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Der Aufwand hinter dem Statuserhalt gegen den tatsächlichen finanziellen Gegenwert. Reisetopia-Gründer Moritz Lindner im Gespräch darüber, wann sich Vielflieger-Status wirklich rechnet
Priority Boarding, garantierte Sitzplätze in der ersten Reihe, kostenlose Upgrades: Vielflieger-Status hat einen Ruf, der fast so glänzend ist wie eine Kreditkarte aus Metall. Moritz Lindner, Gründer und Geschäftsführer der Reise- und Finanzplattform reisetopia, warnt trotzdem davor, Status als automatisches Ziel zu verfolgen. Die Programme der Airlines sind in den vergangenen Jahren strenger geworden, und wer Status nur um des Status willen jagt, zahlt dafür oft mehr, als er am Ende zurückbekommt. Im Interview erklärt er, wann sich der Aufwand wirklich lohnt – und für wen Status eher ein teures Hobby als eine clevere Finanzentscheidung ist.
Moritz, fangen wir direkt an: Lohnt sich Vielflieger-Status heute überhaupt noch?
Moritz: Das kommt durchaus stark darauf an, wie man ohnehin reist. Für jemanden, der beruflich mehrmals im Monat fliegt, ergibt sich Status oft fast von selbst, und die Vorteile summieren sich dann wirklich spürbar. Für jemanden, der zwei- oder dreimal im Jahr in den Urlaub fliegt, sieht die Rechnung meistens anders aus – dort wird Status oft aktiv erjagt, statt sich nebenbei zu ergeben, und genau das kann teuer werden.
Was hat sich denn in den letzten Jahren bei den Statusprogrammen verändert?
Moritz: Die großen Programme haben sich in den letzten Jahren zunehmend am tatsächlich ausgegebenen Geld orientiert, nicht mehr nur an geflogenen Kilometern. Wer früher mit vielen günstigen Kurzstreckenflügen Status sammeln konnte, muss heute meistens auch einen relevanten Umsatz bei der Airline oder über eine Kreditkarte nachweisen. Das hat die Einstiegshürde für gelegentliche Vielflieger durchaus höher gemacht als früher.
Was genau meinst du mit „Status wird teuer erjagt" – kannst du das an einem Beispiel festmachen?
Moritz: Klassisches Beispiel ist der sogenannte Status-Run: kurz vor Ablauf des Bewertungsjahres werden gezielt zusätzliche Flüge gebucht, die man eigentlich gar nicht gebraucht hätte, nur um die letzten fehlenden Punkte für die nächste Stufe zu erreichen. Wenn ein solcher Flug mehr kostet, als der Status über das ganze Jahr an Wert bringt, hat man sich das im Grunde selbst schöngerechnet. Das sehe ich durchaus häufiger, als man denkt.
Wie berechnet man denn den tatsächlichen Gegenwert von Status – woran macht man das fest?
Moritz: Ich würde die konkreten Vorteile durchgehen, die man wirklich regelmäßig nutzt: kostenlose Sitzplatzreservierungen, zusätzliches Freigepäck, Lounge-Zugang, gelegentliche Upgrades. Jeden dieser Vorteile kann man mit seinem separaten Marktpreis vergleichen. Erst wenn die Summe dieser Einzelwerte über das Jahr betrachtet höher liegt als der Aufwand, den man für den Statuserhalt betreiben musste, lohnt sich Status auch wirklich in Zahlen – und nicht nur im Gefühl.
Was sind die größten Fehler, die du bei Menschen beobachtest, die Vielflieger-Status anstreben?
Moritz: Der häufigste Fehler ist, den Status als Selbstzweck zu behandeln, statt als Mittel zum Zweck. Man bucht plötzlich eine bestimmte Airline, obwohl eine andere Verbindung günstiger oder passender wäre, nur um Punkte bei genau diesem Programm zu sammeln. Der zweite Fehler ist, den zeitlichen Aufwand zu unterschätzen, der in die Planung von Statusreisen fließt – diese Zeit hat schließlich auch einen Wert.
Für wen lohnt sich Status also am ehesten, und für wen eher nicht?
Moritz: Am ehesten für Menschen, die ohnehin regelmäßig aus beruflichen Gründen fliegen und bei denen Status quasi ein Nebenprodukt ihrer normalen Reisetätigkeit ist. Für alle anderen würde ich eher empfehlen, sich zuerst zu fragen, ob eine gute Reisekreditkarte mit Lounge-Zugang und Versicherungsleistungen nicht ohnehin einen Großteil der gewünschten Vorteile abdeckt – meistens deutlich günstiger und ohne den Druck, ein bestimmtes Reiseverhalten künstlich aufrechterhalten zu müssen.
Das klingt, als wäre eine Kreditkarte oft die bessere Alternative zum klassischen Vielflieger-Status?
Moritz: Für viele durchaus, ja, zumindest was einzelne Vorteile angeht. Lounge-Zugang zum Beispiel bekommt man mittlerweile auch unabhängig von einer bestimmten Airline über eine passende Kreditkarte, ganz ohne Statusverpflichtung. Was eine Kreditkarte dagegen nicht ersetzt, sind airline-spezifische Vorteile wie garantierte Sitzplätze in der ersten Kabinenreihe oder Vorrang auf Warteliste bei Upgrades – das bleibt an den tatsächlichen Status gebunden.
Zum Abschluss: Was wäre dein ganz konkreter Rat an jemanden, der gerade überlegt, ob sich Status für ihn lohnt?
Moritz: Ich würde ehrlich das eigene Reiseverhalten der letzten zwölf Monate anschauen, nicht das gewünschte der nächsten zwölf. Wie oft war ich tatsächlich unterwegs, mit welcher Airline, und wie nah war ich dabei ohnehin schon an der nächsten Statusstufe? Nur wenn diese Zahlen von allein einigermaßen nah an eine Statusgrenze herankommen, würde ich den letzten Schritt aktiv angehen. Wer weit davon entfernt ist, sollte sich eher fragen, ob nicht andere Wege günstiger zum gleichen Komfort führen.
Über Moritz Lindner: Moritz Lindner ist Gründer und Geschäftsführer von reisetopia, einer der reichweitenstärksten deutschsprachigen Plattformen rund um smarte Reise- und Finanzentscheidungen. Seit 2016 zeigt reisetopia, wie sich hochwertiges Reisen durch kluge Finanzentscheidungen realisieren lässt – unter dem Leitgedanken „Luxus smart finanziert".
Mehr dazu unter: reisetopia.de
Foto: beigestellt/ Moritz Lindner, Gründer & Geschäftsführer von Reisetopia