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Vielleicht kannst du beim Börsengang nicht mitmischen, aber den Hoodie kannst du dir trotzdem holen: Da KI-Startups wie Open AI und Anthropic noch nicht börsennotiert sind, zahlen die Leute auf E-Bay 250 US-$ für gebrauchte Sweatshirts, um so eine Nähe zur Geldmaschine des Silicon Valley zu simulieren.
Normale Menschen können vor den bevorstehenden Börsengängen der Unternehmen keine Aktien von Open AI oder Anthropic kaufen. Daher steigen einige
in eine andere Art von Sekundärhandel ein: gebrauchte T-Shirts und Hoodies, die an Mitarbeiter oder als Werbegeschenk an Konferenzteilnehmer verteilt wurden – und nun für Hunderte von Dollars weiterverkauft werden.
Auf E-Bay gibt es eine Blase bei Fanartikeln von KI-Unternehmen. Kürzlich erzielten Kartons mit Open-AI-Codex-Werbegeschenken – bestehend aus einer Mütze, einem Hoodie und ein paar kleinen Schnickschnack-Artikeln – Preise von bis zu 475 US-$ (406 €); ein gebrauchtes Open-AI-Sweatshirt kostete 246,99 US-$. Ein Kugelschreiber von Anthropic wurde für 39,99 US-$ verkauft; ein authentisches Mitarbeiter-T-Shirt des 956-Mrd.-US-$-KI-Unternehmens erzielte 120 US-$.
„Ich glaube tatsächlich, dass das die Vintage-Rockkonzert-Shirts von morgen sind“, sagt Mitchell Brody, der zusammen mit seiner Tochter Sunny, einer Studentin, auf E-Bay einen T-Shirt-Shop betreibt. Derzeit verkaufen sie ein von Open AI an Mitarbeiter ausgegebenes T-Shirt für 249,99 US-$. „Das ist Geek-Chic. Es wird der Tag kommen, an dem die Leute mit dem Open-AI-Shirt mit Doppelnaht prahlen, das sie in den ‚Roaring Twenties‘ ergattert haben“, so Brody.
Forbes sprach mit Verkäufern, die kürzlich Fanartikel von KI-Unternehmen auf E-Bay verkauft haben. Diese bestätigen, dass diese Artikel, insbesondere solche von Open AI und Anthropic, ein Vielfaches mehr einbringen als Fanartikel anderer Unternehmen – in Brodys Shop wird beispielsweise ein Mitarbeiter-Tanktop des Tech-Giganten Google für 24,95 US-$ angeboten. Selbst Space X profitiert nicht von dem aktuellen Preisaufschlag für KI-Fanartikel – ein echtes Firmen-Polohemd kostet dort gerade mal 11,92 US-$.
Ich glaube tatsächlich, dass das die Vintage-Rockkonzert-Shirts von morgen sind.
Mitchell Brody
Die hohen Preise für die von KI-Unternehmen gebrandeten Stücke sind eine Blase innerhalb der Blase. „Das einzige Mal, dass ich so etwas gesehen habe, war, als die Silicon Valley Bank (SVB, Anm.) zusammenbrach und deren Werbegeschenke zu hohen Preisen verkauft wurden“, sagt ein in der Bay Area ansässiger Verkäufer, der anonym bleiben will, da sein Arbeitgeber nichts von seinem Nebenerwerb weiß. Doch als die Bank überlebte, platzte die Blase um ihre Werbegeschenke – kürzlich wurde ein albernes SVB-Set aus Weinglas und Käsebrett für weniger als 23 US-$ verkauft.
Ein T-Shirt oder ein Kugelschreiber ist ein dürftiger Ersatz für Aktienanteile oder eine hochkarätige KI-
Position im Lebenslauf. Doch vielleicht liegt ein gewisser Reiz in der Illusion, für einen Moment zu jener Welt zu gehören, die das Silicon Valley kulturell geprägt hat. „Man sieht cool aus, wenn man die Werbegeschenke trägt, besonders wenn man nicht in San Francisco lebt, wo es gang und gäbe ist, Leute zu kennen, die bei diesen Unternehmen arbeiten“, sagt der Verkäufer. Viele Käufer kommen von außerhalb der großen Tech-Zentren – „Ohio ist etwa ein Ort, von dem ich oft höre“, sagt der E-Bay-Händler, „das Gleiche gilt für den Norden des Bundesstaats New York.“
Der wahre Wert, so sagen die Verkäufer, liege nicht nur im Logo: Er hänge mit extrem limitierten Kleinserien zusammen, die an Produkteinführungen und Meilensteine der Unternehmen geknüpft sind. Die Kleidungsstücke stehen für Street Credibility im Silicon Valley – ein Nachweis dafür, dass du an einer besonderen Veranstaltung teilgenommen hast (oder ein T-Shirt von jemandem gekauft hast, der dabei war).
Da jeder ein Firmenlogo auf ein gewöhnliches unbedrucktes T-Shirt drucken kann, prüfen Käufer die Kleidungsstücke sorgfältig auf Herstellungsetiketten und die Originalverpackung der Konferenz, um deren Echtheit zu bestätigen, wie Verkäufer gegenüber Forbes angeben. Viele Objekte finden sie in Secondhand-Läden; manche werden ihnen einfach von Freunden aus der Branche geschenkt. „Die wertvollsten Shirts sind die, die an Mitarbeiter ausgegeben wurden. Das ist so eine Art Insider-Sache“, sagt Brody, der erklärt, dass Space-X-Shirts, die sich auf eine bestimmte Flugnummer beziehen, enorme Preisaufschläge erzielen: „Wenn man etwas ergattern kann, das andere nicht auf einer öffentlichen Website kaufen können, dann hat man wirklich Grund zum Prahlen.“
Open AI nutzt den Hype opportunistisch aus, um einen umsatzstarken Geschäftsbereich zu schaffen – Open AI Supply Co, das früher nur für interne Mitarbeiter bestimmt war, wurde vor Kurzem still und leise für die Öffentlichkeit freigeschaltet. Die Website verkauft maßgeschneiderte Kleidungsstücke wie eine 40-US-$-Mütze und 15-US-$-Socken und listet auf einer Archivseite alte Fanartikel mit „Auslaufdaten“ auf – ähnlich wie Nike ein Event zur Verknappung von limitierten SNKRS-Modellen inszenieren würde. Der Shop ist ein Denkmal des eigenen Hypes, das „Gedenk“-Fanartikel vermarktet. „Supply Co begann als kleines Merchandise-Sortiment für Mitarbeiter und erlebte fast sofort einen enormen Boom. Die Open-AI-Mitarbeiter entwickelten besorgniserregend starke, begeisterte Meinungen zu Sammelkarten, blauen Klappstühlen und Hoodies mit Aufdruck als neuer Währung“, heißt es auf der „Über uns“-Seite des Shops, wobei darauf hingewiesen wird, dass Open-AI-Merchandise nicht nur Fanartikel mit Firmenlogo sind, sondern vielmehr eine „materielle Verkörperung der Unternehmenskultur“ und „physische Ausdrucksformen der Forschungsenergie“.
Dies ist nicht der erste spekulative „Swag“-Wahn, den das Silicon Valley erlebt: Sammler haben schon immer hohe Summen für Erinnerungsstücke zu spektakulären Start-up-Pleiten gezahlt, sei es aus der Zeit der frühen Dotcom-Krise (mit Pets.com und Webvan) oder bezüglich jüngerer Zusammenbrüche von etwa Theranos oder Wework. Immer schon an der Spitze der Tech-Hype-Kultur stand Apple: In den frühen 2000er-Jahren standen Enthusiasten bei Apple-Store-Eröffnungen Schlange, um kostenlose limitierte T-Shirts zu ergattern, die sie dann auf E-Bay für 200 oder sogar 500 US-$ weiterverkauften. Doch erst im letzten Jahrzehnt haben sich Relikte vergangener Tech-Erfolgsgeschichten zu einer millionenschweren Anlageklasse entwickelt – insbesondere Vintage-Erinnerungsstücke von Apple und Steve Jobs. RR Auction, ein in Boston ansässiges Auktionshaus, das einige der größten Verkäufe von Tech-Sammlerstücken der Geschichte abgewickelt hat, verkaufte eine originale Apple-1-Computerplatine, die in Jobs’ Garage handgefertigt wurde, für 2,75 Mio. US-$, einen von Jobs und Steve Wozniak signierten Wells-Fargo-Scheck aus dem Jahr 1976 für 2,4 Mio. US-$ sowie ein seltenes frühes Apple-Werbeplakat für 650.000 US-$. Auch Erinnerungsstücke von Google und Microsoft finden Käufer; sie erzielen jedoch Preise im niedrigen vierstelligen Bereich und nicht in Millionenhöhe.
Der Markt für Sammlerstücke, der einst Hollywood- und Rock-’n’-Roll-Fans vorbehalten war, hat im letzten Jahrzehnt Platz für Technik-Artefakte geschaffen – genauso, wie er aus Plastik-Actionfiguren aus „Star Wars“ wertvolle Sammlerstücke gemacht hat. Bobby Livingston, Executive Vice President bei RR Auction, beschreibt dies als eine Art „Teilnahmetrophäe der Extraklasse“: „Der Moment, in dem ein Entwickler ein bahnbrechendes Produkt auf den Markt bringt, ist für ihn emotional der entscheidende Meilenstein“, sagt er, „das hat eine besondere Bedeutung.“
Doch der Markt ist gnadenlos zweigeteilt: Apple-Relikte sind König, Google und Microsoft erzielen respektable Preise – alles andere ist Garagenramsch. „T-Shirts und Werbegeschenke von gescheiterten Unternehmen haben keinen Wert, wenn niemand mehr das Produkt kennt“, sagt Livingston. „Apple hat eine Kult-Anhängerschaft – der Rest ist in der Geschichte untergegangen.“ Er glaubt, dass es noch weitere 25 Jahre dauern wird, bis sich KI-Werbegeschenke zu einer eigenständigen Auktionskategorie entwickeln, doch er sieht bereits Anzeichen einer Überhitzung.
Neben Kleidung und Accessoires sind auch handfeste Technik-Bausteine gefragt: Frühe Grafikkarten und Rechenplatinen, die von Nvidia-CEO Jensen Huang handsigniert wurden, werden derzeit für zwischen 8.000 und 10.000 US-$ verkauft. 2025 erhielt der KI-Influencer Linus Ekenstam eine Google-Gemini-TPU – einen der Computerchips, die der Suchmaschinenriese für das Training von KI-Modellen herstellt – eingefasst in einer Acrylbox. Er betrachtet sie als Familienerbstück und plant, sie über Generationen hinweg in seiner Familie weiterzugeben.
Wer heute schnelles Geld machen will, sollte sich auf Anthropic-Merchandise konzentrieren, da es in der Vergangenheit schwer zu bekommen war. Alejandro Navia, der bei einem KI-Unternehmen arbeitet, sagte, er habe seinen Flug nach New York City umgebucht, nur um sich in die Schlange zu stellen und eine kostenlose Anthropic-Baseballkappe mit der Aufschrift „thinking“ zu erhalten. Diese werden mittlerweile bei E-Bay für zwischen 50 und 100 US-$ gehandelt. Als er erfuhr, dass er durch den Verkauf etwas Geld verdienen könnte, zog er dies in Betracht – aber er entschied sich schnell dagegen: „Ich behalte sie lieber als Andenken; um damit prahlen zu können. Das Silicon Valley wird durch Werbegeschenke dokumentiert, und die Leute werden sagen: ‚Oh, du warst dabei? Echt cool!‘“
Fotos: Ahmed / Unsplash, Miguelphoto / Unsplash