Trump verschärft Handelsstreit mit Kanada

Der Handelskonflikt zwischen den USA und Kanada spitzt sich zu. US-Präsident Donald Trump verhängt Zölle von bis zu 50 % auf zahlreiche kanadische Waren. Betroffen sind nicht nur zentrale Branchen wie Milchprodukte und die Autoindustrie, sondern auch Hockeyausrüstung, Smartphones, Perücken und Puzzles. Kanada kündigt Gegenzölle an.

Der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada erreicht eine neue Eskalationsstufe. Kanadas Premierminister Mark Carney bezeichnete die Auseinandersetzung am Wochenende als wirtschaftlichen „Krieg“. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump mit mehreren Zollmaßnahmen wichtige kanadische Branchen ins Visier genommen. Ein großer Teil der betroffenen Importe aus Kanada soll künftig mit Zöllen von 50 % belegt werden. Trump hatte bereits im Juli drei entsprechende Proklamationen unterzeichnet. Sie richten sich insbesondere gegen die kanadische Milch-, Alkohol- und Automobilindustrie.

Die dazu veröffentlichten Warenlisten gehen jedoch weit über diese Branchen hinaus. Die US-Regierung begründet die zusätzlichen Abgaben mit einer aus ihrer Sicht bestehenden Benachteiligung amerikanischer Unternehmen durch Kanada. Die betroffenen Produkte sind im Federal Register, dem offiziellen Veröffentlichungsorgan der US-Regierung, aufgelistet. Bei Milchprodukten umfassen die US-Zölle unter anderem Milch, Sahne und Molkenprotein. Zusätzlich stehen Rohrzuckermelasse und gemischte Sirupe auf der Liste. Kanadischer Ahornsirup ist dagegen nicht betroffen.

Auch Sportartikel werden mit zusätzlichen Abgaben belegt. Dazu zählen Ausrüstung für Eis- und Feldhockey, Golfausrüstung, Schlittschuhe und Angelruten. Bei Bekleidung reicht die Liste von T-Shirts, Hosen und Pullovern über Mäntel und Windjacken bis hin zu Herrenanzügen und Blazern. Hinzu kommen Accessoires wie Gürtel, Schmuck und Hüte. Selbst Perücken sowie künstliche Bärte und Augenbrauen sind von den Zöllen erfasst.

Auch Werkzeuge und technische Produkte finden sich auf den Listen. Dazu gehören Schraubenschlüssel, Kettensägenblätter, Rechen und Vorschlaghämmer. Im Elektronikbereich sind unter anderem Smartphones, Fernsehkameras, Radargeräte, Videomonitore und Komponenten für die Elektronikproduktion betroffen.

Die Maßnahmen erfassen zudem eine Reihe ungewöhnlicher Produktgruppen. Bei tierischen Produkten nennt die US-Regierung unter anderem Daunenfedern, Schildkrötenpanzer, Geweihe sowie unbehandelte Häute von Rindern und Reptilien. Auch Hundeleinen, Halsbänder, Maulkörbe und Geschirre sowie Sattel- und Zaumzeug stehen auf den Listen.

Hinzu kommen Weihnachtsdekorationen und andere Artikel für Feiertage, Karneval oder Unterhaltung. Ebenfalls betroffen sind Fahrräder, Puzzles, Modelle, Videospielkonsolen sowie münz- oder markenbetriebene Arcade-Spiele. Auch Kunst- und Sammlerobjekte werden erfasst. Dazu zählen Gemälde, Skulpturen, Briefmarken, Statuen und archäologische Stücke. Antiquitäten, die älter als 100, aber nicht älter als 250 Jahre sind, stehen ebenfalls auf der Liste. Zusätzlich fallen Koffer, Truhen, Kosmetikkoffer und andere Taschen unter die Maßnahmen.

Die jüngste Eskalation folgt auf das Scheitern der Handelsgespräche zwischen Washington und Ottawa. Carney lehnte ein Abkommen ab und setzte die Verhandlungen aus. Die USA hatten Kanada bereits im Juli mit gezielten Zöllen von 50 % gedroht und der kanadischen Regierung 30 Tage Zeit eingeräumt, um ein neues Handelsabkommen auszuhandeln.

Am Freitag rief Carney die kanadische Verhandlungsdelegation nach Ottawa zurück. Die Unterhändler hätten bis zuletzt in gutem Glauben daran gearbeitet, die Interessen Kanadas zu vertreten, erklärte der Premierminister. Kurzfristige Änderungen der amerikanischen Bedingungen seien jedoch unfair und wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen. Zudem hätten sie Zweifel an der Verlässlichkeit eines möglichen Abkommens geweckt.

Kanada will auf die neuen US-Zölle mit eigenen Handelsmaßnahmen reagieren. Das Land werde die amerikanischen Abgaben „Dollar für Dollar“ ausgleichen, kündigte Carney am Samstag an. Weitere Details sollen in den kommenden Tagen folgen. Nach Angaben des kanadischen Premierministers sollen sich die Gegenzölle insbesondere gegen US-Produkte aus den Bereichen Stahl, Milchprodukte, Haushaltsgeräte, landwirtschaftliche Maschinen, Zellstoff und Papier sowie Elektronik richten. Damit verschärft sich der Handelskonflikt zwischen zwei der engsten Wirtschaftspartner Nordamerikas deutlich. Neben zentralen Industriezweigen geraten dabei zunehmend auch zahlreiche Konsum- und Alltagsprodukte in den Fokus der Zollpolitik.

Text: Zachary Folk
Foto: Getty Images

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