Stiller reichtum

Johannes Haller hat sich mit Haller Experiences auf Ibiza ein erfolgreiches Geschäft rund um die Vermietung und den Verkauf von Yachten aufgebaut. Als Partner bei Ibiza Estates ist er nun auch auf dem Markt für Luxusimmobilien aktiv: Gemeinsam mit Alexander Beulich, dem CEO der Domus Vivendi Group, vermarktet er ein exklusives Immobilienprojekt – und sie teilen dasselbe Verständnis davon, was Luxus wirklich bedeutet.

„Morgen haben wir ein Problem: Wir brauchen einen Privatjet für eine Nanny, die aus London herfliegen muss – die muss um 14:00 Uhr da sein.“ Johannes Haller (rechts im Bild) sagt das im Interview mit Forbes, als sei das Teil seines gewöhnlichen Tagesablaufs. Für den gelernten Kfz-Mechaniker aus Baden-Württemberg wäre das vor einigen Jahren noch eine andere Welt gewesen. Heute begleitet er Menschen, die auf Ibiza Yachten kaufen, Villen erwerben – und sich auf der Insel zu Hause fühlen wollen.

Haller ist Partner bei Ibiza Estates und Gründer von Haller Experiences, einem Unternehmen, das Yachten und Motorboote auf den Balearen chartert und verkauft. Die Charterflotte reicht bis zu exklusiven Modellen von Azimut, Pershing und Riva. 2025 vollzog Haller seinen ersten Unternehmens­exit und verkaufte Luxury Seatoys, einen Verleihbetrieb für Wassersportgeräte wie E-Foils auf Ibiza. Mit dem Erlös stieg er als Partner bei Ibiza Estates ein, einer etablierten Immobilienagentur mit eigenem Portfolio und einem Partnernetzwerk in mehr als sechzig Ländern. Für ein ganz besonderes Projekt mit rund 100 Mio. € Gesamtvolumen – neun Villen in erster Meereslinie an Ibizas Ostküste mit dem Namen Hippiements Village – arbeitet er mit Alexander Beulich, CEO der Domus Vivendi Group, zusammen. Das deutsche Unternehmen zählt mit einem Gesamtprojektvolumen von über 1,3 Mrd. € zu den erfolgreichsten Projektentwicklern in Europa. Haller begleitet die Domus Vivendi Group nun für den Vertrieb von Hippiements Village.

Haller war Teil mehrerer Reality-TV-Formate, bevor er nach Ibiza kam – was ihm im Luxussegment anfangs Misstrauen einbrachte. „Ich wurde aufgrund meiner Vergangenheit im Reality-TV erst mal nicht ernst genommen“, sagt er. Bei jedem Termin musste er beweisen, dass er nicht „dieser eine Typ“ ist, sondern ein ­seriöser Geschäftspartner. Den Hype aus seiner TV-Zeit verwandelte Haller in ein Instrument: Reichweite aufbauen, Vertrauen hinterher­schicken. Ende 2019 kaufte er auf der Düsseldorfer Bootsmesse ein Schiff und zog nach Ibiza – finanziell ging er damit voll ins Risiko, mit der monatlichen Sorge um die nächste Miete. Was folgte, war die Coronapandemie: Clubs schlossen, Villenpartys waren verboten und Outdoor-Veranstaltungen in weiterer Folge auf maximal zwölf Personen beschränkt. Doch Haller erkannte: Wer auf Ibiza draußen feiern wollte, brauchte ein Schiff. „Da habe ich gelernt, die Chance im Problem zu erkennen“, sagt er.

Was mit einem einzigen Boot begann, entwickelte sich mit Haller Experiences zur Plattform, die weit darüber hinausgeht: Bootseigentümer geben ihre Schiffe in die Charterflotte ein, Haller Experiences vermarktet und betreibt sie; beide partizipieren am Umsatz. Haller verstand dabei früh, was Charter in diesem Markt leisten kann: ein Umfeld, in dem Kaufentscheidungen heranwachsen. Eine Chance sah er dann im Verkauf, vor allem in der unabhängigen Betreuung der Kaufinteressierten. Als die physischen Grenzen des Charter-Modells sichtbar wurden (Liegeplätze auf Ibiza sind knapp, die Vergabe an ausländische Betreiber ist komplex), verlagerte er den Fokus auf modernere, größere und exklusivere Einheiten. Haller Experiences wurde 2022 Frauscher-Partner, doch diese Bootsklasse wurde zu klein. Das neueste Kapitel schreibt Haller deshalb gemeinsam mit Smart Yachting, dem Stützpunkthändler für AB Yachts und Maiora. Yachten wie die AB110 – 34 Meter Länge, 43 Knoten Topgeschwindigkeit, 1,30 Meter Tiefgang, flach genug für abgelegene Buchten – stehen exemplarisch für den Anspruch: das Beste am Markt, ohne protzige Zurschaustellung. Haller kümmert sich vor allem um den Vertrieb an deutschsprachige Kunden.

Besitz verpflichtet – aber mit dem richtigen Partner wird er zum Lifestyle.

Johannes Haller

Wer sich eine Villa auf Ibiza kauft, kauft früher oder später auch ein Boot – das beobachtet Haller seit Jahren. Er erkannte, dass sich sein Erfolgsgeheimnis vom Wasser aufs Land übertragen lässt. Die unabhängige Kundenbetreuung ist auch das Credo, mit dem er bei Ibiza Estates in die Immobilienbranche eingestiegen ist – und Beulich als Partner gewinnen konnte. Was Haller „Buying und Selling Guidance“ nennt, setzt an einem konkreten Problem an: Kaufinteressenten auf Ibiza erhalten von klassischen Maklern meist eine vorgefilterte Auswahl ihrer eigenen Objekte. Ibiza Estates ist eben kein klassischer Makler und kombiniert das eigene Portfolio mit dem Partnernetzwerk und gibt damit einen vollständigen Überblick über den Markt. Das reicht von der Definition, was ein Interessent überhaupt will, über den strukturierten Suchprozess bis zur Verhandlungsführung auf der Käuferseite. Verkäufer werden vor dem Marktauftritt positioniert und diskret angesprochen. Die Begleitung reicht in beiden Fällen bis zum Notartermin. „Keiner sucht heute noch einen Verkäufer“, sagt Haller. „Heute suchen Menschen einen Sparringspartner, der sie so schnell wie möglich in den Markt einführt – und der ihnen das Gefühl gibt: Ab morgen bin ich Local.“

Schon als Kind ließ sich Beulich Bücher über Villen am Meer schenken. Später, als Klassenkameraden in Frankfurt Banker-Karrieren planten, stand für ihn etwas anderes fest: „Ein Banker produziert keine Sachwerte. Er produziert Zahlen.“ Beulich wollte etwas Echtes produzieren – Häuser bauen. Den Einstieg in die Welt der Immobilien verdankt er einem Praktikum bei der Domus Vivendi Group. Nach dem BWL-Studium kehrte er zu Gründer Thomas Oellig zurück, den er bis heute seinen beruflichen Ziehvater nennt. Was der Name des Unternehmens meint, wurde Beulich in einer Alltagsszene klar: Als das Unternehmen noch Projekte in Deutschland baute, fuhr er abends mit Oellig an fertiggestellten Häusern vorbei – es brannte Licht, Familien saßen beim Abend­essen. „Wir haben wirklich ein Zuhause geschaffen“, sagt Beulich. „Deshalb heißt die Firmengruppe Domus Vivendi – Häuser zum Leben.“

2013 kaufte das Unternehmen drei Grundstücke auf Mallorca, die Projekte wurden zu einem Erfolg – und zur Blaupause für den Markteintritt

auf den Balearen. Die Inselgruppe ist laut einer Fotocasa-Analyse die teuerste Immobilienregion Spaniens, mit einem Quadratmeterpreis von über 4.500 €. In der Gemeinde Santa Eulària des Riu, wo Hippiements Village entsteht, liegt der Wert bei über 8.000 € pro Quadratmeter. Hinter Hippiements Village stecken dreißig Jahre Geduld. Oellig sprach den damaligen Eigentümer des Grundstücks, einen Landwirt, erstmals Anfang der 1990er-Jahre an. 2024 erfolgte dann der Spatenstich – neun Villen in erster Meereslinie auf einer Gesamtfläche von mehr als 12.000 Quadratmetern.

Für die Insel sei die Lage einzig­artig: „Du gehst aus deinem Haus durch deinen Garten und stehst mit den ­Füßen im Sand“, so Beulich; „dann läufst du zehn Meter weiter und stehst mit den Füßen im Wasser.“ In einer halben Stunde ist man am Flughafen, vom Anleger direkt am Strand dauert es mit dem Boot zwanzig ­Minuten nach Formentera. Die Architektur folgt der lokalen Bautradition: keine geraden Wände, Hohlkehlen, Holzbalken an den Decken, aber nach deutschen Qualitätsstandards ausgeführt. Die Villen sind nach Legenden wie Jimi Hendrix, Andy Warhol und Sir Paul McCartney benannt – die noch verfügbaren kosten zwischen 10,5 und 14,5 Mio. €.

Auf Ibiza findet man ein anderes Publikum als in vergleichbaren Mittelmeer-Destinationen: weniger Zurschaustellung als in Mykonos oder Saint-Tropez, mehr Substanz; so ­beobachtet es Haller. Einige ­seiner Kunden tragen keine Designer­kleidung und eher eine Apple Watch als eine Luxusuhr – und sitzen trotzdem am besten Tisch im Restaurant. „Du siehst das Geld nicht – du fühlst es“, sagt Haller.

Wer mit Luxus so umgeht, sucht kein Ferien­domizil, das man ebenso mieten könnte, ist sich Haller sicher. Beulich kennt das Gegenargument: Mit demselben Geld könnte man 150-mal ins beste Hotel gehen. „Das ist grundsätzlich richtig“, sagt er, „aber das ist keine echte Freiheit“ – das Hotel könnte ausgebucht sein, die Preise schwanken, die Gäste im Nachbarzimmer könnten Lärm machen. Echte Freiheit ist für die beiden, Haller und Beulich, wenn man spontan anreisen kann und dann alles funktioniert.

Die Domus Vivendi Group hat dafür ein After-Sales-Team, das Objekte in Abwesenheit der Eigentümer betreut: regelmäßiges Lüften, Wasserhähne aufdrehen, damit Siphons nicht austrocknen, Pool und Garten in Schuss halten. Haller Experiences macht dasselbe für Boote. Für Haller und Beulich ist „Careless Ownership“ der gemeinsame Nenner ihrer Geschäftsmodelle, die dieselben Kunden im Blick haben: Menschen, die besitzen, um zu leben – und nicht, um es zu ­zeigen. „Besitz verpflichtet“, sagt ­Haller, „aber mit dem richtigen Partner wird er zum Lifestyle.“ •

Fotos: Sayana Cairo, AB Yachts, Domus Vivendi Group

Forbes Editors

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