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Der Mittelstand gilt als Rückgrat der Wirtschaft. Was selten thematisiert wird: Wie ineffizient ein Großteil seines Vermögens organisiert ist und welches Potenzial dadurch verschenkt wird!
In vielen Familienunternehmen ist das Betriebsvermögen faktisch das Privatvermögen. Man ist operativ erfolgreich, die Kapitalstruktur aber erstaunlich unprofessionell. Oft stellen Gesellschafter Gewinne dem Unternehmen als Working Capital zur Verfügung, anstatt bestmöglich zu investieren, was auch abseits des eigenen Unternehmens geschehen kann. Oder es liegen Millionenbeträge auf Girokonten – aus Vorsicht, aus Unwissen, aus Mangel an Struktur.
Die Folge: Risiken kumulieren unbemerkt, während gleichzeitig erhebliche Mittel unproduktiv gebunden sind. In einer Zeit, in der Transformation, Innovation und Wachstum massiv kapitalintensiv sind, absolut unverantwortlich. Wer Zukunftsfähigkeit für Unternehmen und Gesellschaft erreichen will, braucht kein Mehr an Kapital, sondern wirksames Kapital.
Zum Glück aber professionalisiert sich der Mittelstand immer mehr durch Family Offices, um Privat- und Betriebsvermögen zu trennen und vor allem, um „das Geld sinnvoll arbeiten zu lassen“. Das ist ein notwendiger Schritt, aber noch kein ausreichender.
Richtig verstanden sind Family Offices kein Selbstzweck und keine reine Vermögensverwaltung. Family Offices sind nicht nur dazu da, um das eigene Unternehmen zu sichern, sondern um Kapital dorthin zu lenken, wo es Zukunft stiftet. Denn unsere Gesellschaft braucht unternehmerisches Kapital, um das nächste Wirtschaftswunder herbeizuinvestieren.
Daraus ergeben sich klare Handlungsaufträge. Erstens: Die konsequente Trennung von Rollen, denn unternehmerisches Handeln, Gesellschafterinteressen und operative Investmententscheidungen folgen unterschiedlichen Logiken.
Zweitens: Professionelle Governance-Strukturen. Kapitalallokation braucht definierte Prozesse, belastbare Entscheidungsgrundlagen und ein gemeinsames Verständnis von Risiko und Rendite – nicht situative Abstimmungen im kleinen Kreis.
Drittens: Radikale Digitalisierung. Ein Family Office, das Vermögen mit Excel und altbackenen Reportings steuert, erreicht weder Geschwindigkeit noch Transparenz. Moderne Vermögenssteuerung ist datengetrieben, KI-gestützt und in der Lage, Szenarien in Echtzeit zu analysieren und zu bewerten.
Und viertens: Es braucht einen aktiven, strategischen Investmentansatz. Kapital darf nicht opportunistisch verwaltet werden, sondern muss einer klaren Investmentthese folgen. Es muss gezielt eingesetzt werden: in neue Technologien und Geschäftsmodelle, in Werterhalt und -steigerung.
Der entscheidende Perspektivwechsel ist einfach, aber unbequem: Vermögen ist nicht statisch, sondern dynamisch. Genau hier liegt die Rolle von Family Offices. Nicht als stille Verwalter, sondern als aktive Architekten von Wachstum und Erneuerung. In diesem Sinne werden professionelle Family Offices die „Resilienz-Maschine“ einer Unternehmerfamilie, ihres Unternehmens – und der Gesellschaft. Vermögen verpflichtet!
Über den Autor:
Nils Seebach ist Digital-Unternehmer, Aufsichtsrat und Geschäftsführer der Digitalberatung Etribes . Sein Fokus liegt auf der digitalen Transformation des deutschen Mittelstands und der Nachfolgegestaltung von Familienunternehmen, für die er auch als Beirat und Ratgeber agiert.