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Gottfried Wurpes verkauft in Österreich, Tschechien und der Slowakei seit 35 Jahren als Einziger Fitnessgeräte von Technogym. Als er in den 1990er-Jahren anfing, war die Marke in diesen Ländern noch weitgehend unbekannt. Mit gezielten Sponsoring-Kooperationen baute Wurpes ihre Präsenz auf – und wurde so zur ersten Anlaufstelle für zahlreiche Sportler, Trainer und Vereine, die ihr Training professionalisieren wollen.
Kein Staubkorn ist auf den mattschwarzen Geräten zu sehen, die in Reih und Glied auf dem hellbraunen Parkettboden stehen. An den Wänden des Showrooms in Leonding bei Linz hängen meterhohe Bilder von Athleten und Sport-Ikonen wie Marcel Hirscher und Anna Veith. Rund 5 Mio. € soll er gekostet haben; er wurde vom italienischen Star-Architekten Antonio Citterio geplant und 2020 gebaut. Neben den Bildern steht in kantigen schwarzen Lettern auf gelbem Grund ein Name, mit dem Gottfried Wurpes seit 35 Jahren Geschäfte macht: Technogym.
Technogym gilt weltweit als der Premium-Hersteller für Fitnessgeräte schlechthin. Seit 2016 an der Borsa Italiana notiert hat der italienische Konzern mit mehr als 2.600 Mitarbeitern 2025 einen Umsatz von knapp über 1 Mrd. € gemacht. Gegründet wurde das Unternehmen vom Italiener Nerio Alessandri, der 1983, damals 22 Jahre alt, in Cesena in der Garage seiner Eltern sein erstes Fitnessgerät baute. In Österreich, Tschechien und der Slowakei war es Gottfried Wurpes, der die Marke etabliert hat – Technogym-Geräte stehen in diesen Ländern heute in Fitnesseinrichtungen, Homegyms, Hotels, Sportvereinen, Schulen, Universitäten und Büros.
Wurpes selbst hat sich dem Geschäft mit den Fitnessgeräten mit Leib und Seele verschrieben: Wichtige Kunden betreut er nach wie vor selbst und die Beziehungen zu den Athleten scheinen für ihn – selbst ein passionierter Sportler, der regelmäßig Rennrad fährt und Sportveranstaltungen auch im Fernsehen verfolgt – ebenfalls bedeutend zu sein. In einem Raum am Leondinger Standort sind Dressen, Helme, Schläger und Dankesbriefe von Athleten ausgestellt.
Wurpes, der früher intensiv Kraftsport betrieb, lernte das Geschäft des Industriekaufmanns bei Rosenbauer, dem österreichischen Hersteller für Feuerwehrtechnik aus Leonding. 1991 traf er auf der Fibo in Köln, der Weltleitmesse für Fitness, Wellness und Gesundheit, auf Alessandri. „Als ich zu Technogym gekommen bin, war das ein kleiner metallverarbeitender Betrieb mit 25 Mitarbeitern“, erzählt Wurpes; „das waren ein paar junge Männer mit dicken Oberarmen.“ Er machte sich mit dem Verkauf der Geräte in Österreich selbstständig und expandierte 1999 nach Tschechien und 2003 in die Slowakei.
Mit der Zeit weitete Wurpes das Angebot aus. Über Tochterunternehmen verkauft er heute neben Technogym-Geräten auch Zubehör wie Böden und Schließfächer, plant Fitnessstudios (vor allem für Privatpersonen und Hotels) und richtet diese ein und verwaltet Immobilien. 50 Mio. € Umsatz (34 Mio. € davon in Österreich) hat Wurpes’ Gruppe 2025 laut ihm erwirtschaftet – die Tochterunternehmen stehen vollständig im Besitz der Wurpes Holding GmbH, die wiederum zu 100 % Wurpes gehört.
Als ich zu Technogym gekommen bin, war das ein kleiner metallverarbeitender Betrieb mit 25 Mitarbeitern. Das waren ein paar junge Männer mit dicken Oberarmen.
Gottfried Wurpes
Ähnlich wie der Konzern, der die Geräte herstellt (und in anderen Ländern auch verkauft), wuchs Wurpes’ Unternehmen konstant: Im langjährigen Schnitt jährlich um 8 bis 10 %, so Wurpes. Früh setzte er auf die Zusammenarbeit mit Spitzensportlern, um die Marke zu etablieren: In den mehr als 35 Jahren liefen Kooperationen mit unter anderem Hermann Maier, Marcel Hirscher, Anna Veith, Dominic Thiem, dem Österreichischen Skiverband (heute Ski Austria) oder dem Österreichischen Fußball-Bund. Während der Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika, bei der Österreich im Sechzehntelfinale am neuen Weltmeister Spanien scheiterte, ließ Wurpes für das Nationalteam im Trainingsquartier in der Region Santa Barbara, Kalifornien, ein rund 800 m² großes Zelt errichten; Geräte im Wert von rund 200.000 €, so Wurpes, ließ er über den Atlantik schiffen. Auf einer Handvoll Instagram-Posts des Nationalteams ist also das Technogym-Logo im Hintergrund zu sehen. „Unsere Bezahlung ist immer unser Equipment“, so Wurpes. Als Teamchef Ralf Rangnick sich öffentlich für die Anlage bedankte, sei das für ihn mehr wert gewesen als jede Anzeige, sagt der CEO.
Der Vertriebsvertrag mit Technogym ist laut Wurpes’ Angaben unbefristet. Viel mehr möchte er zu Vereinbarungen mit dem Konzern nicht sagen – nur, dass er zu Alessandri ein Verhältnis pflegt, das er als eng und informell beschreibt: Acht- bis zehnmal im Jahr sei er in Italien, dazu kämen verpflichtende Quartalsmeetings.
Der österreichische Fitnessmarkt ist in den letzten rund 20 Jahren stark gewachsen. In Österreich besaßen Ende 2025 1,35 Millionen Menschen (+5,8 % gegenüber 2024) Mitgliedschaften in Fitnessstudios, so die Studie „Eckdaten der Fitnesswirtschaft DACH 2026“ der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement und der Swiss Academy of Fitness and Sports. Demnach gibt es in Österreich 1.407 Anlagen, die gemeinsam einen Branchenumsatz von 697,9 Mio. € (+6,6 %) erwirtschafteten.
Technogym beliefert mit Einsteigerprodukten Discounter wie Basic-Fit oder McFit, sagt Wurpes; doch vorrangig hat die Marke sich im Premium-Segment positioniert und zeichnet sich besonders durch das Design aus, das auf eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Architekten Citterio baut. Konkurrenten wie Life Fitness (aus den USA), Panatta (Italien) oder Matrix Fitness (Taiwan) sind Technogym laut Berichten von Fachhändlern in Sachen Design und/oder Software hinterher. In Österreich ist das Vertriebsnetz, das Wurpes aufgebaut hat, außerdem dichter. Andere Fitnessunternehmen, etwa Peloton (USA), zielen in erster Linie auf eine bestimmte Trainingsart ab (zum Beispiel nur Krafttraining oder nur Ausdauer) oder – etwa im Fall von EGYM (Deutschland) – legen den Fokus stärker auf die Soft- als auf die Hardware. Die Tatsache, dass Technogym von allem etwas mitbringt – gutes Design für eine breite Auswahl an Sportarten, kombiniert mit einem eigenen Software-Ökosystem und guter Betreuung –, macht das Unternehmen besonders für Studios, Hotels und andere Wirtschaftsakteure attraktiv, die sich nicht spezialisieren wollen.
Die Belieferung von Studios macht zwischen 30 und 40 % des Umsatzes aus, je ein Fünftel fällt laut Wurpes’ Angaben auf Homegyms, Gesundheitsinstitutionen wie Reha-Zentren und Hotels. Letzterer Bereich wachse am stärksten. Technogym führt Hospitality & Residential konzernweit als eigene Vertikale – das Umsatzwachstum um 14,9 % des B2B-Geschäfts wurde ausdrücklich von diesem Bereich getragen. In Österreich, erzählt Wurpes, haben viele Hotels während der Pandemie versucht, das Beste aus den Schließungen zu machen, und ihr Wellness- und Fitnessangebot ausgebaut. Insgesamt 2.000 Hotels hat Wurpes in Österreich ausgestattet; der durchschnittliche Auftrag liegt laut dem Unternehmer bei 40.000 bis 50.000 €, einzelne Häuser investieren bis zu zehnmal mehr. „Es hat sich in den letzten Jahren eine Hotelindustrie entwickelt, die jeden Superlativ nutzt, um Gäste zu bekommen – egal ob das der Pool ist, der um zehn Meter länger ist, eine größere Saunawelt oder ein besserer Fitnessraum.“
Wurpes’ Unternehmen spiegeln die Tatsache wider, dass für Technogym das digitale Angebot in den letzten Jahren relevanter geworden ist. Der Konzern versteht sich als Plattformanbieter, der Hardware, Software und Beratung vereint: „Wir sind ein Ökosystem“, sagte Alessandri 2025 gegenüber Forbes. Die Hardware liefere die Volumen, doch die Wertschöpfung finde zunehmend in der Software statt. Wurpes bestätigt: „Wir arbeiten schon sehr lange mit KI-gestützten Anwendungen; und viele unserer Partnerbetriebe sind überrascht, wenn wir ein Fitnesscenter einrichten, weil wir nicht nur ein paar Laufbänder aufstellen, sondern auch die Software installieren und alles mit unserer Plattform verbinden.“ Diese Plattform könne Kunden auf Basis von Gesundheitsdaten Übungen und Trainingspläne vorschlagen oder Tipps zu Ernährung und Lebensgewohnheiten geben. Technogym entwickelt Systeme, die Fehlhaltungen erkennen und Geschwindigkeit und Belastung automatisch anpassen. Trotzdem bleibt für Wurpes die persönliche Beratung essenziell – und in vielen österreichischen Discount-Studios fehle die: „Betreuung, Einschulung und Onboarding sind alternativlos. Und das geht nicht nur mit KI“, so Wurpes.
Software wie Betreuung zahlen für Wurpes auf dieselbe Größe ein: den Verkauf. Und der ist es am Ende, der sein Geschäft absichert. Rund 140.000 Technogym-Geräte sind laut eigenen Angaben in Österreich, Tschechien und der Slowakei im B2B-Bereich täglich im Einsatz. Jedes von ihnen muss gewartet werden, es braucht Ersatzteile und früher oder später ein Nachfolgemodell. Es ist wohl Wurpes’ etablierte Position am Markt, die ihn absichert: So wollte der Eigentümer eines Industriebetriebs, der ihn zuletzt in einem Podcast gehört hat und nun ein Corporate-Fitness-Projekt plant, nicht mit einem Mitarbeiter, sondern mit Wurpes direkt sprechen. „Ich bin zwar nicht mehr so tief im Vertrieb integriert“, sagt er, „aber eine Handvoll Verkäufe im Monat mache ich immer noch selbst. So habe ich den Finger am Puls.“
Fotos: Christian Huber