Wer mit Pfefferspray Millionen verdient

Eine Reihe von Unternehmen profitieren von den Anti- Einwanderungsmaßnahmen der Regierung von Donald Trump. Zu ihnen gehören Safariland im Besitz des Milliardärs Warren Kanders, das der führende Lieferant von Pfefferspray und Tränengas für die US-Behörden ICE und CBP ist, und Quantico Tactical, das von einem ehemaligen Marine­infanteristen geleitet wird, der mit Donald Trumps „Make America Great Again“-­Bewegung sympathisiert.

In den Augenblicken, bevor Grenzschutzbeamte den Intensivpfleger Alex Pretti am 24. Jänner in Minneapolis erschossen, sprühten sie ihm Pfefferspray ins Gesicht, als er versuchte, einen Mitdemonstranten zu schützen. Es kursieren schockierende Fotos, die zeigen, wie ICE-Beamte (Immigration and Customs Enforcement) diese Substanz, die als nicht tödliche chemische Waffe gilt, aggressiv eingesetzt haben, um Menschenmengen zu kontrollieren. Diese Demonstranten protestierten gegen die zunehmend gewaltsamen Einwanderungsmaßnahmen der Trump-Regierung.

Sowohl Pfefferspray als auch Tränengas können Menschen durch brennende Schmerzen und Atem­beschwerden handlungsunfähig machen. Laut staat­lichen Beschaffungsunterlagen kauft die Regierung diese Produkte größtenteils von einer kleinen Gruppe wenig bekannter Unternehmen. Im Laufe des ­letzten Jahres haben diese Unternehmen Verträge über ­chemische Waffen und Ausrüstung mit ICE und ihren bislang größten Vertrag mit CBP (Customs and Border Protection), der übergeordneten Behörde der Grenzpolizei, abgeschlossen.

Quantico Tactical, ein Waffen- und Rüstungshändler mit Sitz in Aberdeen, North Carolina, ist laut Vertrags­unterlagen der mit Abstand größte Lieferant von chemischen Waffen an ICE und CBP während Trumps zweiter Amtszeit. Das Unternehmen wurde von David Hensley, einem ehemaligen Major des Marine Corps, gegründet und hat seit Januar 2025 Tränengas und ­Pfefferspray im Wert von 4,7 Mio. US-$ (4 Mio. €) an die Behörden verkauft, fast dreimal so viel wie im Vorjahr (1,7 Mio. US-$). Es hat ICE auch mit herkömm­licher Munition beliefert; sein größter Auftrag für die Behörde belief sich im September letzten Jahres auf 10 Mio. US-$ für „Schusswaffen und Magazine“.

Als Distributor stellt Quantico keinen der verkauften Ausrüstungsgegenstände selbst her, sondern vertreibt Produkte anderer Hersteller weiter. Obwohl der Herstellername in öffent­lichen Verträgen nicht genannt wird, ist Quantico ein bedeutender Wiederverkäufer der Produkte von Safariland.

Wie Forbes im Dezember berichtete, gehört Safariland zu Cadre Holdings, einem Unternehmen, das vom Milliardär Warren Kanders geführt wird, einem ehe­maligen Banker von Morgan Stanley. Im Lauf der Jahre hat er eine ganze Reihe von Unternehmen aus dem Bereich Verteidigungs- und Strafverfolgungswaffen sowie Schutzausrüstung übernommen.

Cadre besitzt eine Reihe weiterer ICE-Auftrag­nehmer; darunter das kanadische Unternehmen Icor Technology, das der Behörde 2025 einen Roboter verkaufte, der Türen öffnen, Treppen steigen und Rauchbomben abfeuern kann, wie aus einem früheren Forbes-Bericht hervorgeht. Pfefferspray aus dem Cadre-Portfolio wurde in Minneapolis eingesetzt – Forbes hat eine Gerichtsakte aus Minnesota von Anfang Jänner 2026 geprüft, in der ein Bundesagent „MK-9“-Pfeffer­spray gegen einen Demonstranten eingesetzt hat. Die­se Marke chemischer Waffen wird von Safarilands ­Defense Technology verkauft.

Laut den Dokumenten der Bundesbehörden unterstützte Kanders jüngst vor allem republikanische Kandidaten finanziell. Der Milliardär, der einst 2.700 US-$ für Hillary Clintons Präsidentschaftskandidatur 2016 spendete, hat seine Allianzen gewechselt und im Jahr 2024 für die Republikaner 8.400 US-$ an das National Republican Congressional Committee sowie 25.000 US-$ an die Winred-Spendenplattform gespendet. Er unterstützte unter anderem auch Michael Waltz mit einer Spende von 6.600 US-$ für dessen Kongresswahlkampf. Waltz verließ später den Kongress, um Trumps Nationaler Sicherheitsberater zu werden – eine Position, die er später nach einer peinlichen Indiskretion militärischer Informationen über die Messaging-App Signal verlor. Waltz, der heute US-Botschafter bei den Vereinten Nationen ist, hat sich wiederholt für Trumps Abschiebungs- und Grenzsicherheitsprogramme ausgesprochen.

In seinem Heimatstaat North Carolina hat sich Quantico-Tactical-Gründer Hensley einen Ruf als MAGA-naher und kompromissloser Konservativer erworben, nachdem er versucht hatte, die Kontrolle über eine Schulbehörde in Moore County zu übernehmen, um eine Anti-Woke-Agenda durchzusetzen. Während seiner Zeit in der Behörde sorgte er zweimal für Kontroversen; zunächst durch seine Unterstützung für die Kapitol-Randalierer vom 6. Januar und zuletzt, als er einen jüdischen Behördenvorsitzenden als „Nazi“ bezeichnete, wie lokale Medien berichteten.

Safariland verkauft seine Ausrüstung auch über ADS (Atlantic Diving Supply), ein Unternehmen, das von Luke Hillier aus Virginia Beach gegründet wurde. Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hat ADS Pfefferspray und Tränengas im Wert von über 400.000 US-$ an ICE und CBP verkauft. Wie Forbes bereits berichtete, ist ADS einer der größten Lieferanten von Militär- und KI-Technologien für ICE, darunter Skydio-Drohnen, Körperpanzer, Waffen und Munition. Im Vergleich zu Hensley und Kanders hat sich Hillier bisher zurückhaltend verhalten und verfügt über keine bekannten politischen Verbindungen.

Das Trio von Unternehmen wird 2026 möglicherweise keine so bedeutenden Gewinne erzielen, wenn sich der politische Wind gegen ICE dreht: Nach dem Mord an Pretti haben sich demokratische Abgeordnete im Kongress zusammengeschlossen und Mitte Februar gegen eine Aufstockung des Budgets gestimmt, die ICE weitere 10 Mrd. US-$ für das kommende Geschäftsjahr gewährt hätte. Viel verändern dürfte das nicht – denn vergangenes Jahr hatte der Kongress ICE im Rahmen der „Big Beautiful Bill“ 75 Mrd. US-$ zugesprochen …

Text: Thomas Brewster/Forbes US
Fotos: Richard Tsong-Taatarii/The Minnesota Star Tribune/Getty Images, Peter Serocki/Shutterstock.com
Illustration: Macy Sinreich für Forbes

Up to Date

Mit dem FORBES-NEWSLETTER bekommen Sie regelmässig die spannendsten Artikel sowie Eventankündigungen direkt in Ihr E-mail-Postfach geliefert.