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PORR CEO Karl-Heinz Strauss erklärt, warum der Wohnbau die Baubranche 2026 noch weiter beschäftigen wird, wie es mit dem Infrastrukturausbau in Deutschland weitergeht und welche Schwerpunkte er in der Innovation setzt.
Wie geht es der PORR?
Der PORR geht es ausgezeichnet – wir hatten 2025 ein sehr gutes Jahr und werden den Erfolg dieses Jahr aller Voraussicht nach ausbauen können. Um nur ein paar Zahlen zu nennen: Wir hatten im dritten Quartal mit EUR 9,6 Mrd. ein All-Time-High im Auftragsbestand bei 25 % mehr Neuaufträgen als im dritten Quartal 2024. Wir haben unser Ergebnis zweistellig gesteigert und unser Aktienkurs hat innerhalb eines Jahres um mehr als 80 % zugelegt. Unsere Performance war so gut, dass wir den Sprung von ATX Prime in den ATX geschafft haben, also zu den 20 größten und liquidesten Werten der Wiener Börse gezählt werden. So eine Bestätigung ist natürlich toll. Jetzt ruhen wir uns aber nicht aus; wir haben 2026 noch eine Menge vor.
Welche Herausforderungen erwarten Sie 2026 – für die Branche und die PORR?
Wir befinden uns weiterhin in einer Wohnbaukrise und diese wird uns auch noch eine Weile erhalten bleiben. Ein Schwerpunktthema – nicht nur für uns, für die Branche – ist daher die Bereitstellung von leistbarem Wohnraum. Hier hat die PORR ein System entwickelt auf der Basis von vorgefertigten Teilen, bei dem wir Wohnraum zu Baukosten von weniger als EUR 2.000 pro Quadratmeter anbieten können. Der Großteil unserer Aufträge stammt weiterhin aus dem Tiefbau, z.B. Verkehrs- und Energieinfrastruktur und Datencenter. Der Infrastrukturausbau wird heuer in Deutschland ein wachsendes Thema, wenn das Sondervermögen anfängt, zu greifen. Hier sehen wir eine positive Aufbruchsstimmung. Für die PORR steht nach dem Kauf der VAMED-Tochter VSG der Ausbau des Healthcare-Bereichs in allen Märkten an. Wir bieten von der Planung bis zum Bau alles zur schlüsselfertigen Übergabe von Gesundheitsbauten.
An welchen Innovationen arbeiten Sie?
Zum einen geht es um die Ausweitung von Digitalisierung und LEAN Construction. Zum Beispiel setzen wir digitale Zwillinge bereits routinemäßig bei großen Infrastrukturprojekten ein, wie etwa dem vor Kurzem eröffneten Koralmtunnel und dem Brenner Basistunnel. Da wäre auch im Hochbau noch mehr möglich. Die Digitalisierung sorgt im Rahmen der Baulogistik, Maschinen- und Vermessungstechnik für effizienteres Arbeiten und in der Robotik loten wir Möglichkeiten aus, die Arbeit auf der Baustelle zu verbessern.
Zum anderen geht es um die Emissionsreduktion. Wir arbeiten an Materialinnovationen, bieten Lösungen im Sinne der Kreislaufwirtschaft und setzen auf erneuerbare Energiequellen. So haben wir im Vorjahr einen CO2-speichernden Asphalt bei einem Radweg umgesetzt und CO2-neutrale Baustellen pilotiert. Wir haben mit Partnern die erste Gipszu-Gips-Recyclinganlage Österreichs in Betrieb genommen. In diesem Sinne geht es auch heuer bei uns weiter.
Aber auch die Zusammenarbeit im Rahmen von kooperativen Planungsverfahren nimmt zu, bei denen alle Beteiligten von Beginn an bei der Planung involviert sind. Das begrüßen wir sehr.
Wie sieht es mit dem KI-Einsatz am Bau aus?
Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren mit KI in der Geräteverwaltung. Mit dem Durchbruch der KI vor etwa fünf Jahren haben wir den Einsatz in mehreren Bereichen gestartet. Das größte Potenzial sehen wir in der Projektplanung und -steuerung. Projekte lassen sich durch den gezielten Einsatz von KI-Lösungen bis zu 20-30 % schneller und kosteneffizienter realisieren. Aber es gibt auch andere positive Effekte wie eine messbare Steigerung der Arbeitssicherheit, ein geringerer Materialverbrauch und die Reduktion von Abfällen um bis zu 30 % auf der Baustelle.