Mit dem FORBES-NEWSLETTER bekommen Sie regelmässig die spannendsten Artikel sowie Eventankündigungen direkt in Ihr E-mail-Postfach geliefert.
Seit knapp einem Jahr führt Kelly Zhang das Österreich-Geschäft von Xiaomi – und will einer der größten Smartphone-Marken des Landes auch einen Platz in der Küche, im Wohnzimmer und bald in der Garage verschaffen.
Indonesien, Tschechien, Serbien: Die Länder, in denen Kelly Zhang bisher gearbeitet hat, liegen viele Kilometer auseinander. Jede Station hat ihr etwas anderes über Führung beigebracht. Mehrere Jahre war sie für einen Anbieter von Telekommunikationsprodukten tätig und führte Teams mit verschiedenen kulturellen Hintergründen. „Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, zuzuhören, Vertrauen aufzubauen und gleichzeitig klare Entscheidungen zu treffen“, sagt sie.
Seit November 2025 verantwortet Zhang als Country Managerin das Österreich-Geschäft von Xiaomi. Sie übernimmt eine Marke, die hierzulande nach eigenen Angaben zu den drei größten Smartphone-Herstellern zählt. International verkauft der chinesische Konzern auch Wearables, Haushaltsgeräte und Elektroautos. „Mit dem ‚Human × Car × Home‘-Ökosystem verbinden wir unterschiedliche Bereiche des Alltags und schaffen einen Mehrwert, der über einzelne Produkte hinausgeht“, sagt Zhang. „Einer meiner Schwerpunkte ist es, den Menschen zu zeigen, dass Xiaomi mehr als Smartphones bietet.“
Den ersten Schritt in diese Richtung setzte Xiaomi 2026, als das Unternehmen erstmals große Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Kühlschränke und Klimaanlagen nach Österreich brachte. Mehr als 400 Produkte sind inzwischen erhältlich. „Für mich bedeutet künftiges Wachstum mehr als nur Marktanteile – Ziel ist es, dass Xiaomi im Alltag der Menschen eine größere Rolle spielt“, sagt Zhang. Einfach ist dieser Weg jedoch nicht: „Österreichische Menschen haben hohe Ansprüche an Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis und vergleichen Angebote sehr genau“, erklärt sie. Zugleich erwarten Konsumenten zunehmend, dass Smartphone, Smartwatch und Saugroboter reibungslos zusammenspielen.
Technologien, die wir in unterschiedlichen Lebensbereichen nutzen, können künftig noch nahtloser zusammenspielen.
Kelly Zhang
Wie viel ein breites Sortiment wert ist, hängt allerdings auch davon ab, was es kostet. Gerade hier bekommt die gesamte Branche Gegenwind zu spüren, weil Speicherchips und andere Komponenten teurer werden. Das trifft ausgerechnet ein Unternehmen, dessen Aufstieg eng mit dem Versprechen leistbarer Technologie verbunden ist. „Unter diesen Bedingungen braucht es klare Prioritäten und konsequente Umsetzung, um Innovation, Qualität und leistbare Preise in Einklang zu bringen“, sagt Zhang. Sie verweist auf die Kooperation mit dem Kamerahersteller Leica, mit der Xiaomi die Smartphone-Fotografie stärker im Premiumsegment positioniert. „Entscheidend ist, was die Menschen dafür bekommen: Leistung, Design, Zuverlässigkeit – und Erlebnisse, die ihren Alltag bereichern“, sagt sie. Mit der Xiaomi 18 Pro Series bringt Xiaomi in diesem Jahr außerdem wieder ein Smartphone mit Backdisplay auf den heimischen Markt.
Ob europäische Kunden zugreifen, hängt neben dem Preis noch von einem zweiten Aspekt ab: dem Vertrauen. Chinesische Technologiemarken sind hierzulande oft mit Bedenken zu Datenschutz und -sicherheit konfrontiert. „Diese Fragen betreffen jedes Technologieunternehmen, unabhängig davon, wo es seinen Ursprung hat“, sagt die Managerin. „Für uns ist entscheidend, solche Bedenken ernst zu nehmen und offen darüber zu sprechen.“ Als Beispiel nennt sie das europäische Rechenzentrum in Amsterdam, in dem die Daten europäischer Nutzer verarbeitet werden.
Dass Xiaomi den österreichischen Markt langfristig stärken will, zeigt sich auch an seinem Engagement vor Ort: 2026 unterstützt das Unternehmen im dritten Jahr in Folge das ATP-Tennisturnier und veranstaltete zudem ein globales Launch-Event in Wien. „Für mich heißt Wachstum nicht einfach, mehr Produkte zu verkaufen. Im Fokus steht, das Vertrauen der Konsumenten zu gewinnen, unsere lokale Präsenz zu stärken und ein Geschäft aufzubauen, das langfristig relevant bleibt“, erklärt Zhang.
Wie weit Xiaomi dabei über das Smartphone hinausdenkt, zeigt der nächste geplante Schritt: 2027 sollen die Elektroautos des Konzerns nach Europa kommen. Was das konkret für Österreich bedeutet, lässt Zhang offen; die Richtung ist für sie dennoch klar: „Mich fasziniert vor allem die Vorstellung, dass Technologien, die wir heute in unterschiedlichen Lebensbereichen nutzen, künftig noch nahtloser zusammenspielen können.“
Was sie an vernetzter Technik reizt, sucht Zhang auch in ihren Teams. „Je vielfältiger die Sichtweisen am Tisch sind, desto besser können wir eingefahrene Denkmuster hinterfragen“, sagt sie. „Für mich bedeutet Führung nicht, dem Bild zu entsprechen, wie eine Führungskraft auszusehen hat. Es geht darum, den Mut zu haben, Entscheidungen zu treffen, offen dafür zu bleiben, selbst dazuzulernen, und Verantwortung zu übernehmen“, sagt Zhang. Dafür brauche es aber auch Gelegenheiten: „Wenn wir wollen, dass mehr Frauen Führungspositionen in der Technologiebranche übernehmen, müssen wir Talente erkennen und ihnen die Möglichkeit geben, echte Verantwortung zu tragen.“ Frauen, die heute in die Tech-Branche einsteigen, rät sie, „neugierig zu bleiben, sich auch an Herausforderungen heranzuwagen“ und Chancen außerhalb der eigenen Komfortzone zu ergreifen; so wie sie es selbst auf ihrem Weg von Indonesien über Tschechien und Serbien nach Wien getan hat. „Und vor allem: Setz dir nicht selbst Grenzen, bevor du es überhaupt versucht hast.“
Foto: Xiaomi