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Ein Ferienhaus zu besitzen ist emotional attraktiv – ökonomisch aber oft ineffizient: viel gebundenes Kapital, laufende Kosten, begrenzte Eigennutzung. Co-Ownership setzt genau dort an: Eigentum wird in Anteile geteilt, Nutzung organisiert, Betrieb professionell gemanagt. Das senkt die Einstiegshürde und macht ein klassisches Luxusgut für neue Zielgruppen finanzierbar – ein Grund, warum Investoren dem Segment zuletzt mehr Aufmerksamkeit schenken.
Co-Ownership im Ferienimmobilienbereich wird häufig als Gegenentwurf zum Vollkauf positioniert: Statt ein Objekt allein zu erwerben, kaufen mehrere Parteien Anteile an einer konkreten Immobilie und erhalten ein klar geregeltes Nutzungsmodell. Der Anbieter übernimmt dabei typischerweise Prozesse, die privat schwer zu koordinieren sind – von Vertragswerk und Instandhaltung bis zum Belegungsmanagement.
Dass das Thema in Europa sichtbar an Momentum gewonnen hat, zeigt auch die Finanzierungslage: Der Berliner Co-Ownership-Anbieter MYNE meldete 2024 den Abschluss einer 40-Mio.-€-Series-A, strukturiert als Kombination aus Eigen- und Fremdkapital, angeführt von Limestone Capital; beteiligt waren unter anderem Motive Ventures und Scope Hanson.
Hinter der Nachfrage stehen vor allem drei Treiber – alle sind wirtschaftlich und verhaltensgetrieben.
Erstens: Kapitalbindung wird teurer. Ein Zweitwohnsitz ist ein Asset, das häufig viele Wochen pro Jahr ungenutzt bleibt, aber voll finanziert und laufend betrieben werden muss. Co-Ownership reduziert den notwendigen Kapitaleinsatz pro Haushalt und verschiebt die Entscheidung von „entweder ganz oder gar nicht“ zu „anteilig und planbar“. Ein wesentlicher Vorteil moderner Co-Ownership-Modelle liegt in der Kapitaleffizienz. Anstatt das gesamte Budget in ein einzelnes Objekt zu investieren, können Anleger ihr Kapital über mehrere Standorte und Märkte hinweg verteilen“, sagt Nikolaus Thomale, Gründer und Geschäftsführer von MYNE Homes. Das ist vor allem in einem Umfeld relevant, in dem Finanzierungskosten und Eigenkapitalanforderungen stärker spürbar sind als in den Jahren der Nullzinsphase.
Zweitens: Regulatorik und Wohnraumpolitik erhöhen den Druck in Ferienregionen. In Teilen Europas – besonders in touristisch stark belasteten Destinationen – werden Zweitwohnsitze und Kurzzeitvermietung politisch sensibler diskutiert und teils restriktiver geregelt. Das fördert Modelle, die Nutzung intensiver organisieren und Betrieb professionell steuern, statt Leerstand über weite Teile des Jahres zu akzeptieren.
Drittens: Der Produktstandard ist gestiegen. Der Wert liegt nicht nur im Anteil am Objekt, sondern in der operativen Umsetzung: transparente laufende Kosten, Wartung, Versicherung, Belegungslogik, Servicequalität – und ein klarer Prozess, wie Anteile später wieder verkauft werden können. Anbieter versuchen damit, die „Koordinationskosten“ von gemeinsamem Eigentum zu reduzieren – und genau diese Friktion ist ein zentraler Markthebel.
Aus Investorensicht wird Co-Ownership deshalb zunehmend als plattformnahes Real-Asset-Geschäft verstanden: Ein Teil des Umsatzes entsteht rund um den Anteilserwerb, der strukturelle Hebel liegt aber häufig in Gebühren- und Servicekomponenten über den Lebenszyklus. Dass dieses Muster nicht nur europäische Anbieter betrifft, zeigen auch regulatorische Unterlagen des US-Anbieters Pacaso, die Erlösquellen wie den Verkauf von Anteilen sowie Transaktions- und Servicegebühren beschreiben.
Ob sich das Modell langfristig vom Trend zur etablierten Alternative entwickelt, hängt an zwei harten Faktoren: Kostenkontrolle im Betrieb und Liquidität beim Wiederverkauf von Anteilen. Je klarer sich Nutzung, Qualität und Exit planbar machen lassen, desto eher wird Co-Ownership zur echten Zwischenkategorie zwischen Vollkauf und Miete – und damit zu einem Markt, der über eine Nische hinauswächst.
Foto: Sora
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