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Die Trump-Regierung prüft laut Medienberichten, ob Milliardäre künftig Aktien ihrer eigenen Unternehmen in sogenannte Trump Accounts für Kinder einbringen dürfen. Für die Spender könnte das erhebliche Steuervorteile bringen – Kritiker warnen vor Risiken für die Begünstigten.
Die US-Regierung hat offenbar darüber gesprochen, die neuen Trump Accounts auszuweiten. Dabei geht es um sogenannte Section-530A-Konten – eine Art steuerbegünstigtes Investmentkonto für Kinder in den USA. Nach Medienberichten wurde im Weißen Haus und im Finanzministerium diskutiert, ob künftig auch Aktienspenden in diese Konten eingebracht werden dürfen.
Für einige der reichsten Menschen der Welt wäre das steuerlich interessant. Würden solche Einbringungen erlaubt, könnten Milliardäre Unternehmensanteile im potenziellen Milliardenwert spenden und dafür einen Abzug in Höhe des vollen Marktwerts erhalten. Gleichzeitig müssten sie auf die Wertsteigerung der Aktien keine Kapitalertragsteuer zahlen. Beschlossen ist eine solche Änderung bisher aber nicht; laut dem Bericht wären dafür voraussichtlich gesetzliche Anpassungen notwendig.
Das Modell birgt auch Risiken. Wenn Aktienpakete für Jahre in den Konten gebunden wären, könnten die Begünstigten möglichen Kursverlusten ausgesetzt sein, ohne die Anteile frühzeitig verkaufen zu können. Gerade bei Konten, die später für Ausbildung, Unternehmensgründungen oder andere Lebensinvestitionen genutzt werden sollen, sehen Ökonomen darin ein strukturelles Problem.
Die Trump Accounts waren ursprünglich unter dem Namen „Money Accounts for Growth and Advancement“ beziehungsweise „MAGA Accounts“ bekannt und wurden als Teil des im Vorjahr verabschiedeten „One Big Beautiful Bill Act“ eingeführt. Das Programm sieht vor, dass jedes Kind, das zwischen dem 1. Januar 2025 und dem 31. Dezember 2028 in den USA geboren wird, eine einmalige staatliche Einzahlung von 1.000 US-$ erhält. Eltern oder Erziehungsberechtigte müssen dafür ein IRS-Formular einreichen. Zusätzlich können Eltern oder andere Kontoverwalter jährlich bis zu 5.000 US-$ pro Kind aus bereits versteuertem Einkommen einzahlen.
Auch Kinder unter 18 Jahren mit einer gültigen Sozialversicherungsnummer können grundsätzlich ein solches Konto erhalten, allerdings ohne den staatlichen Startbetrag von 1.000 US-$. Beiträge sollen ab dem 4. Juli möglich sein. Begünstigte können mit 18 Jahren bis zu 50% des Kontoguthabens entnehmen. Ab 25 Jahren wird der Zugriff für bestimmte Zwecke wie Studienkosten oder Kredite für Kleinunternehmen erweitert, mit 30 Jahren sollen die Mittel frei verfügbar sein. Auszahlungen werden steuerlich entweder als langfristige Kapitalgewinne oder als reguläres Einkommen behandelt.
Finanziert werden soll das Programm nach Angaben von US-Präsident Donald Trump ohne zusätzliche Kosten für Steuerzahler. Mittel sollen unter anderem aus Maßnahmen des „One Big Beautiful Bill Act“ kommen, darunter eine Abgabe auf Auslandsüberweisungen. Ursprünglich war dafür ein Satz von 3,5% vorgesehen, eine spätere Version des Gesetzes senkte diesen auf 1%. Frühere Schätzungen gingen davon aus, dass allein der Startbetrag von 1.000 US-$ pro Kind rund 3,6 Mrd. US-$ kosten könnte – basierend auf etwa 3,6 Millionen Geburten im Jahr 2023.
Mehrere Unternehmen sollen bereits Beiträge zu den Konten zugesagt haben, darunter BlackRock, Uber, Chipotle, Robinhood und Charles Schwab. Den bisher größten privaten Beitrag kündigten Michael Dell und seine Frau Susan an: Sie wollen 6,25 Mrd. US-$ bereitstellen, um Konten für rund 25 Millionen Kinder zu finanzieren. Kinder im Alter von zehn Jahren oder jünger, die vor dem 1. Januar 2025 geboren wurden, sollen jeweils 250 US-$ erhalten – sofern sie in Postleitzahlgebieten leben, in denen das mittlere Haushaltseinkommen unter 150.000 US-$ liegt. Auch Bridgewater-Gründer Ray Dalio sagte Unterstützung zu. Nach Angaben von Finanzminister Scott Bessent will Dalio Konten für Kinder in Connecticut mitfinanzieren; rund 300.000 Kinder im Bundesstaat sollen ebenfalls 250 US-$ erhalten.
Kritiker bezweifeln jedoch, dass das Programm besonders jenen Kindern hilft, die finanzielle Unterstützung am dringendsten benötigen. Das Tax Law Center der New York University warnte bereits im Vorjahr, dass die verpflichtende Anlage in US-Aktienindexfonds riskant sein könne, wenn das Geld später etwa für Ausbildung oder Wohnen gebraucht wird. Jin Huang, Professor für Sozialpolitik an der Washington University in St. Louis, verwies zudem darauf, dass Eltern ihre Kinder aktiv anmelden müssen – dadurch könnten Millionen anspruchsberechtigter Kinder leer ausgehen. Darrick Hamilton, Chefökonom des AFL-CIO, argumentierte, die Konten würden die finanziellen Hürden vieler US-Haushalte nur unzureichend adressieren, da vielen Familien schlicht das verfügbare Einkommen für zusätzliche Einzahlungen fehle.
Die Debatte zeigt damit zwei Seiten eines politisch aufgeladenen Programms: Auf der einen Seite steht der Versuch, Kindern frühzeitig Kapitalmarktzugang und Vermögensaufbau zu ermöglichen. Auf der anderen Seite könnte eine Öffnung für Aktienspenden einen neuen Steuerhebel für Milliardäre schaffen – mit unklarem Nutzen für jene Kinder, die eigentlich im Zentrum des Programms stehen.
Text: Ty Roush
Foto: Gage Skidmore