Von Fixsternen, Eisbärenbabys und alten Lorbeeren

Als ich DM-Gründer Götz Werner einmal ­fragte, wie es um den Status quo in Deutschland bestellt sei, antwortete er: „Immer unzulänglich.“ Er sei der Meinung, wir verhielten uns in vielen Dingen grundsätzlich suboptimal – wir bräuchten Fixsterne, die uns herausfordern. Welche? „Nicht das Know-how entscheidet, sondern das Know-why.“

Auch US-Bestsellerautor Simon Sinek stellt diese Frage, sowohl in seinem Buch „Frag immer erst: Warum“ als auch in einem der meistgesehenen TEDx-Videos aller Zeiten. An Werner müssen sich auch in anderer Hinsicht viele ein Beispiel nehmen: Seine Drogeriekette DM gründete er 1973, mitten in der ersten Ölkrise – die die Welt in eine schlimme Rezession stürzte. Aber der Sinn seiner innovativen Idee trotzte der Krise: gute Produkte zu einem günstigen Preis flächendeckend der deutschen Kundschaft anzubieten. Auch Dirk Rossmann war gerade mit seinem Konzept an den Markt gegangen. Beide wurden für ihren Mut belohnt und sind heute Milliardäre.

Wenn wir heute an Innovation denken, ­verbinden wir damit nicht solch einfache Ideen – und das ist der Fehler. Innovation darf nicht ­kompliziert, sondern muss einleuchtend sein. Drogerieartikel konnten die Bundesbürger auch vor 1973 schon kaufen – aber nicht mit System. Zwei Jahre später tat ein amerikanischer Student ­etwas Ähnliches. Computer gab es bereits; sie waren nur für Otto Normalverbraucher nicht bedienbar. Darum baute der junge William eine leicht zu bedienende Benutzeroberfläche, damit möglichst viele Menschen einen Computer verwenden können. Damit wurde William „Bill“ Gates später zum reichsten Menschen der Welt.

Julien Backhaus
...ist ein deutscher Medienunternehmer sowie mehrfacher Autor und Ex-Lobbyist. Er gründete 2007 als jüngster Zeitschriftenverleger den Backhaus Verlag.

Ja, die Entwicklung ist komplex – ob nun ­eines ­Filialsystems oder einer Software. Aber der Sinn dahinter ist simpel. Nur „sinn-volle“ Lösungen ­werden überleben können. Und nichts suchen die Menschen in ­einer Krise mehr als Lösungen. ­Unternehmer verdienen nicht mit Produkten Geld, sondern mit Lösungen bzw. der Deckung eines Bedarfs. Der ehemalige Intel-Chef Andy Grove sagte einst: „In der Krise werden schlechte Unternehmen zerstört. Gute Unternehmen überleben. Großartige Unternehmen werden besser.“ Noch wichtiger: Großartige Unternehmen entstehen in der Krise. Die Hälfte aller Fortune-500-Unternehmen wurde während einer Rezession oder ­Krise gegründet. Nehmen Sie nur Forbes, das 1917, mitten im Ersten Weltkrieg, gegründet wurde. Auch UPS, Disney oder HP wurden während schlimmer Krisen gegründet. Sie alle wollten Probleme lösen und Sinn stiften – und sind zu Giganten geworden. So, wie Eisbärenjunge in der Arktis gezwungen sind, Resilienz zu entwickeln, um den lebensbedrohlichen Umständen zu trotzen, entwickeln auch Unternehmen diese Anpassungsfähigkeit in Krisenzeiten. Die Pandemie hat nun vielen Unternehmen offenbart, dass sie wichtige Veränderungen vor sich hergeschoben haben. Aber das Fundament entsteht auf täg­licher Basis: Unternehmen stehen täglich im Wettbewerb – durch die Globalisierung mit so vielen Konkurrenten wie nie zuvor. Der Luxus, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, gehörte schon damals der Vergangenheit an. Heute gilt nur noch eine Maxime: Innovate or die. Machen Sie es nicht gut – machen Sie es besser.

Gastkommentar: Julien Backhaus

Der Gastkommentar ist in unserer Januar/Februar-Ausgabe 2021 „Innovation & Forschung“ erschienen.

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