WIE IST ES, LEEROY ZU SEIN?

Als Youtuber will Leeroy Matata vor allem Menschen, die wie er selbst ein außergewöhnliches Schicksal erlitten haben, ins Rampenlicht holen. Marginalisierte Randgruppen sichtbar machen, menschlichen Phänomenen auf den Grund gehen und Werte vermitteln, das sind die Ziele, die Matata mit seinem Schaffen verfolgt.

Ehemalige Häftlinge, Zuhälter, Heroinabhängige und Aussteiger aus der Nazi-Szene gehören zu jenen Menschen, mit denen sich Matata gerne auseinandersetzt. Mit dem Format „Wie ist das, … zu sein?“ auf dem Youtube-Kanal „Leeroy will’s wissen“ holt Matata Menschen „aus der Bubble“ und gibt ihnen eine Plattform. „Es sind diese außer­gewöhnlichen Menschen, die hier eine Stimme haben und das Format zu dem machen, was es ist. Das ist das Herzstück unserer Arbeit“, sagt Matata. Tatsächlich sind Sendungen wie „Wie ist das, magersüchtig zu sein?“ mit 7,4 Millionen Views und „Wie ist das, Nazi zu sein?“ mit fünf Millionen Views die erfolgreichsten Videoproduktionen des Youtubers. Sein Kanal zählt rund 243 Millionen Views und über 1,84 Millionen Abonnenten.

Begonnen hat alles 2016 – ­sei­nen ersten (nach ihm benannten) Kanal gründete Matata nach einem Ereignis, das sich ihm eingeprägt hat: „Als Basketballer wurde ich eines Tages gefilmt und der Film wurde ins Netz gestellt. Mir fiel auf, dass man einem Rollstuhlbasket­baller wie mir gerne zuguckt, weil ich anders bin und die Menschen das nicht kannten. Das hat mich damals motiviert, zu sagen: Ich zeige euch mehr von meinem eigenen Leben!“ Und so begann er, auf seinem Kanal vor allem Entertainment-, Lifestyle- und Gaming-Themen zu bedienen. Doch bevor er auf Youtube erfolgreich wurde, strebte Matata lange eine Karriere als Rollstuhl­basketballer an. Bereits mit 17 nahm er an Junioren-Meisterschaften teil, wurde mit seiner Mannschaft Deutscher Meister und bereiste weite Teile der Welt. Zwei Jahre später – während er nebenher sein Abitur abschloss – gelang es ihm mit seinem Team, in die Rollstuhlbasket­ball-Bundesliga aufzusteigen, die höchste Spielklasse im deutschen Rollstuhlbasketball. Nebenbei fand er Gefallen am Produzieren von Webvideo-Inhalten und machte dies allmählich zu seinem Hauptberuf.

Heute zählt seine Youtube-Community ungefähr 2,5 Millionen Menschen. Seit September 2020 produziert Matata das Format „Leeroy will’s wissen“ mit Funk, dem Content-Netzwerk von ARD und ZDF. Zusätzlich moderiert er sein eigenes Format „Leeroys Momente“ auf SWR Fernsehen. Seinen Erfolg misst Matata aber nicht an den Klicks und der Zahl seiner Follower, sondern am Feedback der Community: „Ein 14-jähriges Mädchen hat sich mal bei mir gemeldet und erzählt, dass ihr Vater, auch im Rollstuhl, durch meine Videos seinen Sinn des Lebens wiedergefunden hat. Er hat gesehen, dass ich es kann, und das hat ihn motiviert“, erzählt Matata. Solche Momente geben ihm die Energie, die er braucht: „Finanzen oder Klicks werden dir nie so viel geben können wie das, was du von der Community zurückbekommst.“

Text: Naila Baldwin
Foto: Leeroy Matata

Dieser Artikel erschien in unserer Ausgabe 10–21 zum Thema „30 Under 30“.

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