Traditionen aufbrechen

Eine Frau als Lead-Managerin ist in der Bauwirtschaft noch immer eine Ausnahme – Eva Kovanda stellte sich der Herausforderung. Mittlerweile mischt sie das Betonbau-Traditionsgewerbe in Niederösterreich abseits des Familienunternehmens auf. Mehr Nachhaltigkeit ist das Ziel.

Bauwerke, Brücken, Eisenbahnschwellen: Beton ist überall. Das wusste Forbes-Listmakerin Eva Kovanda schon als ­kleines Kind – ihre Eltern führten das Familien­unternehmen Kovanda damals in dritter Generation. Ihr erstes Wort war «Bagger» («kein Marketing-Schmäh!», wie sie lachend betont), und direkt neben ihrem Kindergarten befand sich eine Abbruchbaustelle. Den ­inspizierte sie schon als Dreijährige – um zu schauen, «ob die Leute auch arbeiten».

Kovanda machte nach der Schule die Konzessions­prüfung für das nationale und internationale Güter­beförderungsgewerbe, dann ging es für ein Management- und Marketing-Studium nach England, um sich «einen Plan Z aufzubauen». Ausserdem wollte sie etwas «ausserhalb der Comfort Zone sehen». Nach einem Abstecher nach Spanien wurde sie mit erst 23 Jahren Lead- Managerin bei K&K Beton, das zum Familienunter­nehmen gehört. «Ich musste am Anfang alles selbst machen», erzählt Kovanda – vom Schreiben der Arbeits­pläne über Lkw-Fahren bis hin zum Betonmischen; sie arbeitete sich durch alle Bereiche. Das Credo ihrer Familie: «Du musst das nicht perfekt können, aber du musst zumindest wissen, wovon du sprichst.»

Trotzdem war es herausfordernd – nicht zuletzt, weil Kovanda sich als Frau in der männerdominierten Bauwirtschaft erst beweisen musste. Nur 4,6 % der Führungspositionen im Baugewerbe sind in Österreich mit Frauen besetzt, zeigt ein Report des Informationsdienstleisters Crif; auf europäischer Ebene sind gerade einmal 22 % Frauen in diesem Bereich tätig. «Wenn man es sich einfach machen will, dann geht man dort nicht hin», fasst Kovanda die Lage trocken zusammen.

Das schüchterte sie aber nicht ein – sie stellte sich der Challenge. «Ich musste immer doppelt so viel ar­beiten und doppelt so stark sein wie alle anderen, aber nach aussen so wirken, als würde ich an meiner Stärke gar nicht zweifeln», erzählt Kovanda. Ihre 80 bis 100 Angestellten waren in der Regel «doppelt so alt» wie sie. Die Niederösterreicherin baute Brücken zwischen den Generationen, erarbeitete sich den Respekt ihrer Kollegen – und blieb sich vor allem selbst treu. «Ich gehe diesen Weg, auch wenn da noch so grosse Steine liegen. Ich werde die schon irgendwie wegrollen», sagt sie heute über ihren damaligen Antrieb.

Besonders wichtig war ihr das Projekt «Circularity», das eine Lücke in der Bauwirtschaft schliesst. Denn schon lange werden am Bau oft Recycling, Deponierung und Abbruch getrennt abgewickelt – und so Ressourcen liegen gelassen. Der Aushub für einen U-Bahn-Ausbau landete etwa auf einer Deponie der Kovanda-Gruppe – dabei hätte er eigentlich wiederverwertet werden können. Eine eigene Wertstoffgewinnungsanlage soll daher künftig alten Beton, Ziegel und Baustoffe re­cyceln, sodass die Materialien die «Qualität eines Primär­rohstoffs haben», erklärt Kovanda. In der Folge soll
die Betonwirtschaft so nachhaltiger gemacht werden.

Ich musste immer doppelt so viel arbeiten und ­doppelt so stark sein wie alle an­deren – aber nach aussen so wirken, als würde ich an meiner ­Stärke gar nicht zweifeln.

Eva Kovanda

Dies ist ein schwieriges Unterfangen, denn die ­Branche ist von Tradition geprägt. Dabei gehört die Bauwirtschaft weltweit zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftszweigen. Sie verursacht zudem etwa zwei Drittel des Abfalls in Österreich. Dennoch brauchte es «sehr viel Aufklärungsarbeit» darüber, warum Kreislaufwirtschaft wichtig ist – Kovanda blieb hart­näckig und kommunizierte an Kunden und Kollegen, dass Nach­haltigkeit mehr als nur ein Modewort ist. «Das ist nicht nur einfach eine grüne Aufschrift – die Zukunft liegt da drin», ist sie sich sicher.

Unter Kovandas Leitung wurde das Projekt «Circularity» fertig geplant. Doch damit es auch in die Tat umgesetzt werden konnte, war ein grösserer Rahmen nötig. Das familiengeführte Unternehmen war laut Kovanda zwar profitabel, aber es wurde «Zeit für etwas Neues»: Im Juli 2025 wurden einzelne Assets der Kovanda-Gruppe an die Strabag übergeben. Diese übernahm alle Mitarbeitenden und will das Projekt vergrössern.

Kovanda hat nun Zeit, sich neu zu orientieren. Die Richtung ist für die 29-Jährige aber bereits klar: Sie will wieder ein Projekt leiten; konkret möchte sie «etwas machen, das sich mit Umwelteinflüssen auseinandersetzt». Langweilig ist ihr aktuell jedenfalls nicht: Sie arbeitet unter anderem am Forschungsprojekt «Up!Crete» mit, bei dem die Performance von Recyclingbeton erforscht wird (u. a. von der TU Wien). 2024 gewann das Projekt bereits den «Clusterland Award», eine Auszeichnung für Wirtschaftskooperationen in Niederösterreich.

Kovanda will sich aber noch etwas umschauen, bis sie wieder all ihre Zeit und Konzentration in ein bestimmtes Vorhaben steckt. Ein Kapital schlossen sie und ihre Familie selbst – für die Zukunft geht sie davon aus, «dass sich wieder eine gute Tür öffnen wird».

Text: Katharina Strnadl
Foto: Eva Kovanda

Forbes Editors

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