WACHSEN UND LEBEN

„Ich war schon immer in Innovation verliebt“, sagt Alexi Coffey. Nach nur zwei Jahren an der US-Eliteuniversität Dartmouth entschied sie sich, ihr Studium abzubrechen und nach New York City umzuziehen – ohne Job und ohne Bekannte, denn Coffey wollte echte Lebenserfahrung sammeln.

Ein paar Jahre lang probierte sie Verschiedenes aus und gründete diverse Unternehmungen. Doch bald kam die Wende: Als sie zusammen mit ihrem damaligen Freund (und heutigen Mann) an einem von Nasa und Google veranstalteten „Climate Solutions Program“ teilnahm, kam ihr die Idee für ein Start-up. 2017 gründete das Paar gemeinsam das Jungunternehmen Steward – es bietet eine App, die mittels Daten und maschinellem Lernen jeden Pflanzenbesitzer zum erfolgreichen Gärtner machen soll. Bis jetzt hat Steward Investments in der Höhe von 500.000 US-$ bekommen, die Umsätze 2021 sollen bei rund drei Millionen US-$ liegen.

Wie die App genau funktioniert? Man scannt zuerst die eigene Wohnung, aus den Daten wird dann eine „Light Map“ erstellt, die sich selbst je nach Jahreszeit automatisch aktualisiert. Somit kann die App datenbasierte Vorschläge bringen, wo Zimmerpflanzen zu platzieren und wie sie zu behandeln sind. Mehrere Jahre Forschung stecken in der Ausarbeitung der aktuellen Version der Software. „Wir haben mehrere Durchbrüche gemacht, was die Messung von Licht angeht“, erzählt Coffey. Denn im Zuge der Entwicklung der Software analysierte sie mit ihrem Team mehrere Tausend Pflanzen, um herauszufinden, was der entscheidende Wachstumsfaktor für diese ist. „Das Ergebnis hat uns überrascht: Das Allerwichtigste für eine Pflanze ist, welches Licht sie bekommt“, erklärt Coffey.

Derzeit hat Steward rund 12.000 Benutzer. Während die App früher 10 US-$ pro Monat kostete, ist der Abopreis letztens auf rund 4 US-$ pro Monat gesunken. Das wurde möglich, weil Steward mittlerweile so viele Daten gesammelt hat – dadurch reduziert sich auch die notwendige Rechenkapazität, um eine „Light Map“ zu erstellen.

Im engeren Sinn geht es dabei darum, Hauspflanzen die beste Erfolgschance zu geben, zu wachsen. „Wir haben 96 % Erfolgsquote, wenn es darum geht, Hauspflanzen am Leben zu halten. Das ist viel höher als der Branchendurchschnitt“, sagt Coffey. Doch ihre Vision ist um einiges größer: Wie kann man mit der Natur enger kooperieren? Wie kann Technologie eingesetzt werden, um gegen den Verlust an Biodiversität zu kämpfen? Während die Software aktuell noch auf Hauspflanzen – und da vor allem auf die Messung von Licht in Innenräumen – spe­zialisiert ist, will Coffey die An­wendung auch für die Nutzung im Freien adaptieren. Das könnten Privatgärten sein, aber auch urbane Räume – überall dort, wo Menschen leben: „Oft weisen jene Orte, an denen Menschen leben, am wenigsten Biodiversität auf. Wir wollen diese Räume in üppige Ökosysteme verwandeln. Dafür braucht es gar nicht viel Geld oder Ressourcen. Unser Ziel ist es, Wachstum zu ermöglichen“, fasst Coffey ihre Vision zusammen.

Text: Sophie Spiegelberger
Foto: beigestellt

Dieser Artikel erschien in unserer Ausgabe 5–21 zum Thema „Travel & Tourism“.

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