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Der Goldpreis hat 2026 neue Höchststände erreicht, aber danach auch eine Korrektur erlebt – ein Auf und Ab, das mit Zinserwartungen, Staatsverschuldung und geopolitischen Spannungen zu tun hat. Christian Trinker, Experte für Edelmetalle und Hochsicherheitslagerung bei der Goldvorsorge (GVS Group), erklärt im Gespräch, warum der Kauf von Gold nur der erste Schritt ist – und worauf es bei der sicheren Verwahrung wirklich ankommt.
Anfang 2026 notierte Gold bei knapp 5.600 US-$ (aktuell 4.790 €) je Feinunze, fiel danach auf rund 4.000 US-$ zurück und bewegt sich seither wieder aufwärts. Für Christian Trinker ist diese Volatilität kein Widerspruch zum Ruf des Edelmetalls als „sicherer Hafen“: Steigende Zinserwartungen machen zwar kurzfristig verzinste Anlagen attraktiver und geopolitische Krisen wie jene rund um die Straße von Hormus erhöhen über steigende Energiepreise auch den Cashflow-Bedarf von Unternehmen (wodurch mitunter sogar Gold verkauft wird, um kurzfristig liquide zu bleiben) – langfristig, sagt Trinker, verschiebe sich das Bild jedoch eindeutig: Je mehr Vertrauen in andere Teile des Finanzsystems verloren geht, desto stärker rückt physisches Gold als unabhängiger Vermögenswert ohne Gegenparteirisiko in den Fokus.
Getrieben wird die aktuelle Nachfrage vor allem von Zentralbanken, die ihre Reserven aufstocken. Allein im zweiten Quartal 2026 kamen laut Trinker rund 289 Tonnen hinzu, unter anderem aus Polen, China und Indonesien. Bei Privatanlegern beobachtet er vor allem einen Trend: Kunden, die sich aus dem klassischen Finanzsystem lösen, Aktien abbauen oder nicht selbst genutzte Immobilien verkaufen, um einen Teil ihres Vermögens unkompliziert und steuerlich einfach – nach einem Jahr Behaltefrist steuerfrei – in physischem Gold zu halten.
Mit dem Kauf ist die Aufgabe für Trinker allerdings nicht erledigt. „Man muss die richtige Verbindung zum Gold haben“, sagt er. Gemeint ist eine Lagerung, bei der es keinen Eigentumsübergang gibt, die vollständig versichert und transparent ist, bei der sämtliche Transaktionen nachvollziehbar dokumentiert werden und auf die der Kunde jederzeit und von jedem Ort der Welt zugreifen kann. Ein Fehler, den Trinker häufig beobachtet: Anleger verlagern ihr Gold vom eigenen Schlafzimmer ins Bankschließfach – ohne zu bedenken, dass dieses für Dokumente und Sparbücher konzipiert ist, nicht für Edelmetalle. Im Schadensfall lässt sich der Inhalt kaum nachweisen, außerdem werden Schließfächer vergleichsweise häufig aufgebrochen.
Wir verkaufen nicht mit Angst, sondern weil wir unseren Kunden Sicherheit geben wollen.
Christian Trinker
Die Goldvorsorge (GVS Group) setzt stattdessen auf Hochsicherheitslagerung in Wertheim-Tresoren der höchsten Sicherheitsklasse, die vom Stromnetz unabhängig, nur ausgewähltem Personal zugänglich und durch ein Vier-Augen-Prinzip an getrennten Standorten gesichert sind. Zweimal jährlich prüft ein externer Wirtschaftstreuhänder die Bestände unabhängig. Das Unternehmen bietet die Lagerung außerhalb des klassischen Bankensystems nicht aus Misstrauen gegenüber Banken an, sondern als zusätzliche Absicherung. Trinker: „Man sollte nicht alle Rücklagen im selben System haben; so, wie man auch Datensicherungen nicht ausschließlich im selben Gebäude aufbewahrt.“
Die Goldvorsorge lagert Edelmetalle unter anderem in Deutschland, Österreich, Ungarn, Estland, in der Schweiz, Dubai, Singapur sowie in Nordamerika. Kunden können frei wählen, wo ihr Gold liegt, und es bei Bedarf umlagern lassen. In der Schweiz, Dubai und Singapur ist zudem eine zollfreie Lagerung von Silber und Platin möglich.
Neben der reinen Infrastruktur nennt Trinker als Kriterien für einen seriösen Anbieter vor allem nachvollziehbare Kundenreferenzen, Kooperationen mit anerkannten Prägestätten wie der australischen Perth Mint oder der britischen Royal Mint sowie direkte Anbindung an Scheideanstalten wie Argor-Heraeus oder Valcambi. Als Vertriebspartner internationaler Prägestätten und mit eigener Präsenz auf Branchenmessen wie der World Money Fair verfügt die Goldvorsorge über einen direkten Zugang zum physischen Markt, der auch Verfügbarkeit sichert, wenn andernorts Material knapp wird.
Wer sich vorab ein Bild machen möchte, kann das laut Trinker auch unabhängig von einem persönlichen Beratungsgespräch tun: Die Goldvorsorge veranstaltet – mit Ausnahme der Sommermonate – jeden Monat ein kostenloses Webinar zu aktuellen Entwicklungen am Gold- und Silbermarkt, häufig ergänzt um externe Gäste aus der Wirtschaft. Die Teilnahme ist unverbindlich und für alle Interessierten offen; das nächste Webinar findet Ende September statt, die Anmeldung läuft über die Website des Unternehmens.
Gegründet wurde die Goldvorsorge 2003 und wird seither von Firmengründer Helmut Soos geführt. Trinker selbst kam nach Stationen als Unternehmensberater in Frankreich und den USA im Jahr 2018 zum Unternehmen, baute die Abteilung Hochsicherheitslagerung mit auf und betreut heute vor allem Großkunden.
Bewusst grenzt sich Trinker von Anbietern ab, die mit Krisen- und Weltuntergangsszenarien werben: „Wir verkaufen nicht mit Angst, sondern weil wir unseren Kunden Sicherheit geben wollen.“ Für die kommenden Monate beobachtet er vor allem zwei Entwicklungen: die japanische Schuldenkrise – Japan hält als größter Gläubiger US-Staatsanleihen – sowie anhaltende Spannungen rund um die Straße von Hormus. Beides nährt seiner Einschätzung nach langfristig das Vertrauen in Gold als Absicherung, unabhängig von kurzfristigen Kursschwankungen. Sein Rat an Einsteiger ist pragmatisch: lieber eine erste Münze kaufen und Erfahrung sammeln, als das Thema zu lange aufzuschieben.
Foto: Gianmaria Gava