschäft sowohl unbefristete Lizenzen als auch Cloud-Abonnements erwerben können. Auch im Cloud Solution Provider-Umfeld dokumentiert Microsoft weiterhin den Bezug von „perpetual software“. Oracle definiert in seinen aktuellen Lizenzunterlagen die „Perpetual License“ weiterhin als dauerhaftes Nutzungsrecht. Das zeigt: Gerade im Enterprise- und On-Premise-Umfeld bleibt das Kaufmodell relevant.

Warum das Thema gerade jetzt wieder an Bedeutung gewinnt, ist vor allem eine Kostenfrage. Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren immer mehr spezialisierte SaaS-Tools eingeführt. Das erhöhte die Flexibilität, führte aber oft auch zu unübersichtlichen Vertragslandschaften, überlappenden Funktionen und ungenutzten Seats. Flexera verweist 2025 auf sinkende Transparenz über den Technologie-Stack, SaaS-Verschwendung und hohe auditbezogene Kosten. Für CFOs und CIOs ist das ein klares Signal: Software muss wieder stärker wie ein Investitionsgut und weniger wie eine bequeme Monatsrechnung betrachtet werden.

Gerade dort, wo Software über Jahre stabil genutzt wird und sich Anforderungen nur langsam verändern, kann eine unbefristete Lizenz betriebswirtschaftlich attraktiver sein als ein dauerhaftes Mietmodell. Das betrifft etwa ausgewählte Entwicklerwerkzeuge, Server- und Datenbankumgebungen oder spezialisierte On-Premise-Anwendungen. In solchen Fällen kaufen Unternehmen nicht aus Nostalgie, sondern aus Kalkül: einmal zahlen, länger nutzen, Abhängigkeiten reduzieren.

Hinzu kommt ein strategischer Faktor. Subscription-Modelle binden Kunden stärker an Preisentscheidungen, Produkt-Roadmaps und Paketänderungen der Hersteller. Wer Software nur mietet, kauft nicht nur Funktionalität, sondern auch laufende Preisanpassungen mit. Dass Anbieter hier nachjustieren, zeigt auch Adobe: Das Unternehmen hat seine Individual-Pläne zuletzt weiter ausdifferenziert und die Preisstruktur angepasst. Solche Entwicklungen erhöhen in vielen Unternehmen den Druck, den tatsächlichen Nutzen jeder laufenden Lizenz neu zu bewerten.

Dass sich Softwarestrategien aktuell verändern, hängt auch mit neuen technologischen Entwicklungen zusammen. „Die Marktreaktion auf neue KI-Modelle wie Claude zeigt sehr deutlich, wie stark sich Softwarelandschaften derzeit wandeln“, erklären Experten von Wiresoft. „Viele Unternehmen überdenken ihre bestehenden Software- und Lizenzstrategien, um flexibler auf KI-getriebene Automatisierung und neue Cloud-basierte Tools reagieren zu können.“ Gerade im Kontext dieser Transformation gewinnt die Frage nach langfristig kalkulierbaren Lizenzmodellen wieder an Bedeutung.

Interessant ist deshalb, dass sich auch Mischmodelle etablieren. JetBrains verkauft seine IDEs seit Jahren per Subscription, koppelt diese aber an eine „perpetual fallback license“. Nach zwölf Monaten ununterbrochener Nutzung erhalten Kunden ein dauerhaftes Nutzungsrecht für eine bestimmte Version. Das ist kein klassischer Rückweg zur alten Lizenzwelt, aber ein Signal dafür, dass selbst moderne Softwareanbieter den Wunsch nach mehr Beständigkeit nicht ignorieren.

Die eigentliche Entwicklung ist damit klarer als viele Schlagzeilen vermuten lassen: Unternehmen kehren nicht massenhaft der Abo-Software den Rücken. Sie werden nur deutlich selektiver. Wo laufende Updates, KI-Funktionen, Kollaboration und Cloud-Integration entscheidend sind, bleibt das Abo meist alternativlos. Wo Nutzung planbar, Stabilität wichtiger als ständige Neuerung und Kostenkontrolle zentral ist, gewinnen klassische Lizenzmodelle wieder an Attraktivität.

Am Ende ist das keine Rückkehr in die Vergangenheit, sondern ein Zeichen für mehr Reife im Software-Einkauf. Das Dogma „Software muss im Abo laufen“ verliert an Kraft. Entscheidend ist wieder stärker die betriebswirtschaftliche Logik im Einzelfall. Und genau das dürfte in vielen Unternehmen der eigentliche Strategiewechsel sein.

Foto: Sora

 

 

 

 

 

Dieser Artikel kann Partner-Links enthalten. Sie dienen der Unterstützung redaktioneller Inhalte und haben keinerlei Einfluss auf die Berichterstattung.

Forbes Digital

Up to Date

Mit dem FORBES-NEWSLETTER bekommen Sie regelmässig die spannendsten Artikel sowie Eventankündigungen direkt in Ihr E-mail-Postfach geliefert.