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Das Münchner Unternehmen Feldwerke sichert sich eine revolvierende Kreditlinie eines französischen Debt Funds. Mit dem Kapital sollen in den kommenden 18 Monaten Solaranlagen mit rund 100 MW Leistung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen entstehen.
Das Unternehmen hat seine erste große Fremdkapitalrunde abgeschlossen. Ein auf erneuerbare Energien spezialisierter französischer Debt Fund stellt dem Unternehmen eine revolvierende Kreditlinie in Höhe von 12 Mio. € bereit. Mit dem Kapital soll innerhalb von 18 Monaten ein Bauportfolio von rund 100 MW umgesetzt werden.
Feldwerke entwickelt sogenannte Agri-Photovoltaik-Anlagen, kurz Agri-PV. Gemeint ist die doppelte Nutzung landwirtschaftlicher Flächen: Auf derselben Fläche wird weiterhin Landwirtschaft betrieben, während über oder neben den Anbauflächen Solarmodule Strom erzeugen. Die Flächen bleiben damit für Ackerbau oder Weidehaltung nutzbar, zugleich entsteht für Landwirte eine zusätzliche Einnahmequelle, etwa über planbare Pachteinnahmen.
Gegründet wurde Feldwerke im Oktober 2023 von Marco Mielenz, Nicolai Reiners und Nils Kuchenbuch. Das Unternehmen entwickelt Agri-PV-Anlagen in Süddeutschland und hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 20 MW Kapazität ans Netz gebracht. Dazu zählt laut Feldwerke auch die größte Agri-PV-Anlage Süddeutschlands in Oberndorf am Lech. Weitere 350 MW befinden sich demnach in Umsetzung, rund 50 Projekte mit insgesamt mehr als 400 MW Leistung sind in Entwicklung.
Der strategische Kern der Finanzierung liegt in ihrer Struktur. Die Kreditlinie wird nicht als klassische Projektfinanzierung bereitgestellt, sondern revolvierend. Sobald eine fertiggestellte Anlage in eine langfristige Projektfinanzierung übergeht oder ans Netz geht, kann der Rahmen erneut für das nächste Projekt genutzt werden. Dadurch lässt sich das tatsächlich realisierbare Bauvolumen über den Nominalbetrag von 12 Mio. € hinaus skalieren. Der französische Fonds, dessen Name nicht offengelegt wurde, ist auf die Konstruktions- und Entwicklungsphase von Solarprojekten in Europa spezialisiert – also auf jene Phase, in der junge Projektentwickler häufig mit Kapitalengpässen konfrontiert sind.
Technisch setzt Feldwerke auf einachsige, nachgeführte Tracker-Systeme. Die Solarmodule folgen dabei dem Sonnenverlauf. Mindestens 85 % der Fläche bleiben laut Unternehmen weiterhin für Ackerbau oder Weidehaltung verfügbar. Gleichzeitig können die Anlagen stärker in den Morgen- und Abendstunden einspeisen – also zu Zeiten, in denen Strom am Markt tendenziell wertvoller sein kann als während der von Solarstrom geprägten Mittagsspitzen.
„Diese Finanzierung ist ein klares Signal, dass institutionelle Kapitalgeber das Potenzial von Agri-PV als zukunftsweisende Form der Flächennutzung erkannt haben“, sagt CFO Nils Kuchenbuch.
Für Feldwerke ist die Kreditlinie ein wichtiger Schritt in Richtung Skalierung. Marco Mielenz, Forbes Under 30 Listmaker und Mitgründer von Feldwerke, hatte vor dem Unternehmen bereits Tacto auf mehr als 100 Mitarbeitende mit aufgebaut. Gemeinsam mit seinen Co-Foundern will er bis 2030 eine errichtete Leistung von 1 GW erreichen. Die nun gesicherte Finanzierung soll dafür die erste Etappe bilden.
Foto: Feldwerke Solar