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Der frühere SpaceX-Chefingenieur will mit Impulse Space die nächste Stufe der Raumfahrtwirtschaft aufbauen. Das Ziel: Satelliten, Fracht und künftig Menschen schneller durch den Weltraum transportieren.
Tom Mueller gilt als einer der wichtigsten Ingenieure hinter dem Aufstieg von SpaceX. Als erster Mitarbeiter des Raumfahrtunternehmens entwickelte er das Merlin-Triebwerk, das bis heute die Falcon-9-Raketen antreibt. Nun verfolgt der 65-Jährige mit seinem eigenen Unternehmen eine neue Vision: den Aufbau eines Transportsystems für den Weltraum.
2021 gründete Mueller das Start-up Impulse Space mit Sitz in Kalifornien. Während Unternehmen wie SpaceX Nutzlasten in die Erdumlaufbahn bringen, konzentriert sich Impulse auf den nächsten Schritt. Die Raumfahrzeuge des Unternehmens sollen Satelliten, Fracht und künftig auch Menschen nach dem Start effizient zwischen verschiedenen Umlaufbahnen bewegen – langfristig sogar bis zum Mond und darüber hinaus.
Der entscheidende Vorteil von Impulse liegt laut Mueller in der Geschwindigkeit. Viele heutige Satelliten nutzen elektrische Antriebe und benötigen sechs bis zwölf Monate, um von einer niedrigen Erdumlaufbahn in eine geostationäre Position zu gelangen. Die Raumfahrzeuge von Impulse sollen dieselbe Strecke mithilfe chemischer Triebwerke innerhalb eines Tages zurücklegen können.
Die Vision trifft auf einen Markt mit enormem Wachstumspotenzial. Schätzungen zufolge könnte die globale Raumfahrtwirtschaft bis 2035 auf rund 1,8 Bio. US-$ anwachsen. Gleichzeitig flossen zuletzt Rekordsummen von Investoren in Raumfahrtunternehmen. Impulse selbst wurde Anfang Juni mit 4,3 Mrd. US-$ bewertet und hat bereits mehr als 1 Mrd. US-$ Kapital eingesammelt.
Mueller profitiert auch persönlich vom Boom der Branche. Durch seine Beteiligungen an SpaceX und Impulse schaffte er es in diesem Jahr auf die Forbes-Liste der Milliardäre. Sein Vermögen wird aktuell auf rund 1,7 Mrd. US-$ geschätzt.
Noch befindet sich der Markt für sogenannte „In-Space Mobility“ in einer frühen Phase. Satellitenbetreiber, Mondmissionen und staatliche Auftraggeber könnten künftig zu den wichtigsten Kunden zählen. Besonders die US-Regierung investiert massiv in neue Weltraumprogramme. Allein die US Space Force plant für das Fiskaljahr 2027 Ausgaben von 71 Mrd. US-$.
In der Produktionsstätte von Impulse in Redondo Beach entwickelt das Unternehmen nahezu alle zentralen Komponenten selbst. Dazu gehören Triebwerke, Tanks, Elektroniksysteme und Antennen. Das erste Fahrzeug „Mira“ hat bereits mehrere Missionen absolviert. Das größere Modell „Helios“ soll ab 2027 Nutzlasten von bis zu vier Tonnen innerhalb von weniger als 24 Stunden in geostationäre Umlaufbahnen transportieren.
Trotz des Optimismus bleibt die zentrale Frage offen: Entwickelt sich die Raumfahrtwirtschaft schnell genug, um die entstehenden Kapazitäten auszulasten? Branchenbeobachter verweisen darauf, dass viele dieser Märkte erst entstehen. Mueller sieht darin jedoch vor allem eine Chance.
Der ehemalige SpaceX-Ingenieur ist überzeugt, dass die langfristige Zukunft der Menschheit nicht allein auf der Erde liegen wird. Für ihn bilden die Rohstoffe auf dem Mond und auf Asteroiden die Grundlage einer neuen Wirtschaft im All. Mit Impulse Space will er die Infrastruktur schaffen, die dafür notwendig ist.
Text: John Hyatt
Foto: Ethan Pines für Forbes US