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Jahrelang entschieden Google-Rankings darüber, welche Unternehmen im Internet gefunden wurden. Nun beantworten Chat GPT, Gemini und Perplexity viele Suchanfragen direkt. Rund um die Platzierung in diesen Antworten entsteht ein neues Geschäftsfeld: Generative Engine Optimization.
Wer im Internet sichtbar sein wollte, musste bislang vor allem eine Frage beantworten: Wie kommt die eigene Website bei Google-Suchen möglichst weit nach oben? Mit der wachsenden Nutzung generativer KI verändert sich dieses Prinzip. Statt eine Liste mit Suchergebnissen zu öffnen, lassen sich Nutzer zunehmend eine fertige Antwort erstellen – inklusive Produktempfehlungen, Unternehmensnamen und ausgewählter Quellen.
Open AI zufolge nutzen mehr als 900 Mio. Menschen Chat GPT mindestens einmal pro Woche. Google beziffert die Reichweite seiner AI Overviews auf mehr als 2,5 Mrd. monatlich aktive Nutzer. Der erweiterte KI-Modus kommt nach Angaben des Konzerns auf mehr als eine Milliarde Nutzer. Damit wird relevant, welche Unternehmen in generierten Antworten auftauchen – und welche nicht.
In der klassischen Suchmaschinenoptimierung (SEO, kurz für Search Engine Optimization) lässt sich die Sichtbarkeit vergleichsweise einfach erfassen. Eine Website steht für einen bestimmten Suchbegriff etwa auf Platz drei, acht oder 25. Bei KI-Systemen fällt diese Reihenfolge weitgehend weg. Entscheidend ist vielmehr, ob ein Unternehmen erwähnt, empfohlen oder als Quelle verlinkt wird – und in welchem Zusammenhang dies geschieht.
Dafür hat sich der Begriff Generative Engine Optimization, kurz GEO, etabliert. Inhalte sollen so aufbereitet werden, dass Systeme wie Chat GPT, Gemini, Claude, Perplexity oder Googles AI Mode sie leichter finden, verarbeiten und zitieren können. Dazu zählen klar strukturierte Informationen, nachvollziehbare Quellen, konkrete Zahlen, eindeutige Definitionen und Texte, die eine Nutzerfrage möglichst präzise beantworten.
Eine 2024 auf der Fachkonferenz ACM KDD veröffentlichte Studie zeigte, dass Quellenangaben, Statistiken und Zitate die Sichtbarkeit von Inhalten unter bestimmten Versuchsbedingungen erhöhen konnten. Ob sich solche Maßnahmen langfristig auch auf die organische Auffindbarkeit, den Website-Traffic oder den Umsatz auswirken, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Aus dieser Unsicherheit entsteht ein Geschäftsmodell. Unternehmen wollen wissen, bei welchen Anfragen ihre Marke vorkommt, wie sie im Vergleich zur Konkurrenz dargestellt wird und welche Websites von KI-Systemen besonders häufig als Quellen genutzt werden. Softwareanbieter versuchen, diese Antworten messbar zu machen.
Ein Beispiel dafür ist Rankion. Die deutsche Plattform bündelt laut eigenen Angaben klassische SEO-Funktionen, KI-gestützte Content-Produktion, Publishing und die Analyse generativer Suchsysteme.
Nutzer können festlegen, bei welchen Fragen und Begriffen eine Marke erscheinen soll. Anschließend prüft die Software, ob sie in den Antworten verschiedener KI-Dienste erwähnt oder zitiert wird. Darüber hinaus analysiert Rankion, welche externen Quellen besonders häufig auftauchen.
Unternehmen sollen daraus ableiten können, welche Inhalte auf der eigenen Website fehlen oder auf welchen unabhängigen Plattformen sie stärker vertreten sein sollten. Ergänzt wird das Angebot durch Keyword-Recherche, Content-Audits, automatisierte Texterstellung sowie Schnittstellen zu Wordpress und Shopify.
Das Geschäftsmodell folgt dem klassischen Software-as-a-Service-Prinzip. Neben einem kostenlosen Einstieg verkauft Rankion monatliche Abonnements und Credits für Analysen und die Erstellung von Inhalten. Die kostenpflichtigen Pakete beginnen derzeit bei 29 € pro Monat.
Rankion ist mit diesem Ansatz nicht allein. Auch der etablierte SEO-Anbieter Semrush bietet inzwischen eigene Funktionen zur Analyse von KI-Sichtbarkeit an. Unternehmen können damit Erwähnungen in Chat GPT, Gemini, Perplexity und Googles KI-Angeboten beobachten, Wettbewerber vergleichen und relevante Nutzerfragen regelmäßig überprüfen.
Dass große SEO-Plattformen entsprechende Produkte entwickeln, zeigt, dass sich rund um KI-Antworten eine neue Softwarekategorie bildet. Neben klassischen Rankings rücken dabei Markennennungen, zitierte Quellen und der Tonfall der generierten Antworten in den Mittelpunkt.
Für Anbieter eröffnet sich ein Markt mit wiederkehrenden Abonnements. Agenturen können GEO-Analysen als zusätzliche Dienstleistung verkaufen, Marketingabteilungen ihre bestehenden SEO-Budgets erweitern und Beratungsunternehmen neue Angebote rund um KI-Reputation und digitale Auffindbarkeit entwickeln.
Noch ist allerdings offen, ob GEO zu einer eigenständigen Branche wird oder vor allem eine Erweiterung der bisherigen Suchmaschinenoptimierung bleibt. Google selbst erklärt, dass die bekannten SEO-Grundlagen auch für seine generativen Suchfunktionen gelten. Hochwertige Inhalte, technische Zugänglichkeit, klare Seitenstrukturen und verlässliche Informationen bleiben demnach zentral. Aus Sicht des Konzerns ist die Optimierung für AI Overviews und AI Mode weiterhin Teil klassischer SEO-Arbeit.
Auch die Messung bleibt schwierig. Eine Marke kann bei einer Anfrage auftauchen und bei einer leicht veränderten Formulierung fehlen. Hinzu kommen Modellupdates, unterschiedliche Datenquellen und die Frage, ob eine bloße Erwähnung tatsächlich zu Umsatz oder Websitebesuchen führt.
Ein im Juli 2026 veröffentlichter, bislang nicht peer-reviewter Forschungsüberblick über 45 GEO-Studien kommt zu dem Ergebnis, dass Begriffe, Kennzahlen und Qualitätsstandards noch uneinheitlich sind. Keine der untersuchten Methoden konnte demnach bislang einen stabilen, langfristigen und plattformübergreifenden Effekt auf die organische Auffindbarkeit oder nachgelagerte wirtschaftliche Ergebnisse belegen.
Genau darin liegt jedoch die Chance für Anbieter. Solange Unternehmen nicht zuverlässig erkennen können, wie KI-Systeme über ihre Produkte sprechen, steigt der Bedarf an Monitoring, Beratung und laufender Optimierung.
Für Marken und Medien steht dabei mehr auf dem Spiel als eine zusätzliche Kennzahl. KI-Suchsysteme fassen Informationen zusammen, bevor ein Nutzer eine Website besucht. Eine Quelle kann dadurch an Einfluss gewinnen, ohne im gleichen Ausmaß direkten Traffic zu erhalten. Umgekehrt können Unternehmen in einer Antwort prominent empfohlen werden, obwohl ihre eigene Website bei Google nicht an erster Stelle steht.
Die neue Währung lautet deshalb nicht mehr ausschließlich Reichweite, sondern Präsenz in der Antwort. Ob daraus Verkäufe, Vertrauen oder langfristige Markenbekanntheit entstehen, muss sich erst zeigen.
Foto: Emiliano Vittoriosi
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