Warum deutsche C-Levels auf Linkedin aktiv sein sollten

Heute brüsten sich Unternehmer und Top-Führungskräfte immer öfter mit ihrer Reich­weite auf Social Media. Elon Musk, Kylie Jenner und Richard Branson zeigen als Galionsfiguren seit Jahren eindrucksvoll, wie um sie Milliarden­imperien entstanden sind.

Weil die Präsenz stimmt, entsteht ein Return für die Firma – die eigene Social-Media-Präsenz dient nicht nur dem reinen Selbstzweck. Mehr Vertrauen bei Kunden, bessere Bewerber oder mehr Presse für den neuesten Geschäftsbereich entstehen heute online. Auftritt und Profil einer digitalen Personenmarke sind unverkennbar, wie ein Fingerabdruck. Viele Unternehmer und Führungskräfte glänzen jedoch durch digitale Abwesenheit, weil Zeit und Prozesse fehlen, die jeweiligen Kanäle zielführend zu bespielen. Gleichzeitig zeigen vereinzelte deutsche Topmanager – etwa Herbert Diess von VW, Christian Klein von SAP oder Tim Höttges von der Deutschen Telekom – auf Linkedin, was sie tagtäglich beschäftigt. Wer seine digitale Reputation vernachlässigt, verliert an Relevanz in der echten Welt.

Inhaltsleere Phrasen wie „Visionary Business Leader“ oder „mehr als 25 Jahre internationale Erfahrung“ werden nur noch getoppt von „der unbändigen Leidenschaft für Digitalisierung und Kundenzentrierung“. Solche Beschreibungen verfehlen ihr Ziel, weil sie keine Bilder in den Köpfen der Leser erzeugen. Machen Sie den Selbsttest: Extrahieren Sie den Text Ihrer Selbstbeschreibung, lesen Sie ihn einer vertrauten Person vor und fragen Sie danach, wer sich dahinter verbirgt. Ohne Name und Bild zucken die meisten Zuhörenden mit den Schultern. Wenn Ihr Profil nicht in Erinnerung bleibt, ist jede Reichweite wertlos.

Moritz Neuhaus
...ist Gründer und Geschäftsführer des auf Personal Branding spezialisierten Beratungsunternehmens Insight Consulting.

Bei digitalem C-Level-Personal-Branding geht es nämlich weniger um die reine Followerzahl, sondern vor allem um Meinungsführerschaft. Meinungsführende beeinflussen mit ihrer Onlinepräsenz, wie Zehntausende relevante Empfänger über sie und ihr Unternehmen denken. Die breite Masse ist dabei nicht das Ziel; es geht um die Stimme in der eigenen Branche. Es geht auch darum, die Mit­arbeitenden Ihres Unternehmens auch über diese Kanäle zu begleiten. Gute Posts landen heute häufig im Intranet von Unternehmen. Solche Maßnahmen erhöhen das Vertrauen, weil sich die Führung intern und extern in der Verantwortung zeigt. Mittels Social Media lassen sich Branchentrends verstärken, Firmen­bewertungen steigern und im Extremfall sogar Aktienkurse beeinflussen. Linkedin sticht hier als wichtigste Businessplattform mit aktuell 16 Millionen Nutzern im deutschsprachigen Raum klar hervor, weil kein anderes Netzwerk eine ähnlich qualitative Leserschaft besitzt.

Die meisten Unternehmer und Führungs­kräfte über 40 sind sich der Wichtigkeit ihrer digitalen Präsenz noch nicht bewusst. Sie reden sich ein, dafür keine Zeit zu haben, oder erkennen den Nutzen für ihr Unternehmen und sich selbst nicht. Die nächste Generation sieht in der eigenen Präsenz eher eine Selbstverständlichkeit, weil sie selbst täglich Zeit in den sozialen Medien verbringt, andere verfolgt und Austausch pflegt. Die digitale C-Level-Personal-Brand wird in den nächsten Jahren den Unterschied machen, denn digitale Reputation ermöglicht Einfluss­nahme und Abgrenzung.

 

Gastkommentar: Moritz Neuhaus

Der Gastkommentar ist in unserer April-Ausgabe 2021 „Geld“ erschienen.

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