Verbranntes Land

Der Klimawandel macht extreme Wetterereignisse wahrscheinlicher – auf starke Regenfälle, Über­schwemmungen und Erdrutsche folgen Dürren, die oft in verheerenden Waldbränden enden. Sind diese einmal außer Kontrolle, sind die Flammen schwer zu bekämpfen. Zurück bleiben verwüstete Landstriche.

Gerät ein Feuer außer Kontrolle, kann Chaos ausbrechen. Wenn ein Haus brennt, kann das ­katastrophal sein – doch erst Flächenbrände zeigen, wie verheerend ­dieselben Flammen sein können, die in einem Kamin heimelig wirken. Fast alle Flächenbrände werden (direkt oder indirekt) vom Menschen ausgelöst; und Klimaforscher gehen davon aus, dass Waldbrände zudem durch den menschengemachten Klimawandel häufiger und länger andauern. Dies bestätigt sich bereits seit Längerem – Waldbrände treten in den letzten Jahren deutlich öfter auf und sind verheerender als früher.

2025 vernichteten Waldbrände Schätzungen zufolge 390 Millionen Hektar Land weltweit, was etwas mehr als der Fläche Indiens entspricht. 200.000 Hektar standen in dem Jahr im spanischen Galizien in Flammen, wo auch die Fotos auf den vorigen Seiten entstanden. Es war Spaniens schlimmste Brandgefahrensaison in gut drei Jahrzehnten. In Frankreich verwüsteten Flammen dieses Jahr mehr als 115.000 Hektar, fast doppelt so viel wie 2022.

In Österreich brannte heuer mehr als die fünffache Fläche an Wald ab, die durchschnittlich durch Flammen vernichtet wird. Der größte Brand der Saison hierzulande wurde durch Munition aus dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst, doch die extreme Dürre machte es den Flammen leicht, sich zu verbreiten. In Nordamerika vernichteten Waldbrände von der Region um Los Angeles, USA, über das kanadische British Columbia bis nach Alaska noch weit größere Flächen.

Gleichzeitig befeuern Brände die Klimakrise: Unkontrollierte Brände ver­ursachen jährlich rund 3,4 Gigatonnen Kohlenstoffemissionen (laut Global Fire Emissions Database); zwei Fünftel von dem, was der globale Verkehrssektor emittiert. Die Biodiversität in den betroffenen Regionen nimmt laut den Vereinten Nationen ebenfalls ab. Es ist nicht ganz einfach, Tode sauber auf den Rauch von Flächenbränden zurückzuführen – aber eine Studie europäischer Regionen schätzt, dass jährlich mehrere Hundert Menschen in Europa durch die Partikel sterben, die ihren Weg in die Lunge finden, wenn Menschen Rauch nur für kurze Zeit aus­gesetzt sind.

Die wirtschaftlichen Kosten von Waldbränden sind ebenfalls enorm: Der ­Flächenbrand rund um Los Angeles im Jahr 2025 – der Brand, der in dem Jahr weltweit die höchsten direkten ökonomischen Kosten verursacht hat – soll laut Schätzungen der Rückversicherung Munich Re 53 Mrd. US-$ (46,2 Mrd. €) an Schäden verursacht haben, von denen 40 Mrd. US-$ versichert waren. Hinzu ­kommen indirekte Kosten; verursacht etwa durch mehr ­Krankenhausbesuche, ­zerstörte Geschäfte, die nichts mehr verkaufen können, oder vernichtetes Ackerland.

Feuer kann – im kontrollierten Rahmen – natürlich auch nützlich sein. Es gibt Anzeichen dafür, dass bereits vor vielen Tausenden von Jahren Menschen Feuer verwendeten, um sich zu wärmen, zu kochen und Werkzeuge und Waffen herzustellen. Dies waren Innovationen, die es dem Menschen erlaubten, sich in weiteren Teilen der Erde auszubreiten. Im 18. Jahrhundert begann mit der Kraft von Feuer, umgewandelt in Wasserdampf, die industrielle Revolution. Heute sind viele industrielle Prozesse ohne Feuer nicht einmal anzudenken.

Wie die Zahlen zu Flächenbränden und die Bilder, die Sie hier sehen, aber eindrucksvoll zeigen, birgt Feuer im Großen Gefahr und Verwüstung. Das war schon immer so – Geschichten von Brandkatastrophen finden sich in vielen Mythen weltweit und in der belegten Geschichte. Doch das Problem wird schlimmer werden. Emmanuel Macron, Frankreichs Präsident, sagte in der diesjährigen Brandsaison, das Land befinde sich in der „schwierigsten Lage seit dem Zweiten Weltkrieg“. Französische Einsatzkräfte bezeichneten die Situation als apokalyptisch. In Österreich soll besonders in Niederösterreich und Tirol die Brandgefahr steigen, sagen Forscher des Projekts Austria Fire Futures. Es ist davon auszugehen, dass die jährlichen Kämpfe gegen die Flammen länger, anstrengender und teurer werden.

Fotos: Brais Lorenzo

Erik Fleischmann,
Redakteur

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